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Veranstaltungskalender

Ausstellung „After Live”

Stephanie Dinkins, Jon Lomberg, Reiner Maria Matysik, Ana Rajcevic

Wo beginnt und wo endet menschliches Leben? Mit der Ausstellung AFTER LIFE zeigt der Kunstverein Arnsberg diesen Sommer Arbeiten von vier internationalen Künstler*innen, die Spekulationen über die Gestalt und das Habitat menschlicher und hybrider Lebensformen in naher und ferner Zukunft anstellen.

 

Die Arbeiten des US-amerikanischen, zwischen Kunst und Astronomie agierenden Künstlers Jon Lomberg sind dabei erstmals im deutschen Kunstkontext zu sehen. Im Fokus steht Lombergs gestalterische und redaktionelle Arbeit als Design Direktor für die Voyager Golden Records. Die vergoldeten Kupferschallplatten reisen seit 1977 als wohl umfangreichste Nachricht der Menschheit an extraterrestrische Lebewesen mit den Voyager-Raumsonden durchs All. Unser Sonnensystem haben die Records – die von dem populären Astrophysiker Carl Sagan verantwortet wurden, mit dem Lomberg bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit verband – heute längst verlassen. Wird eine intelligente Spezies eines Tages die mit Bild- und Toninformationen bespielten Platten entdecken, könnte sie sich unter anderem einen Eindruck von der Entstehung des Lebens auf der Erde, von der Menschheit, ihren wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften sowieihrer Musik verschaffen. In der Ausstellung werden neben freien Arbeiten des Künstlers zwei weitere, eng mit wissenschaftlichen Missionen verknüpfte Projekte präsentiert, an denen Lomberg maßgeblich beteiligt war: Die Sonnenuhren MarsDial, die mit den Mars-Rovern Opportunity, Spirit und Curiosity auf den roten Planeten kamen, sowie die DVD Visions of Mars, die 2008 ebendort mit der Raumsonde Phoenix landete. Beide enthalten Informationen und Botschaften für die zukünftigen Bewohner des Planeten, die sehr wahrscheinlich kommende, raumfahrende Generationen und demnach im wahrsten Sinne des Wortes ‚Mars-Menschen‘ sein werden.


Während die von Lomberg mitgestalteten Projekte auf die Kommunikation mit extraterrestrischen, intelligenten Lebewesen oder mit einer raumfahrenden, menschlichen Spezies ausgerichtet sind, konzentriert sich die international agierende, US-amerikanische Künstlerin Stephanie Dinkins auf eine andere zukunftsweisende, technische Lebensform, die nicht weniger an Science-Fiction erinnert: Dinkins arbeitet mit Künstlicher Intelligenz. Im Kunstverein ist nun ein Fragment aus ihrem fortlaufenden Projekt Conversations with Bina48 zu sehen, das die Künstlerin im Dialog mit einem der am weitesten entwickelten, intelligenten und sozialen Roboter zeigt. Seit 2014 zeichnet sie ihre Gespräche mit BINA48 (Breakthrough Intelligence via Neural Architecture, 48 exaflops per second) auf, in denen auch philosophische Themen wie Identität und der Sinn des Lebens zur Sprache kommen. Die Künstlerin analysiert die Technologie in Hinblick auf ihre gesellschaftspolitischen Implikationen und Potenziale. Eine Gefahr sieht Dinkins unter anderem in der technischen Reproduktion der strukturellen Benachteiligung von Minderheiten, die – wird ihr nicht bereits im Entwicklungsstadium der Technologie entgegengewirkt – auch eine Gesellschaft künstlicher Intelligenzen und damit unsere Zukunft bestimmen könnte.


Die Arbeiten der serbischen Künstlerin Ana Rajcevic konzentrieren sich hingegen auf das visuelle Erscheinungsbild ferner Generationen: Die Skulpturen der Serie ANIMAL : The Other Side of Evolution (2012) und Taurus (2016), die wie Schmuck getragen werden können, verstehen sich als Entwürfe für eine mögliche Evolution des Menschen. Rajcevic kombiniert Kunst und Design mit Erkenntnissen aus der Biomedizin, Geschichte, Materialwissenschaft und Psychologie. Ihre prothetischen Körperskulpturen (prosthetic body sculptures) aus biologischen und synthetischen Werkstoffen deuten dabei eine Zukunft an, in der sich der Mensch an sein natürliches, das heißt, längst technisiertes und klinisches Umfeld angepasst hat. Diese Vision wird auch in den Fotoarbeiten der Künstlerin evident: Die Gleichförmigkeit der neuen, perfektionierten Körper wird allein durch skulpturale, an Tiere erinnernde Verlängerungen unterbrochen: schnabelförmige Fortsätze oder Behörnungen werden zu letzten Hinweisen auf Individualität. 


Der in Duisburg geborene Künstler Reiner Maria Matysik entwirft schließlich Hypothesen über ganz und gar neue Formen des Menschseins. Seine aus Wachs modellierten Plastiken der Werkserie beyond human (seit 2010) lassen sich als konsequente Weiterführung eines heute nahezu unvorstellbaren Gedankens verstehen: Braucht es den Körper, wie wir ihn kennen, um Mensch zu sein? Indem Matysik Skulpturen schafft, die auf das Körperinnere und Organe referieren, und sie sophie, giuseppe, frida, eva oder magdalena tauft, formuliert der Künstler auf diese Fragestellung ein klares ‚Nein‘. Allein die Beschaffenheit und Farbe erinnern an Haut und damit an das konventionelle äußere Erscheinungsbild des Menschen. Matysiks künstlerische Technik verweist schließlich ebenso wie seine fotografischen Nahaufnahmen der Skulpturen (close up, 2011) auf bildgebende Verfahren aus der Medizin: Wachsmodelle wurden im 19. Jahrhundert unter anderem in der Dermatologie genutzt, um Krankheitsbilder für die Forschung festzuhalten. Auch die Fotoarbeiten rufen Aufnahmen aus dem Körperinneren, wie sie beispielsweise bei Endoskopien anfertigt werden, in Erinnerung. In der Ausstellung zeugen darüber hinaus weitere Plastiken und Zeichnungen von Matysiks Werkkonvolut – einer umfangreichen Sammlung von Prototypmodellen hybrider, postevolutionärer Lebensformen, die der Künstler seit den 1990er Jahren entwirft.

 

Parallel zur Ausstellung im Kunstverein wird im Lichthaus Arnsberg in Kooperation mit dem Kulturbüro der Stadt Arnsberg und im Rahmen des Arnsberger Kultursommers die installative Solo-Präsentation ++ o ++ von Reiner Maria Matysik gezeigt. Auf abstrakter, bildhauerischer Ebene  behandelt der Künstler dabei den Einfluss des Menschen auf den Kreislauf der Natur und die daraus resultierenden Konsequenzen.

 

Kuration & Text: Lydia Korndörfer

Termine Uhrzeit
Freitag, 13.08.2021

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Donnerstag, 26.08.2021
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Samstag, 28.08.2021
Sonntag, 29.08.2021
Veranstaltungsort Veranstalter
Kunstverein Arnsberg
Königstr. 24
59821 Arnsberg

Telefon: 02931-21122
Telefax: 02931-788163
E-Mail: email hidden; JavaScript is required
Webseite: http://www.kunstverein-arnsberg.de
Der Kunstverein Arnsberg versteht sich als Ort der Auseinandersetzung mit Ideen und Erfahrungen zeitgenössischer Kunst. Die Förderung junger Kunst und die Bereitschaft, sich auf unsichere Wege zu begeben, haben den Charakter des Kunstvereins geprägt. Der Handlungsraum des Vereins hat sich über die Jahre deutlich erweitert und den öffentlichen Raum in und um Arnsberg integriert. Der Anspruch, sich immer wieder neu zu definieren und programmatisch zu entwickeln – in Bezug zur Stadt und Region, aber auch im internationalen Kontext – ist unser Anliegen und Paradigma. Dies geschieht durch die Produktion von Ausstellungen, Außenprojekten und Publikationen, aber auch durch eine intensive Vermittlungsarbeit vor Ort, die das Verständnis und Erfahren zeitgenössischer Kunst ermöglicht. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Einbeziehung von Schülern und jungen Menschen, die sich für die Kunst engagieren und das Vereinsleben fortführen. Die großzügigen Räume des Kunstvereins befinden sich im ersten Obergeschoss eines klassizistischen Bürgerhauses am zentralen Neumarkt, einem nach Plänen von Schinkel gebauten Platz, dessen Bausubstanz nahezu erhalten ist. Im Herzen der Altstadt gelegen, mit Blick auf den Neumarkt sowie auf den eigenen idyllischen Garten, entscheiden sich viele Künstler, die räumliche Präsentation durch Außenprojekte zu erweitern. Die enge Zusammenarbeit mit den Künstlern und die persönliche, familiäre Atmosphäre schaffen eine unmittelbare, konstruktive Basis für ortsbezogene Experimente und unkonventionelle Neuproduktionen. Klein und flexibel kann der Kunstverein Arnsberg auch auf große Herausforderungen schnell reagieren und Vorhaben möglichst kompromisslos und zeitnah realisieren. Der Kunstverein Arnsberg engagiert sich aktiv im öffentlichen Raum und produzierte seit 2009 über 50 Projekte im Arnsberger Stadtraum. Konsequent und nachhaltig eröffnen die Projekte der Ausstellungsreihe „Public Abstraction Private Construction“ sowie die Ausstellungsreihe im öffentlich zugänglichen Lichthaus weitere Aktionsfelder im Dialog mit dem Alltag. Das Lichthaus Arnsberg ist ein postmoderner, markanter Glaspavillon, in dem der Kunstvereins Arnsberg gemeinsam mit dem Kulturbüro der Stadt Arnsberg weitere Projekte kuratiert. Er befindet sich im Innenhof des Klosters Wedinghausen 
(12. Jh.) in unmittelbarer Nähe zum Kunstverein. Seit 2009 finden da Projekte und Ausstellungen statt, die oft exklusiv für das Lichthaus entwickelt werden. Für Alle rund um die Uhr sichtbar, entsteht so eine direkte, offene Plattform der Begegnung mit zeitgenössischer Kunst. Die Förderung junger Kunst und die Risikobereitschaft, sich auf unsichere Wege zu begeben, haben den Charakter des Kunstvereins geprägt. Die Meisten der vorgestellten Künstler haben ihre erste institutionelle Einzelausstellung im Kunstverein Arnsberg, aber auch Richtung weisende Positionen wie Karin Sander (2008), Erwin Wurm (2008) oder Alfredo Jaar (2012) haben wichtige Statements geleistet. Die Präsentation komplexer und interdisziplinärer Positionen verlangt oft eine Neudefinition der Aufgaben unserer Institution in der Vermittlungsarbeit. Neben Führungen und Künstlergesprächen, Reisen und Workshops für Mitglieder, legen wir besondern Wert auf unser Jugendprogramm, das durch vielfältige Aktivitäten ergänzt wird. Da Arnsberg weder eine Kunsthochschule noch eine Universität hat, ist z.B. eine Gruppe von Gymnasiasten zu einer tragenden Säule des Kunstvereins geworden. Sie werden individuell geschult und helfen je nach Interesse und Talent beim Auf- und Abbau, bei der technischen Installation, bei der Büro- und Pressearbeit sowie bei der Ausstellungsvermittlung. Einige davon entschieden sich nach dem Abitur für ein Studium im kulturellen Bereich, viele engagieren sich weiterhin für den Kunstverein. 2010 - KVA ist Preisträger der Sparda-Kunstvereinförderung-NRW
 2011 - KVA hat vier Künstler aus dem Jahresprogramm auf der 54. Venedig Biennale 2012 - KVA hat sieben Künstler mit Einzelausstellung auf der Documenta 13 2013 - KVA wurde für den Preis für Kunstvereine der ADKV & Art Cologne nominiert 2015 - KVA wurde für den Preis für Kunstvereine der ADKV & Art Cologne nominiert 2016 - KVA wird mit dem Preis für Kunstvereine der ADKV & Art Cologne ausgezeichnet (Pressemitteilung)

Öffnungszeiten
Mi-Fr 17:30-19 Uhr So 11-15 Uhr und n.V.
Kunstverein Arnsberg
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