Innenstadtentwicklung durch Freizeit- und Kulturwirtschaft

Modellvorhaben des Landes Nordrhein-Westfalen

Der nachfolgende Bericht ist Teil einer Gesamtstudie und stellt die Untersuchungsergebnisse für die Stadt Arnsberg und hier speziell den Untersuchungsbereich der nördlichen Neheimer Innenstadt dar. Die Studie beleuchtet die Potenziale und Lagequalitäten dieses innenstadtnahen Untersuchungsgebietes im Hinblick auf freizeit- und kulturwirtschaftliche Aspekte. Die Ergebnisse weiten den Blickwinkel für ein größeres Nutzungsspektrum auf. Sie bieten damit Chancen für die zusätzliche Belebung dieses Bereiches und die Innenstadt, andererseits aber auch für Betreiber und Immobilieneigentümer.

Sobald die Arbeiten in den anderen teilnehmenden Städten abgeschlossen sind, wird ein gemeinsamer Endbericht erstellt. Dieser enthält zusätzlich die Erörterung von Rahmenbedingungen zur Innenstadtentwicklung durch Freizeit- und Kulturwirtschaft. Abschließend sollen die Konzepte miteinander verglichen und übertragbare Handlungsempfehlungen für Mittelzentren formuliert werden. In einer weiteren Stufe sollen die grundsätzlichen Möglichkeiten auf ihre Realisierbarkeit innerhalb des Untersuchungsgebietes überprüft werden und in die weiteren konzeptionellen Überlegungen zum Umgang mit dem Gebiet einfließen.

Ausgangssituation / Untersuchungsgegenstand

Die Rahmenbedingungen zur Entwicklung der Innenstädte haben sich in den letzten Jahren verschlechtert. Zur Revitalisierung der Innenstädte sind daher verstärkt andere Nutzungen jenseits der traditionellen Markt- und Handelsfunktion der europäischen Stadt in Betracht zu ziehen. In der Vergleichsstudie des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen wird anhand der Fallbeispiele Arnsberg, Solingen und Hamm vom Büro STADTart, Dortmund, untersucht, ob bzw. unter welchen Bedingungen auch in Innenstädten von Mittelzentren Freizeit- und Kulturwirtschaftsviertel geschaffen werden können.

Erfahrungen aus Großstädten zeigen, dass mit der Entwicklung von Freizeit- und Kulturwirtschaftsvierteln wichtige strukturelle Effekte für die nachhaltige Innenstadtentwicklung und für die "Wiederbelebung" des öffentlichen Raumes erzielt werden können. Es stellt sich daher die Frage, ob derartige Ansätze auch in Mittelstädten und konkret in Arnsberg denkbar und umsetzbar sind.

Untersuchungsgebiet für ein Freizeit- und Kulturwirtschaftsviertel ist aufgrund seiner Vorprägung das nordöstlich der Neheimer Innenstadt gelegene Industriegebiet zwischen Möhnestraße, Möh-netalstraße, Werler Straße und Graf-Gottfried-Straße, ergänzt um einen Teilbereich zwischen Möhnepark und Mendener Straße. Das Gebiet umfasst eine Fläche von ca. 32 ha und grenzt direkt an den Innenstadtbereich an, so dass eine attraktive fußläufige Verbindung und Anbindung an den Neheimer Marktplatz möglich ist.

Begriffsbestimmung

Angebote der Freizeit- und Kulturwirtschaft umfassen erwerbswirtschaftliche Angebote sowie bürgerschaftliche Angebote von Gruppen, Initiativen oder Vereinen. Darüber hinaus können kommunale Freizeit- und Kulturangebote (öffentliche Angebote in Trägerschaft bzw. gefördert von Kommunen) begrifflich einbezogen werden. Diese spielen jedoch in Freizeit- und Kulturwirtschaftsvierteln nur eine ergänzende Rolle. Dienstleistungsbezogenen Zweigen der Kultwirtschaft, den "Kreativen" in Design und Werbung sollte ebenso Beachtung geschenkt werden, auch wenn deren Stellenwert in Mittelstädten ein untergeordneter ist. Zudem können erwerbswirtschaftliche Weiterbildungsangebote, wie Sprachschulen oder Fachinstitute für die Entwicklung von Kulturwirtschaftsvierteln herangezogen werden.

Projektziele

  • das vorhandene Besucherpotenzial der Innenstadt Neheims zu halten und die Aufenthaltsdauer zu verlängern (mittelfristig),
  • die Attraktivität eines solchen Gebietes zu nutzen, um zusätzliche Besucher/innen für die Gesamtstadt zu gewinnen (langfristig),
  • die Wohnstandortattraktivität zu erhöhen und damit insgesamt den Einzelhandels- und Dienstleistungsstandort Neheim zu stärken.

Standortanalyse

Analysekarte des Gebietes

Neheim ist wichtiger Einzelhandels-, Wohn- und Gewerbestandort in der Region. Hier finden sich eine Reihe freizeit- und kulturwirtschaftlicher Betriebe (z.B. Designer, Veranstalter) sowie bürgerschaftliche Freizeit- und Kulturangebote (z.B. Vereine) wieder. Sie sind Anknüpfungspunkte für das Modellvorhaben. Die standortbezogenen Rahmenbedingungen für freizeit- und kulturwirtschaftliche Entwicklungen sind im Untersuchungsgebiet vergleichsweise günstig. Es sind hier mit unterschiedlichen Angeboten und Ausprägungen wie z.B. Fitness- und Wellnessangeboten, Musikproberäumen, Volkshochschule, Veranstaltungsräumen, dem Mittelstandszentrum "Kaiserhaus" etc. Potenziale vorhanden. Das positive Image der Einkaufsstadt Neheim sowie die zur Verfügung stehenden Flächen und Räume in ausreichender Anzahl - auch für flächenintensivere Nutzungsbausteine - bieten daher günstige Entwicklungsmöglichkeiten.

Nachfragepotenziale und kompatible Angebotsfelder

Nutzungen

Für die Bestimmung von Entwicklungskorridoren und den daraus abzuleitenden Gebietskonzepten ist das vorhandene freizeit- und kulturbezogene Nachfragepotenzial (räumlich und nutzungsbezogen) im lokalen und regionalen Einzugsbereich maßgeblich. Dieses Potenzial gibt die Entwicklungsrichtungen vor und deckt sich vom Einzugsbereich her erfahrungsgemäß mit dem einzelhandelsbezogenen Einzugsgebiet einer Stadt.

Vor dem Hintergrund der recht günstigen Standortmerkmale und der bestehenden Angebotssituation werden die ermittelten zusätzlichen Nachfragepotenziale der Freizeit- und Kulturwirtschaft als Entwicklungskorridore definiert. Diese sind:

  • Veranstaltungsorientierte Freizeitwirtschaft (z.B. Veranstaltungsangebote für ältere Erwachsene und Zielgruppen über 40 Jahre, "trendige" Erlebnisdiskothek, etc.)
  • Dienstleistungen der gesundheitsorientierten Freizeitwirtschaft (z.B. Gesundheitssport etc.) 
  • Büro- und Gewerbeflächen für Dienstleistungsfirmen und Gründer/innen in kulturwirtschaftlichen Branchen
    ("Kreativ-Center" mit günstigen Mieten für junge Unternehmer z.B. für Übersetzungs- oder Architekturbüros,
    Grafik und Design, Tonstudio, etc.)
  • Bürgerschaftliches und kommunales Freizeit- und Kulturangebot

Um das erkannte Nachfragepotenzial an den Standort Neheim zu binden, ist es sinnvoll das bestehende Angebot in den Bereichen

  • zielgruppenspezifische Gastronomie,
  • nicht innenstadtrelevante Einzelhandelsangebote, 
  • Wohnangebote für innenstadtorientierte Lebensstilgruppen und
  • Weiterbildungsangebote zu ergänzen und zu stärken.

Entwicklungskorridore und Entwurfsleitlinien

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Schwerpunkt der ermittelten Nachfrage- und Entwicklungspotenziale auf erwerbswirtschaftlichen Angeboten liegt und sich mit dem Leitbild "Versorgungs- und Einzelhandelsstandort Neheim" deckt. Aus der Standort- und Potenzialanalyse ergibt sich, dass durch ein verbessertes freizeit- und kulturwirtschaftliches Angebot nach den Prinzipien der Freizeit- und Kulturviertel eine Stärkung der Neheimer Innenstadt möglich ist, ohne dabei Potenziale aus Alt-Arnsberg abzuziehen. Weiterhin kann die Kombination der freizeit- und kulturwirtschaftlichen Angebote mit Wohnangeboten für innenstadtorientierte Lebensstilgruppen einen Beitrag zur Attraktivierung des Wohnstandortes leisten.

Prinzipiell ist mit der Verfolgung der Entwicklungskorridore eine strukturelle Stärkung der Innenstadt möglich. Gerade das zusätzliche Nachfragepotenzial bietet die Möglichkeit, langfristig weitere Besucher/innen für die Gesamtstadt zu gewinnen. Die Umsetzung ist an konzeptionelle Entwurfsleitlinien und standortspezifische Rahmenbedingungen gekoppelt. Diese sind:

  • Entwicklung einer vielfältigen Angebotsstruktur für unterschiedliche Alters und Lebensstilgruppen,
    unter Beachtung einer verträglichen Anordnung der unterschiedlichen Nutzungen
  • Beachtung einer zeitlichen Verteilung der Nutzungen über den gesamten Tag hinweg: Kombination
    von Angeboten für den Tag, den Abend und das Wochenende im Hinblick auf die 24 Stunden/ 7-Tage-Gesellschaft
  • Einwirkung auf eine gebietsbezogene Wertschöpfung durch die Verknüpfung frequenzerzeugender Angebote
    mit vor- und nachgelagerten Produkten und Dienstleistungen
  • Bildung von inhaltlichen Schwerpunkten zur besseren Wahrnehmung, Imagebildung und Vermarktung des Viertels
  • Sicherstellung einer attraktiven Gestaltung zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität im Gebiet und damit in der Innenstadt Neheims

Rahmenkonzept

Rahmenkonzept

Auf Basis der Entwicklungskorridore und Entwurfsleitlinien lässt sich ein räumliches Rahmenkonzept für das Plangebiet entwickeln. Ziel ist es, einzelne Konzeptbausteine räumlich zu verknüpfen und einen "Bogen" zur Innenstadt zu spannen, um einen zusammenhängenden, erlebbaren, attraktiven Stadtraum zu entwickeln.

Der vorliegende Bericht zum Modellvorhaben (pdf, 2.340 KB) ist Teil einer Gesamtstudie. Sobald die Arbeiten in den anderen teilnehmenden Städten abgeschlossen sind, wird ein gemeinsamer Endbericht erstellt. Dieser enthält dann zusätzlich die Erörterungen von Rahmenbedingungen zur Innenstadtentwicklung durch Freizeit- und Kulturwirtschaft. Abschließend werden die Konzepte miteinander verglichen und Handlungsempfehlungen für Mittelzentren formuliert.