Garagenplatz

GaragenPlatz

Ein Senfkorn, das Blüten treibt

Spätestens seit den Erfolgsgeschichten großer Konzerne wie Apple und Hewlett-

Packard wissen wir: Eine Garage kann weit mehr sein als der Abstellplatz fürs Auto. Sie kann ebenso gut zur sprichwörtlichen Keimzelle werden – und die schönsten Blüten treiben.

Für das neue Café der Shalom-Gemeinschaft passt der schlichte Name „garage“ deshalb ganz wunderbar. Denn erstens kommt er natürlich nicht von ungefähr: Die ehemalige Remise der Domäne Wedinghausen, die zurzeit für das Café umgebaut wird, beherbergte Fuhrwerke und Kutschen. Mit den drei rundbogigen Toren wurde das Wirtschaftsgebäude 1850 an den klassizistischen Baustil des Karrees angepasst und gut 100 Jahre später unter Denkmalschutz gestellt. Und zweitens – um im Bild der Keimzelle zu bleiben – versteht sich die Shalom-Gemeinschaft als eine Art Gärtner, der Samen aussät. So zitiert Andreza Henriqueta, die Lokalverantwortliche in Arnsberg, das Gleichnis Jesu vom Senfkorn sinngemäß: „Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, dem kleinsten von allen Samenkörnern. Doch wird es einmal in die Erde gesät, geht es auf und wird größer als alle anderen Gartengewächse; es treibt Zweige, sodass die Vögel des Himmels unter ihrem Schatten nisten können.“ Mit anderen Worten: Das neue Café kann zu einem großen Baum, also einer großen Bewegung heranwachsen, die Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen in den Bann des Glaubens zieht.

Nicht in der Theorie, sondern in Leben und Haltung wird der Glaube lebendig

„Das Ziel sind Begegnung und Gespräche“, sagt die Missionarin. „Mit der ‚garage’ soll ein Evangelisierungsraum für alle entstehen, die möchten.“ Das bedeutet zum einen: Das Evangelium wird lebendig erfahrbar. Und zum anderen, ganz wichtig: Das Café soll ein neutrales Haus sein, in dem kein Gast etwas muss oder gedrängt wird. Die vielen hundert Schülerinnen und Schüler, die das Klostergelände täglich streifen oder überqueren, sollen in erster Linie einen Treffpunkt bekommen; einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen, relaxen, essen und trinken können.

Die Architektur spiegelt die Idee der Offenheit und Einfachheit wider

Das Konzept des Cafés als Ort der Begegnung und kultureller Raum für Kreativität, Musik oder Tanz verfolgen auch Mechthild Clemens und Barbara Maas vom Architekturbüro clemensundmass in Arnsberg. Nach ihrem Entwurf bleibt die Struktur des denkmalgeschützten Gebäudes erkennbar erhalten: Die drei Tore mit ihren charakteristischen Rundbögen als wichtigste Verbindung in den Außenraum bekommen Glastüren statt der vorigen Holztore. Sie öffnen das Café im Sommer nach draußen, wo auf dem bisherigen Parkstreifen eine Terrasse einlädt. In dem vielseitig zu nutzenden Innenraum wurden die eingebauten Decken entfernt und die Bruchsteinwände sowie die Dachkonstruktion freigelegt. „Einfach und pur – und das mit echten, natürlichen Materialien wie Eiche für die Rahmen und geschliffenem Estrich am Boden“, bringt Mechthild Clemens den architektonischen Ansatz für die einstige Remise auf den Punkt. „Uns ist wichtig, die ursprüngliche Schönheit des Gebäudes wieder zum Vorschein zu bringen und es mit dem neuen schlichten Anbau in Kontrast zu setzen.“ Denn als Eingangsbereich und Foyer dient ein Glaskubus, der genau in die Fuge zwischen der Remise und der alten Bruchsteinmauer integriert wurde. Und während daran, also hinter der Bruchsteinmauer, noch ein Baukörper aus Beton mit Stauraum und Toiletten anschließt, gibt die gläserne Zwischenzone den Blick auf den Turm der Auferstehungskirche gegenüber frei. Dadurch entsteht eine interessante und stimmige Sichtachse.

„Stimmig“ ist überhaupt der Ausdruck, der im Kontext des Klosters irgendwie immer passt. Da ist auch zweitrangig, dass sich das gastronomische Konzept für die „garage“, die am 28. April feierlich eröffnet wird, erst noch finden wird. Denn entscheidend ist, so Andreza Henriqueta: „Es soll nicht kompliziert sein, sondern schnell und einfach. Und das Allerwichtigste: Die Zeit soll für die Menschen sein.“