Die Klosterroute Arnsberg

Das Sauerland gehört zu den familienfreundlichsten Urlaubsregionen Deutschlands und verspricht so manches Natur- und Geschichtserlebnis vor malerischer Kulisse. Ein besonderer Touristen-Magnet ist die Stadt Arnsberg, in der Schleife der Ruhr gelegen. Wer hierher kommt, wird nicht nur mit einem tollen Ausblick auf die Schlossruine und das Sauerland belohnt, hier lassen sich auch andere „Schätze“ finden. Parallel zum (E)-Fahrrad-Route wurde ein Geocachetrail angelegt. Auf den neun Stationen geht es spannend zu, gilt es doch die fünf Zahlen zu finden, die erforderlich sind, um das Final zu öffnen. (Stadt)-Geschichte muss immer wieder von Neuem anschaulich dargestellt werden und sie lässt sich auf vielfältige Weise erzählen. Mit der Klosterroute wird der Blick in die Vergangenheit aus zwei Perspektiven erzählt. Während in dieser Broschüre fachliche Zusammenhänge kurz dargestellt werden, schlüpft der Audio-Guide in die historische Persönlichkeit des Fuhrmanns Friedrich Clute-Simon. Mit ihm, der in Allendorf (Sundern) ein Fuhrunternehmen führte, tauchen Sie ein in die Zeit zwischen 1790 und 1825, als Arnsberg, damals Regierungshauptstadt des kurkölnischen Sauerlands, zum Brennpunkt deutscher und europäischer Geschichte wurde. 1794 entschied sich das Domkapitel in Köln zur Flucht vor den heranziehenden französischen Truppen. Archivalien, Bücher und kunsthistorische Kostbarkeiten aus den Domschätzen von Trier und Köln sowie Schätze aus dem Bonner Münster wurden mit Pferdefuhrwerken nach Arnsberg gebracht, wo sie in den Klöstern Oelinghausen und Wedinghausen versteckt wurden.

Nach kurzer hessischer Regierungszeit werden Arnsberg und das kurkölnische Sauerland 1816 preußisch. Aus der Zufluchtsstätte von einst wird nun der Sitz der neuen preußischen Regierung, die auf die Entwicklung der Stadt Arnsberg erheblichen Einfluss nimmt.

Ein Tag im Leben des Fuhrunternehmers Friedrich A. Clute-Simon

Die Hauptperson unseres Audio-Guides hat es wirklich gegeben! Er wohnte in Allendorf (heute Ortsteil von Sundern) am Ende des 18. Jahrhunderts. Als Fuhrunternehmer war Clute-Simon ein angesehener Mann. Er war Vater von acht Kindern und wohlhabend. Von seinen Verdiensten hat er ein großes Haus am Ortsrand von Allendorf gebaut, das heute noch steht. Er und seine Familie lebten in einer aufregenden Zeit. In der Nachfolge der französischen Revolution kam es zur Abschaffung der Vorrechte von Adel und Kirche und nach 1803 zur Aufhebung aller Klöster und manch abenteuerlicher Begebenheit.

Wir begleiten Friedrich A. Clute-Simon und seine Tochter Marie einen Tag auf einer Fuhre nach Arnsberg und Umgebung. Ihre Rundfahrt führt sie von Rumbeck in die Arnsberger Altstadt, über Bruchhausen nach Hüsten, zum Kloster Oelinghausen und schließlich zum Klosterhof Kirchlinde und zurück nach Allendorf.

Friedrich A. Clute-Simons Fahrt ist keine authentische Reportage, aber es könnte eine sein. In zehn Episoden des Audio-Guides erzählt der Fuhrmann von seinen Erlebnissen am Ende des 18. Jahrhunderts, von seinem Alltag und von den Orten, die er kannte.

Tauchen Sie ein in die Zeit vor 200 Jahren, wenn Sie Clute-Simon lauschen!

INTRO zum AUDIO-GUIDE


STATION 1 | EHEM. KLOSTER RUMBECK (zurück)

Die Geschichte des Frauenstiftes Rumbeck begann Ende des 12. Jahrhunderts, als Graf Heinrich I. von Arnsberg seinen Haupthof 1185 dem von ihm gegründeten Prämonstratenserkloster Wedinghausen schenkte. Wenige Jahre später gründeten die Prämonstratenser hier ein Damenstift. 1196 kamen die Nonnen aus dem Kloster Bredelar (heute Marsberg) dazu, als dieses in ein Zisterzienserkloster umgewandelt wurde. Zum Konvent gehörten etwa zwanzig Chordamen, zehn Laienschwestern und drei Novizinnen. Wir wissen wenig über das Alltagsleben der Stiftsdamen. Bekannt war das Frauenstift für seine qualitativ hochwertigen Stickarbeiten und seine karitative Arbeit, aber auch die Kirchenorgel von Johann Berenhard Klausing ist ein Meisterwerk der Orgelbaukunst und findet ihr Gegenstück im Kloster Oelinghausen (Station 8). Wie jedes Kloster verfügte auch Rumbeck über eine große Klosterwirtschaft mit Jagd- und Fischereirechten. Sieben Teiche reihten sich entlang des Mühlbachs, der auch Mühlen und einen Eisenhammer antrieb.

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STATION 2 | EHEM. KLOSTER WEDINGHAUSEN (zurück)

Die Geschichte des Klosters Wedinghausen, dem ältesten der drei Arnsberger Norbertinerklöster, begann im Jahr 1173 mit der Stiftung eines Prämonstratenserklosters durch Graf Heinrich I. von Arnsberg. Als Ort bestimmte er seinen Hof Wedinghausen, in dessen Kapelle die Gräber seiner Vorfahren lagen. Schnell entwickelte sich das Kloster zu einem geistigen Zentrum mit einem Skriptorium und einer schon um 1300 bestehenden Klosterschule. Bei einer umfassenden Restaurierung des Ostflügels wurden kürzlich im Kapitelsaal die Grablege des Klostergründers sowie im ehemaligen Skriptorium eine mittelalterliche Steinkammerwarmluftheizung gefunden. Die heutige Propsteikirche selbst entstand im 13. und 14. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammt auch das Dachwerk der Kirche. Ihr Innenraum verfügt über eine prachtvolle Barockausstattung. Kanzel und Beichtstühle kommen aus dem Kloster Grafschaft. Das Relief im Marienaltar erinnert daran, dass die Reliquien der Heiligen Drei Könige von 1794–1803 hier versteckt waren.

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STATION 3 | HIRSCHBERGER TOR (zurück)

Zwischen dem Westflügel und der „Prälatur“, dem Wohnhaus des Abtes des Klosters Wedinghausen stand ursprünglich der Pförtnerflügel, über den man bis zu seinem Abriss (1826) ins Kloster gelangte. Das heute hier stehende Hirschberger Tor war ursprünglich Teil des Jagdschlosses Hirschberg (heute Stadt Warstein). 1753 entwarf Johann Conrad Schlaun, Architekt zahlreicher Schlösser und Kirchen, im Auftrag des Kölner Kurfürsterzbischofs Clemens August ein repräsentatives Schlosstor mit Szenen einer Parforcejagd. Die prachtvollen Tierfiguren stammen von Johann Christoph Manskirch: Auf dem rechten (östlichen) Torflügel ist ein von Jagdhunden gestellter Rothirsch zu sehen, der sich aufbäumt und die Meute abzuschütteln versucht; links ein Wildschweinkeiler im Todeskampf, der die Hunde abwehrt. Das Emblem über dem linken Seitentor zeigt die Initialen C A für Clemens August. Links ist das kurfürstliche Wappen abgebildet.

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STATION 4 | MITTELALTERLICHE STADTKAPELLE ST. GEORG (zurück)

Die frühgotische Stadtkapelle St. Georg entstand 1323 auf Initiative Graf Wilhelms von Arnsberg, wohl anstelle eines ehemaligen Burgmannenhofes direkt an der Stadtmauer der Arnsberger Oberstadt; 1730 erfolgte der Anbau der Sakristei.

Unmittelbar neben der Stadtkapelle steht eines der Wahrzeichen der Stadt Arnsberg – der 44 Meter hohe Glockenturm, früher das südliche Haupttor der Alt- oder Oberstadt. Mit der Erweiterung der Stadt nach Süden verlor der aus dem 13. Jahrhundert stammende Turm um 1240 seine Funktion als Wehrturm.

Heute dient er als Glockenturm für die benachbarte Stadtkapelle. Das Innere der als Hallenkirche konzipierten Stadtkapelle wird durch eine barocke Ausstattung aus dem Ende des 17. Jahrhunderts bestimmt. 1682 entstand der barocke Hochaltar, der Meister Johann Brune aus Menden zugeschrieben wird. Heute finden in der Stadtkapelle Messen im Lateinischen Ritus statt. Gerne wird die Stadtkapelle als Hochzeitskirche genutzt.

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STATION 5 | EHEM. MISSIONSSTATIONEN DER JESUITEN (zurück)

Die Geschichte der Arnsberger Jesuitenmissionen begann im Jahr 1651, als Kurfürst Maximilian Heinrich (reg. 1650–1688) eine erste Mission stiftete. In seine Amtszeit fallen der Kauf des Gutes Obereimer, die Anlage des kurfürstlichen Thiergartens in Arnsberg, Arbeiten am Arnsberger Schloss und die Errichtung des Jagdschlosses in Hirschberg (heute Warstein). 1682 stiftete der Paderborner Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg eine zweite Mission. Die Jesuiten errichteten ein schlichtes Klausurgebäude. Nördlich daran anstoßend bauten sie eine dem Hl. Franz Xaver geweihte Kapelle. In den erhaltenen, später baulich veränderten Gebäuden ist heute die Bezirksregierung untergebracht. Die Westfassade wird von dem barocken Eingangsportal aus Grünsandstein dominiert, das zwischen dem Wohnhaus und der Kapelle plaziert wurde. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 behielten die in Arnsberg lebenden Patres im Missionshaus ihre Wohnung, bestattet wurden einige im Kreuzgang des Klosters Wedinghausen.

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STATION 6 | RODENTELGENKAPELLE (zurück)

Die erste urkundliche Erwähnung der Rodentelgenkapelle reicht in das Jahr 1424 zurück. 1464 wird die Kapelle bei einem Ruhrhochwasser fast vollständig zerstört. Im 17. Jahrhundert ist die Kapelle ein im Sauerland bekannter Wallfahrtsort. Deshalb wird sie 1659 auf die doppelte Größe erweitert. Aus dieser Zeit stammen auch die Holzschnitzereien mit den beiden Kirchenpatroninnen Maria Magdalena und Lucia im Fachwerkgiebel auf der Ostseite. Leider kann man ihn nur bei einer Führung in der Kapelle besichtigen.

2009 war der Abriss der Kapelle schon so gut wie beschlossen. Doch es gelang, was zu diesem Zeitpunkt niemand für möglich gehalten hätte. Ehrenamtliches Engagement rettete die Kapelle. Nach einer aufwendigen Innensanierung in den Jahren 2016–2018 folgte 2020–2021 eine umfangreiche Außeninstandsetzung. Heute ist die Rodentelgenkapelle ein Ort mit vielfältigem Potenzial – Ausstellungen, Schul- und Theateraufführungen, Konzerte, Lesungen und Tagungen finden hier statt.

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STATION 7 | KATH. KIRCHE ST. PETRI IN HÜSTEN (zurück)

Die Geschichte des Kirchortes Hüsten reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück. 802 wurde Hüsten erstmalig in einer Schenkungsurkunde der Abtei Essen-Werden erwähnt. Die Errichtung der Pfarrei fällt möglicherweise schon in das neunte oder zehnte Jahrhundert. Damit gehört St. Petri Hüsten zu den ältesten Pfarreien im Sauerland.

Der heutige Kirchenbau stammt bis auf den Turm, der im Kern bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, aus den 1860er Jahren. Erste Pläne für einen Neubau gab es schon 1831. Diese scheiterten jedoch aus finanziellen Gründen. Ab 1861 entstand ein neues Langhaus nach den Plänen des Architekten Vincenz Statz, einem Schüler von Ernst Friedrich Zwirner (1802–1861), auf den zahlreiche Kirchen- und Schlossbauten zurückgehen, u.a. das Schloss in Herdringen (1844–1853).

Den Innenraum der Kirche, der durch seine neogotische Ausstattung bestimmt wird, können Sie durch einen Seiteneingang betreten.

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STATION 8 | KLOSTER OELINGHAUsEN (zurück)

Das 1174 gestiftete Kloster Oelinghausen im Arnsberger Ortsteil Holzen gehört sowohl kunsthistorisch wie auch musikalisch zu den Kleinodien im Sauerland. Zunächst war es ein Doppelkloster für Männer und Frauen, jedoch entwickelte es sich schnell zu einem reinen Prämonstratenserinnenkloster. Im Zuge der Säkularisation wurde es 1804 aufgehoben.

Aus romanischer Zeit stammt die Krypta unterhalb der Nonnenempore. Dieser einschiffige dreijochige Raum mit Kreuzgratgewölbe beherbergt die „kölsche Madonna“ oder auch „Königin des Sauerlandes“, eine thronende Madonna aus dem 13. Jahrhundert. Das Kirchenschiff verfügt über eine reiche Barockausstattung, die der Bildhauer Wilhelm Spliethoven genannt Pater aus Volbringen (Ense) 1712 schuf. Eindrucksvoll ist die Nonnenempore mit der 1713–1717 geschaffenen Orgel von Johann Berenhard Klausing (Orgelprospekt von Spliethoven und La Ruell) und dem reichen Chorgestühl. Heute ist Oelinghausen ein Wallfahrtsort, der viele tausend Besucher anzieht.

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STATION 9 | EHEM. KLOSTERHOF KIRCHLINDE (zurück)
Die gut erhaltene mittelalterliche Hofanlage liegt in Einzellage umgeben von Bäumen und einer Landwehr. Ein Schultenhof an dieser Stelle erscheint erstmals 1019 in einer Urkunde der Abtei Deutz. 1221 geht er an das naheliegende Kloster Oelinghausen. Die Bauten der heute vorhandenen Hofanlage entstanden im Wesentlichen zwischen dem 17. und 20. Jahrhundert. Dazu gehören neben dem Haupthaus ein Altenteiler, die Hofkapelle sowie verschiedene Wirtschaftsgebäude, ein Speicher, eine Schmiede (1670), eine Scheune, ein Stall und ein Ökonomiegebäude. Hinzu kommen ein Ziehbrunnen, eine Landwehr und ein Kalkofen. Das steinerne Speichergebäude stammt aus dem Jahr 1711. Auf der Vorderseite ist eine Spolie, die vermutlich früher als Supraporte über dem Eingang der Kapelle saß, in das aufgehende Mauerwerk integriert. In dem romanischen Tympanonrelief erkennt man ein Kreuz und zwei Löwen. Die Kapelle, die 1828 umfassend restauriert wurde, wird heute als Hochzeitskapelle genutzt.

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FÖRDERUNG