Medikamentenabhängigkeit

Die stille Sucht

Tabletten

Die Gesellschaft nimmt Suchtkranke vor allem im Zusammenhang mit Alkohol und so genannten Rauschgiften zur Kenntnis. Weniger registriert werden Menschen, die von Medikamenten abhängig sind.

Es gibt verschiedene Medikamentengruppen, die süchtigmachende Stoffe enthalten. Über 80 Prozent der 1,5 Millionen Medikamentenabhängigen in Deutschland sind nach Angaben der DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) süchtig nach Schlaf und Beruhigungsmitteln (Benzodiazepine). Diese Mittel sind immer verschreibungspflichtig.

Schlaf und Beruhigungsmittel sind tückisch. Sie helfen zunächst rasch und zeigen kaum Nebenwirkungen. Bei längerer Einnahme gewöhnt sich der Körper aber an die Substanz und die Wirkung lässt nach. Wird das Medikament in dieser Phase reduziert, so treten Entzugserscheinungen auf. Die Betroffenen haben dadurch den Eindruck, dass sie die Medikamente noch länger nehmen müssen, weil es ihnen ohne diese wieder schlechter gehe.

Nur Wenige wissen, dass durch die längere Einnahme dieser Medikamente schwerwiegende Veränderungen eintreten: körperliche Abgeschlagenheit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie abgeschwächte Gefühlsbeteiligung am Geschehen im Umfeld.

Schmerzmittel

Medikamentendose

Auch die Einnahme von Schmerzmitteln ist meist völlig selbstverständlich. Niemand will unnötig Schmerzen erleiden, niemand will durch Schmerzen gezwungen werden, sich mit seiner Krankheit auseinander zu setzen.

Schmerzmittel wirken aber nicht nur auf die Schmerzen, sondern je nach Art und Dosis auch auf die geistige Wachheit und das Gefühlsleben. Sie dämpfen unangenehme Gedanken, führen zur Gleichgültigkeit und teilweise auch zu einer gewissen Euphorie.

Deshalb werden Schmerzmittel manchmal weiter eingenommen, auch wenn der Schmerz gar nicht mehr im Vordergrund steht sondern die seelische Wirkung.

Hilfe für Medikamentenabhängige

Stellt man an sich oder bei einem Angehörigen, Freund oder Bekannten nach einer längeren Medikamenteneinnahme deutliche körperliche und seelische Veränderungen fest, dann sollte dringend Hilfe in Anspruch genommen werden.