Hervorragende Künstler:innen, ein begeisterungsfähiges Publikum und nicht zuletzt trockenes Wetter. Das sind die Grundvoraussetzungen für gelungenes Straßentheater. „Mission soweit erfüllt“, bringt es das Team vom Arnsberger Kultursommer die bisherigen Shows der Straßentheater-Tour „Von Nord Nach West 2026“ auf den Punkt.
Mission erfüllt
Doch nach drei sehr unterhaltsamen Montagabenden in Kloster Wedinghausen mischt sich nun ein kleiner Tropfen Wehmut in das Stimmungsbild. Eine vierte Show noch - und dann hat das Vergnügen leider auch schon wieder ein Ende. Aber, auch der (vorerst!) letzte Termin am kommenden Montag, 27. Juli, hat es nochmal in sich: „Shrouded“ zeigt eindrucksvoll die Kraft menschlicher Emotionen. Die Artist:innen bewegen sich dynamisch zwischen innerer Zerrissenheit, Harmonie, Erschöpfung und Freunde durch den Raum. Sie fliegen, stürzen und tragen einander. Die Gruppe wird mal zur schützende Gemeinschaft und dann wieder zu einer bedrohlichen Einheit. In einer lauten und schnelllebigen Zeit laden „Triority Circus“ dazu ein, Gefühle wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Ein Stück über Verletzlichkeit und innere Stärke, dargeboten mit den Mitteln von Akrobatik und Tanz.
Akrobatik und Tanz
Und dann erfährt das Publikum auch noch etwas von zwei Menschen, die lernen zu teilen – einen Raum. In der neuen gemeinsamen Wohnung geraten Gewohnheit und Erwartung an- und durcheinander. Mit Akrobatik, Jonglage und Objekttheater steigt „Duo Mio“ auf Streit, Anziehung und Versöhnung ein. Sein Zusammenspiel erzählt mit feinem Witz vom Wunsch, gesehen zu werden, nach Nähe, überraschender Verbundenheit und Gemeinsamkeit. Der Name der Show ist daher Programm: „Zusammen ist man weniger allein“. Still, komisch, zärtlich, artistisch und voller Magie des Augenblicks.
Magie des Augenblicks
Beginn der Veranstaltung auf der Bühnenfläche vor dem Lichthaus im Klosterhof Wedinghausen ist wie immer um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, die auftretenden Künstler*innen freuen sich aber nach guter alter Straßentheater-Sitte über die Erlöse der freiwilligen Hutsammlung, die ausschließlich ihnen selbst zu gleichen Teilen zugutekommen. Für Erfrischungsgetränke sorgen wieder die DPSG Pfadfinder Neheim. Gespielt wird möglichst auch bei ungünstigem Wetter, soweit das Künstler:innen und Publikum gegenüber vertretbar ist.
Hintergrundinformation:
Die „Von Nord Nach West“-Straßentheater-Tour versteht sich als Werkstattbühne für professionelle Straßentheater-Akteur*innen, solche am Anfang ihrer Karrieren, wie auch „alte Hasen und Häsinnen“. Jahr für Jahr machen sich wochenweise nacheinander insgesamt vier Shows mit jeweils zwei Ensembles bzw. Solo-Künstler*innen auf den Weg durch den Nordwesten der Republik. Seit nunmehr 14 Jahren ist die Tour im Sommer unterwegs und präsentiert sich aktuell in sieben teilnehmenden Städten. Vorgestellt werden ganz unterschiedliche Theaterproduktionen für den öffentlichen Raum, die sich noch in der Entwicklung befinden oder bereits erste (Test-)Aufführungen hinter sich haben. Denn Straßentheater entwickelt sich im Wesentlichen Schritt für Schritt vor Publikum – nicht selten braucht eine Produktion 10 bis 20 Auftritte, oder ein bis zwei Jahre, um sich vollständig zu entfalten.
Die Tour ist daher gedacht zum Einspielen und Ausprobieren neuer Produktionen und Stücke vor Publikum. Sie schlägt, wenn man so will, die Brücke zwischen dem Probenraum und dem Markt der etablierten Straßentheater-Festivals. Wichtig zu wissen: Die Künstler*innen gehen bei „Nord/West“ ohne Gage und auf eigenes finanzielles Risiko auf Tour, allein das Hutgeld ist der Künstler:innen Lohn. Und wenn die Tour zu Ende ist, wird jede*r Teilnehmer:in ca. 1.000 Km zurückgelegt haben!