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100 Jahre Frauenwahlrecht

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Am  12. November 1918 erhielten Frauen in Deutschland das aktive und passive Wahlrecht. Generationen von Frauen, insbesondere die Gewerkschaftsfrauen  und die sozialdemokratischen Frauen,  hatten dafür gekämpft und dies letztendlich gegen großen Widerstand durchgesetzt.  Fortan durften Frauen nicht nur nach ihrer politischen Überzeugung wählen, sondern auch für ein politisches Mandat kandidieren. Eine große Errungenschaft, bahnbrechend für die Frauenpolitik und Ausgang für viele weitere frauenpolitische Forderungen und Rechte.

Auch bei uns in Arnsberg gab es die Frau der ersten Stunde: Franziska Oestersporkmann zog bereits mit der ersten Wahl im März 1919 mit 29 weiteren Stadträten in den Arnsberger Stadtrat ein. Über ihr Wirken und  ihre politischen Schwerpunkte wurden leider keine Aufzeichnungen gefunden. Sie gehörte bereits 1918 mit ihrem Ehemann Engelbert Oestersporkmann zu den Gründungsmitgliedern der Arnsberger SPD, der auch  Anna Baumann, Erna König, Karoline Pieper und Ella Stenchly von 1918 bis 1924 angehörten. Elli Stenchly  gehörte dann von November 1929 bis zum Reichsermächtigungsgesetz im Mai 1933 und dem Verbot der SPD im Juni 1933 dem Stadtrat an.

Vor dem Hintergrund, dass die Interessen von Frauen in der Politik immer noch am Besten durch Frauen selbst vertreten werden, sind wir auch heute von einer zufriedenstellenden Gleichstellung in der Politik weit entfernt. Die politischen Mandate in  den  kommunalen Parlamenten  sind in NRW immer noch mit mindestens 70%  von Männern besetzt.

Leider  stagnieren die Mandate von Frauen in den kommunalen Parlamenten, teilweise sind sie  sogar rückläufig. Auch bei uns in Arnsberg sind nur knapp 19% der Mandate von Frauen besetzt.

Dies liegt grundsätzlich mit daran, dass sich Beruf, Familie und Mandat oft nur schwer miteinander  vereinbaren lassen.  Aber auch die Strukturen in den Parteien -Netzwerke, geschlechtsstereotypische Rollenbilder und die gelebte Gleichstellungskultur-  spielen dabei eine besondere Rolle.

Betrachtet man die Geschlechterpolitik generell, entsteht der Eindruck, dass mit dem erstarken des Rechtspopulismus und dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel, Frauenrechte  wieder  in Frage gestellt  und zurück gedrängt werden.  Man spricht hier von einem antifeministischen Backlash. Damit werden männliche Legitimationsstrategien zur Wahrung materieller und sozialer Vorteile gegenüber Frauen beschrieben.  In der Folge führt dies  wieder zu teils tradierten Rollen- und Familienmustern.

Umso wichtiger ist es, bei den Frauen und hier besonders bei den jungen Frauen das Bewusstsein für die hart erkämpften Frauenrechte zu schärfen. Aus diesem Anlass greifen die frauenpolitischen Veranstaltungen 2018 die Thematik auf.

Mit dem Frauenneujahrsempfang am 21.01.2018 richteten wir den Blick auf die Mandatsträgerinnen. Die nach knapp 30 Jahren aus der Kommunalpolitik scheidende Stellvertretende Bürgermeisterin Rosemarie Goldner  beschreibt ihr Leben mit der Kommunalpolitik. Sie gibt einen lebendigen Einblick über ihre Motivation und Erfahrungen, auch im Umgang mit frauenpolitischen Themen in ihrer langen Amtszeit.

Anlässlich des Internationalen Frauentages  zeigte das Frauenbildungsnetzwerk, am 08.03.2018, in Kooperation mit dem Residenz Kino Arnsberg -Cineplex- den Film  „Die Göttliche Ordnung“. Ein humorvolles Drama über die junge Hausfrau Nora, die sich engagiert für das Frauenwahlrecht einsetzt, wobei die Dorf- und Familienordnung dabei gehörig ins Wanken geriet.

Der Film beschrieb mit seinen Figuren und deren Geschichten auf  sehr gelungene  Art und Weise bestehende Benachteiligungen und Ungerechtigkeiten. Gleichzeitig zeichnete er die Entwicklung einer Frau, die durch einen kleinen Anstoß  aufwacht und sich zu einer politischen Frau entwickelt, die in der Folge dann auch alle auftretenden Probleme und Schwierigkeiten nicht mehr davon abhielten,  für ihre Überzeugungen einzustehen.

Der Film spielt Anfang der 70er Jahre in der Schweiz. Die Schweiz war das letzte europäische Land, das das Wahlrecht für Frauen am 07.02.1971 auf Bundesebene einführte. Hierüber stimmten die männlichen Bürger im Rahmen einer Volksabstimmung ab. Dem folgte die Mehrzahl der Kantone bis auf Appenzell, dort wurde erst 1990 nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes das Frauenwahlrecht eingeführt.

Im anschließenden regen Austausch mit den Kinobesucherinnen konnten wir festhalten, dass der Film das Thema gut transportiert hat. Besonders beeindruckend war, dass die konservativen Lebenseinstellungen und Dialoge immer noch in die heutige Zeit übertragbar waren.

Gleichzeitig haben wir die Veranstaltung genutzt und vor dem Hintergrund von Politikverdrossenheit, Rechtspopulismus und noch immer bestehenden Gleichstellungsdefiziten geschaut, was Frauen in Arnsberg 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts selbst mit dem Wahlrecht verbinden. Hierzu haben wir mit den Frauen ein Kurzinterview geführt und  die Antworten der Frauen in einem kleinen Filmclip festgehalten.