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Interview mit der Standesbeamtin Monika Knoche anlässlich ihrer 2.000 Trauung

Arnsberg. Am heutigen Freitag, 16. Oktober, traut die städtische Standesbeamtin Monika Knoche zum 2.000 Mal ein Brautpaar - eine besondere Zahl, die Anlass dazu gibt, einmal zurückzublicken. Ein paar Fragen an Monika Knoche:

Wie und wann war denn Ihre erste Trauung?

Eigentlich sollte ich bei meiner ersten Trauung direkt eine Freundin verheiraten. Meine Kollegen haben mir dann aber ganz kurzfristig zwei Tage vorher eine andere Trauung „zugeteilt“. Sie meinten, ich solle erstmal ein fremdes Brautpaar verheiraten, damit ich nicht gleich bei meiner ersten Trauung so emotional mit eingebunden bin. Die erste Trauung - am 7. September 1995 - war dann total schön. Ich war super aufgeregt, habe hinterher auch gesagt, dass es meine erste Trauung war und die Leute haben geklatscht.

Wer weint eigentlich öfter vor Rührung – die Braut oder der Bräutigam?

Das ist schwer pauschal zu sagen, aber ich habe fast den Eindruck, dass es tatsächlich häufiger die Männer sind. Ich glaube, das liegt daran, dass viele vielleicht gar nicht damit rechnen, wie emotional sie dieser Moment berührt. Wenn sie dann kurz vor dem Ja-Wort stehen, wird ihnen die Bedeutung dieses Augenblicks bewusst – und plötzlich kommen die Gefühle hoch, manchmal eben auch die Tränen. Frauen sind darauf vielleicht etwas besser eingestellt, weil sie sich im Vorfeld oft schon mehr mit der emotionalen Seite der Trauung beschäftigen.

Gab es eine besonders ungewöhnliche Trauung?

Es gab viele besondere Trauungen, die mir in Erinnerung geblieben sind! Ein Beispiel: Eine Hochzeit im Wildwald Vosswinkel, bei der die Gäste nicht wussten, dass eine Eheschließung stattfinden soll.  Die Gäste dachten allesamt, sie seien zu einer Wildwald-Führung geladen. Ich habe mitgespielt und die Gäste zur Führung begrüßt, aber da es regnete, habe ich das „Brautpaar“ gefragt, ob wir eine Programm-Änderung vornehmen sollen. Das Brautpaar hat dann die Eheschließung als Programm vorgeschlagen. Die Gäste sind aus allen Wolken gefallen und haben sich sehr gefreut.

Welche Trauungen sind Ihnen ansonsten besonders in Erinnerung geblieben?

Ach, da gibt es ganz viele. Manche, weil ich das Brautpaar persönlich kannte, andere, weil man mit dem Brautpaar so tief ins Gespräch kam, dass man sich daran noch heute gut erinnern kann. Oder die Braut, die einen schwarz-gelben Brautstrauß hatte, da sie großer BVB-Fan war. Dann gab es die Braut, die ihr Brautkleid mit einer Sicherheitsnadel zusammengesteckt hat, weil es ihr beim Anziehen gerissen ist. Andere Trauungen wiederum sind mir in Erinnerung geblieben, weil sie besonders emotional waren.

Haben Sie in all den Jahren mal eine Trauung erlebt, bei der fast alles schiefgegangen ist – und wie haben Sie (oder das Paar) es gerettet?

Komplett alles schief gegangen ist noch nie. Aber mir fällt da direkt die Trauung ein, die eigentlich nur eine Anmeldung der Eheschließung sein sollte. Die zwei hatten eigentlich nur einen Termin zur Anmeldung (früher Aufgebotsbestellung) bei mir; hatten es aber komplett falsch verstanden und dachten, sie würden an dem Tage schon heiraten. Somit hatten sie Location gebucht, Gäste eingeladen, usw. Die zwei standen dann im kompletten Hochzeits-Outfit vor meiner Tür; und die Gäste mit dabei. Da habe ich die Anmeldung aufgenommen, noch in Windeseile eine Traurede geschrieben und die zwei im Büro mit all den Gästen (die die nicht ins Zimmer passten, haben auf dem Flur bei offener Bürotür alles mitbekommen) anschließend verheiratet.

Nach 2.000 Paaren: Gibt es ein gemeinsames Geheimnis, das glückliche Ehen scheinbar alle miteinander teilen?

Ich glaube, ein Geheimnis glücklicher Ehen ist, miteinander im Gespräch zu bleiben und sich füreinander zu interessieren – zu wissen, was den anderen bewegt, was er sich wünscht und wie es ihm geht. Und ich finde, es gehört auch dazu, die richtige Balance zwischen Nähe und Freiraum zu finden: viel gemeinsam zu erleben, aber gleichzeitig jedem die Möglichkeit zu lassen, eigene Interessen zu pflegen und auch mal etwas getrennt voneinander zu unternehmen.

Haben sich die Trauungen in den letzten Jahren verändert?

Ja, das ist definitiv der Fall. Früher war die Standesamtliche Hochzeit schon nüchterner. Zwar auch mit Traurede, aber nicht mit persönlichen Angaben, sondern eher allgemein gehalten. Es kamen auch nicht so viele Gäste mit, weil die meisten Brautpaare auch noch kirchlich geheiratet haben. Heute hingegen ist für viele der Paare die standesamtliche Trauung die einzige Hochzeit. Daher kommen die Bräute heutzutage oft im weißen Kleid, es kommen richtig viele Gäste mit, es werden persönliche Angaben über das Paar eingereicht, ab und zu kommt ist sogar ein Live-Act (Sänger, Sängerin, Pianist) mit dabei.

Was erfüllt Sie besonders an Ihrem Beruf?

Ich trage dazu bei, dass Leute ein Ehepaar werden. Wie schön ist das bitte! Ich bin bei dem meist schönsten Tag des Lebens zweier Menschen mit dabei. Ich habe so ein Glück, dass ich so einen tollen Job habe, und zwei Menschen verheiraten darf.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was sollte jedes Brautpaar niemals tun, bevor es ins Standesamt kommt?

Das man nicht sofort aus der rosa-roten Wolke heraus ins Standesamt laufen sollte. Ein Paar sollte schon ein paar Höhen und Tiefen miteinander erlebt haben. Ein Brautpaar sollte die Hochzeit so gestalten, wie sie es auch fühlen und sie es sich wünschen. Sie sollten sich nicht irgendwelchen Standards oder Erwartungen beugen.

Ein paar Stichworte zu Ihnen persönlich?

Ich bin 57 Jahre alt und selbst seit fast 25 Jahren glücklich verheiratet (am 22.2.27 habe ich Silberhochzeit). Ich lebe im schönen Voßwinkel und bin seit 41 Jahren bei der Stadt Arnsberg beschäftigt. Außerdem habe ich noch einen kleinen Hund, einen Havaneser, namens Kalle.