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Newsroom

Projekt Rathaus-Sanierung vor der politischen Beschlussfassung

Aufgrund der anstehenden politischen Beratungen zum Thema "Rathaus-Sanierung" (Entscheidung in der Ratssitzung am 2. Juli) hat die Stadt Arnsberg den aktuellen Stand der Planungen ausführlich vorgestellt und erläutert. Die Stadtverwaltung empfiehlt dem Rat folgenden Beschluss: Die Rathaus-Sanierung soll entsprechend der aktualisierten Bau- und Kostenplanungen weiter umgesetzt werden (Variante V1, siehe unten).

Vor dem Hintergrund der zwischenzeitlich erarbeiteten Planung und des eingereichten Förderantrages wurden die verschiedenen Realisierungsvarianten einer räumlichen Unterbringung der Stadtverwaltung mit ihren umfangreichen Dienstleistungsangeboten für die Bürgerinnen und Bürger nun noch einmal vergleichend gegenübergestellt. Dabei ging es darum, sowohl die Risiken als auch die Chancen des Projektes unter Berücksichtigung der Projektziele klar heraus zu arbeiten und zudem eine größtmögliche Transparenz über alle wesentlichen Fakten herzustellen. Hierzu wurde das renommierte Büro BBP mit einer quantifizierbaren, vergleichenden Betrachtung beauftragt.

 

Folgende 5 Varianten wurden dabei untersucht:

V1: Rathaus-Sanierung „Klimaneutral und offen“ mit allen Projektbausteinen: Temporäre Unterbringung, Rechenzentren, Zwischen- und Endarchiv, Freianlagen

V2: Aufteilung der Stadtverwaltung auf die Stadtteile Arnsberg und Neheim mit einer dauerhaften Anmietung in Arnsberg und Herrichtung des Gebäudes Goethestraße 16-18.

V3: Das Rathaus soll zunächst nur mit den notwendigsten Maßnahmen instand gesetzt werden (Verschiebung der Sanierung um rund 5 Jahre)

V4: Sanierung im Bestand (entsprechend der Sanierungsstudie 2015)

V5: Neubau des Rathauses inklusive der Standortfrage.

 

Das Büro BBP hat bei allen fünf Varianten die jeweiligen Lebenszykluskosten, die Möglichkeiten einer finanziellen Förderung und die bisher angefallenen Kosten sowie Investitionen und Aufwand der jeweiligen Maßnahmen analysiert. Diese Methode, die international zur Wertermittlung insbesondere von Investitionsprojekten verwendet wird und anhand derer die fünf sehr unterschiedlichen Varianten hinsichtlich ihrer finanziellen Auswirkungen vergleichbar gemacht wurden, nennt sich Discounted-Cashflow-Verfahren. Die Ergebnisse der Gesamtanalyse von BBP wurden den Mitgliedern des Planungsausschusses, des Haupt- und Finanzausschusses und des Rates am gestrigen 24. Juni im Rahmen einer allgemeinen Informationsveranstaltung präsentiert. Am heutigen 25. Juni berät der Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt zum Thema, sowie am morgigen Mittwoch, 26. Juni, der Haupt- und Finanzausschuss, bevor am 2. Juli der Rat entscheidet. Diese Entscheidung ist zu diesem Zeitpunkt erforderlich, weil das Land NRW für einen positiven Förderbescheid, der zur Realisierung der Variante V1 notwendig ist, die Zustimmung des Rates der Stadt Arnsberg benötigt.

 

Aufgrund folgender Faktoren wird die Variante V1 im Vergleich zu den anderen untersuchten Szenarien auch aus Sicht von BBP klar empfohlen:

  • Der Realinvest (abgezinste Berechnung der tatsächlich anfallenden Kosten) ist über einen prognostizierten Zeitraum von 20 Jahren mit rund 37,4 Millionen Euro im Vergleich zu den anderen vier untersuchten Varianten am niedrigsten.
  • Große Planungstiefe, da diese Variante bereits detailliert durchgeplant wurde, und damit geringste Kostenvarianz aller fünf Varianten
  • Investition am Standort mit Teilumbau des Rathauses zum Bürgerzentrum setzt wichtige Impulse zur städtebaulichen Aufwertung von Unterhüsten. Mit dieser "Öffnung des Rathauses für soziale und kulturelle Gruppen" ist die Förderfähigkeit des Vorhabens verbunden.
  • Aufwertung des Stadteingangs und Schaffung einer qualifizierten (Arbeits-) Umgebung für die Verwaltung, aber auch für anliegende Betriebe und Bereiche (auch Stichworte Stadtimage und Fachkräfteakquisition)
  • Nachhaltiger Umgang mit Ressourcen (Nutzung sog. "grauer Energien", Vermeidung von Abfällen (Abbruchmaterialien), Nutzung eines bereits bebauten und ausreichend großen Grundstücks (kein zusätzliches Parkdeck erforderlich), "Rohbau" vorhanden)
  • Bürgerakzeptanz für den bereits bestehenden, im städtischen Eigentum befindlichen und verkehrlich sehr gut angebundenen Standort, der für andere Nutzungen und Investoren problematisch ist (fehlendes Baurecht, geringer Autobahnabstand, Sanierungsaufwand im Bestand auch bei anderen Nutzungen versus Abbruch und Neubau auf verkleinertem Baufeld)
  • Kein "Tauziehen der Stadtteile" um einen neuen Rathaus-Standort

 

Allgemeine zusammenfassende Hintergrundinformationen zum Projekt:

  1. Rathaus 1968, gebaut als Rathaus für die Stadt Neheim-Hüsten, ab 1975 Sitz der Verwaltung der neuen Stadt Arnsberg, aufgrund der guten Erreichbarkeit schnell akzeptiert, zusätzliches Historisches Rathaus insb. für repräsentative Zwecke
  2. Diskussion über Vergrößerung / Anbau läuft seit den 1980er Jahren, aber nach auslaufender Förderung wurden Nebenstandorte gegründet
  3. Bestrebungen der Zentralisierung (bei neuen Angeboten wie Stadtbüros und Online) wurden durch Abbau von Nebenstellen (u.a. altes Amtshaus, Amtsgericht, Holzener Weg) unterstützt
  4. Gleichzeitig wurden Mietobjekte aufgegeben, städtische Gebäude veräußert und über den Stadtumbau bestehende Gebäude instand gesetzt mit erheblichen positiven Auswirkungen auf das Umfeld (u.a. BürgerBahnhof, SchulStadtBücherei, KulturSchmiede, Kreismusikschule, Kaiserhaus)
  5. Besonderheit Rathaus Arnsberg: Lage nicht im Stadtzentrum, sondern sollte erster Baustein eines neuen Stadtzentrums sein. Daher auch weitere zentrale Einrichtungen im Umfeld (Bahnhof, Schulzentrum), aber auch wichtige Arbeitgeber mit Anforderungen an das Umfeld
  6. Seit wenigen Jahren ist die energetische und barrierefreie Sanierung kommunaler Gebäudebestände (auch Rathäuser) förderfähig. Zugangsvoraussetzungen sind der sog. „Gebietsbezug“ (Lage in einem Stadterneuerungsgebiet) und die Impulswirkung in und für das Quartier (= Öffnung zum Quartier)
  7. Instandhaltungs- und Energieaufwand plus Sanierungsstau, aber auch die z.T. schwierige Arbeitssituation (auch im Umgang mit Bürgern) ließen Frage der Sanierungsmöglichkeit am Standort aufkommen
  8. Förderfähigkeit ist über die Anerkennung des erarbeiteten und jetzt aktualisierten Integrierten Handlungskonzeptes grundsätzlich gegeben, der Förderantrag zum Rathaus mit den aktuellen Kostenansätzen ist nach Leistungsphase 2 eingereicht worden
  9. Im Vorlauf wurden zwei Machbarkeitsstudien zur städtebaulichen Einbindung mit Untersuchung von Standortalternativen bzw. zur technisch-wirtschaftlichen Möglichkeit einer umfassenden Sanierung des Rathauses erarbeitet
  10. Nach Beschluss des Rates architektonisch-landschaftlicher Wettbewerb mit dem Siegerentwurf von v-architekten und f-landschaftsarchitekten
  11. Grundlage waren eine genaue Ausschreibung mit der Idee der Öffnung des Rathauses (analog Bürgerzentrum Bahnhof Arnsberg) und Vorgaben u.a. zur energetischen Verbesserung
  12. Nach Verhandlungsverfahren Vergabe der für die nächsten Schritte jeweils notwendigen Aufträge im Bereich Grundlagenermittlung, Hochbau, Technische Gebäudeausstattung, Freiraum, Altlasten, Gründung usw.)
  13. Einrichtung Baukommission, Lenkungs- und Projektgruppe und kontinuierliche Berichterstattung im Ausschuss, Mitteleinplanungen in den Haushalten
  14. Erstellung von Konzepten für die temporäre Unterkunft der VerwaltungsmitarbeiterInnen einschl. Durchführung einer Mitarbeiter/innenbeteiligung (noch nicht abgeschlossen) zur Ausarbeitung einer abschließenden Raumplanung
  15. Denkmalschutz: Keine Unterschutzstellung zum Zeitpunkt nach der Planung, Gebäude wird dokumentiert
  16. Gespräche mit Fördermittelgeber (Ministerium und BZR) sind geführt worden mit dem Ergebnis, 3-4 fördertechnische Bauabschnitte zu bilden
  17. Einplanungsgespräche zwischenzeitlich erfolgt, Ministerium möchte vor Förderzusage Klarheit bekommen, dass der Weg vom Rat mitgetragen wird (deshalb Ergänzungsvorlage zum InHK)
  18. Variantenbewertung verfolgt das Ziel, die finanziellen, aber auch die städtebaulichen sowie weitere Wirkungen und Konsequenzen der verschiedenen Denkansätze im Sinne einer umfassenden Entscheidungsvorbereitung darzustellen