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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
Rathaus
Raum 14
Rathausplatz 1
59759 Arnsberg
02932 / 201-1340

Villa WESCO

Denkmal des Monats September 2013

Die direkt an der Ruhr gelegene VILLA WESCO im Arnsberger Stadtteil Hüsten ist heute ein Designoutlet für Haushaltswaren. Die unter Denkmalschutz stehende Neoklassizistische Villa bildet den Kern des Marken-Erlebnis-Zentrums des Herstellers WESCO. Im oberen Stockwerk befindet sich die Kochschule „LA CUCINA“, in der jährlich bis zu 150 Kochkurse stattfinden.

Das Gebäude ist nicht nur aufgrund seiner neuen Nutzung, sondern auch wegen seiner nach wie vor vorhandenen repräsentativen Gestaltung zu einem positiven Initial für die städtebauliche und bauliche Entwicklung des nahen heterogenen Umfeldes geworden. Es prägt mit seiner Stellung an der Bahnhofstraße weiterhin den Auftakt zum Ortseingang Hüsten. Verstärkt wird diese dominante Wirkung insbesondere durch das markante Mansardwalmdach.

Die zweigeschossige Neoklassizistische Villa an der Bahnhofstraße wurde um 1920 als Wohnhaus auf einem weitläufigen Gartengrundstück, das bis zur Ruhr reichte, inmitten eines heterogenen Umfeldes errichtet. Ab den 1930er Jahren bewohnten die Familien Cronenberg und Westermann das Gebäude. Der Unternehmer Westermann, der seit 1867 Feinbleche herstellte, besaß seit 1908 in unmittelbarer Nachbarschaft zur Villa ein Fabrikgebäude. Hier wurden anfangs Kaffeeflaschen und Stalllaternen hergestellt.

Aufgrund der Nähe zur Fabrikation wurde die Villa ab 1941 zu einem Wohnheim für werksangehörige Mädchen und Frauen umgebaut. In den 1950er Jahren zog in das Erdgeschoss das Arbeitsamt ein und wirkte hier bis ca. 1959. Ab den frühen 1960er Jahren diente die Villa als Wohn-, Verkaufs und Verwaltungsgebäude der Firma Westermann & Co, die unter der Firmenmarke „WESCO“ Designhaushaltswaren produziert.

Die Villa wurde am 16. Februar 1988 in die Denkmalliste der Stadt Arnsberg eingetragen. Seit 2011 dienen die Räume dem Outletstore der Firmenmarke WESCO und einer Kochschule.

Mit den zahlreichen Änderungen zur Nutzung der Villa erfolgten auch bauliche Veränderungen. Die jüngsten Veränderungen ermöglichten einen Rückbau der nicht immer denkmalgerechten Einbauten der letzten Jahrzehnte. Hierdurch ist die ursprüngliche Grundrisskomposition (klare Nord-Süd-Ausrichtung) wieder gut ablesbar. Im historischen Gefüge ist eine Symbiose aus moderner Architekturauffassung und Villenbau der 1920er Jahre entstanden.

Die bautechnischen und formalen Prinzipien des Bauens der 1920er Jahre (klassische Moderne) sind am Gebäude nach wie vor ablesbar. Die Elemente der griechischen und römischen Antike, des Barock und des Klassizismus spiegeln sich im monumentalen Erscheinungsbild, im Portikus des Eingangsbereiches, innerhalb der rechtwinkligen Grundrissdisposition und in der tektonischen Struktur wider. Aber auch die damalige Konkurrenz zum Expressionismus und zur Erneuerungsbewegung des Bauhauses und der damit verbundenen Neuen Sachlichkeit, die es seit den 1920er Jahren gab, wird an der Villa deutlich. Diese sind nicht nur innerhalb der Fassadengestaltung, sondern auch in den klaren, einfachen Details der Innenräume ablesbar.

Die Südfassade ist durch einen runden Vorbau mit aufliegendem Balkon zusätzlich akzentuiert. Hier präsentiert sich die Villa deutlich mit einer Schaufassade. Die bauzeitlich gebogenen Fenster sind heute noch vorhanden. An der Ostfassade befindet sich der Haupteingang, der über eine Freitreppe mit Portikus erreichbar ist. Hier sind, genau wie an der Westfassade, nur wenige Fensteröffnungen vorhanden. Somit ist die Fassadengestaltung unscheinbar. Die Nordfassade ist ebenfalls als Schaufassade gestaltet. In der Mitte der Erdgeschosszone ist der Zugang zum Gartenbereich angeordnet. Dieser ist über eine opulente Treppenanlage erreichbar. Auch hier lässt sich heute noch deutlich das besondere Ambiente des Wohnens in einer Villa der 1920er Jahre ablesen.

Durch eine breite umlaufende Gurtgesimszone werden die Geschosse innerhalb der Fassaden für den Betrachter deutlich ablesbar. Das große mit Metall gedeckte Mansardwalmdach wird förmlich von einem umlaufenden Traufgesims, welches als steigendes Karnies ausgebildet ist, getragen. Die untere Dachfläche ist zu allen Seiten mit großflächigen Fensteröffnungen versehen. Insgesamt ist die Villa heute noch ein Zeugnis des Bauens ihrer Zeit.

Eine überregionale Strahlkraft ist nicht nur durch die neue Funktion der Villa gegeben, sondern auch durch das umgestaltete bauliche Gesamtensemble, mit neuer Straßen- und Freiraumgestaltung, Umnutzung einer Fabriketage für die Verwaltung, gläserner Manufaktur etc. Auch die Nähe des RuhrtalRadwegs trägt zu einer positiven Entwicklung des städtebaulichen Umfeldes und somit auch zu einer Stärkung des Stadtteils Hüsten bei.