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Ralf Herbrich

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Ehem. kurfürstliche Hof- und Landesapotheke (heute: Musikalisches Bildungszentrum des Hochsauerlandkreises)

Denkmal des Monats April 2010

Der Umbau der ehemaligen kurfürstlichen Hof- und Landesapotheke bzw. dem späteren Hotel zur Krone zum „Musikalischen Bildungszentrum des Hochsauerlandkreises“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie alte Gemäuer einer modernen Nutzung zugeführt und mit Leben erfüllt werden. Und dabei erlebt nicht nur der Bau, sondern das gesamte Quartier eine Renaissance.

Das verputzte Fachwerkhaus mit vorkragenden Giebelschild und Krüppelwalmdach wurde 1746 gebaut. Es beherbergte zunächst die erste kurfürstliche Hof- und Landesapotheke im Herzogtum Westfalen.

Nach dem großen Stadtbrand von 1799, der auch das Gebäude der Apotheke nicht verschonte, wurde es im darauf folgenden Jahr um den heute noch vorhandenen inneren Kern wieder aufgebaut. Dabei wurde ein Laboratorium, die so genannte Offizin, die mit einem Kreuzgewölbe akzentuiert ist, eingerichtet. Noch heute erinnert das Kreuzgewölbe an die ursprüngliche Funktion des Raumes.

1851 zog die kurfürstliche Hof- und Landesapotheke in das Gebäude Alter Markt Nr. 7 und der Bäcker und Bierbrauer Johann Gaudenz Höynck erwarb das Besitztum. Fortan diente die Offizin zum Brauen von Gerstensaft.

Ab ca. 1871 residierte in dem Gebäude das „Hotel zur Krone“. Inhaber war nun der Bäcker und Gastwirt Clemens Reiter. Die Fassade des Hauses wurde mit einem schlichten Quaderputz versehen und ab jetzt zierte die Nordfassade eine Kaiserkrone aus Stuck und die Inschrift „Hotel Restaurant“. Ab 1926 ist der heute noch vorhandene westliche Anbau errichtet worden und über einem Kohlekeller wurde eine Veranda an die Nordfassade angefügt. Die Familie Reiter führte das Hotel mit Gastwirtschaft bis 1989. Hiernach stand das im Jahre 1983 in die Denkmalliste der Stadt Arnsberg eingetragene Gebäude lange leer.

Da das Gebäude „Hotel zur Krone“ stets ein wichtiges architektonisches, historisches und kulturelles Zeugnis für die Stadt und Region war, hat die die Stadt Arnsberg das Denkmal im Jahre 2005 erworben. Sie baute es denkmalgerecht zum „Musikalischen Bildungszentrum des Hochsauerlandkreises“ um, das seit 2009 über den Hochsauerlandkreis betrieben wird.

Heute zeichnet sich das Gebäude durch eine klare Architektursprache aus. Ein wichtiges, markantes Merkmal des umgebauten Gebäudes ist der verputzte Sockel. Auf diesem ruht der zweigeschossige Baukörper. Bekrönt wird das Gebäude von einer zum großen Teil verschlossenen Dachfläche. Dies entspricht dem städtebaulichen Gesamtensemble der historischen Altstadt.

Die Nordfassade ist die Schmuckseite des Gebäudes. Die für die Bauzeit typischen und heute noch vorhandenen Applikationen beschränken sich nicht nur auf die Gesimsbänder und Holzeinfassungen der Fenster und Türen. Auch die restaurierte Kaiserkrone von 1871 wurde wieder an Ort und Stelle montiert. Die Applikationen ermöglichen dem Betrachter eine deutliche Ablesbarkeit der einzelnen Geschosse. Die frühere Veranda wird heute mit einem modernen Brüstungselement gefasst und kann durch seine Gestaltung multifunktional genutzt werden. Der Haupteingang ist für alle deutlich erkennbar und wirkt, durch die erhöhte Anordnung, erhaben. Das dem Haupteingang vorgebaute Podest bildet heute mit der Terrasse eine räumliche Einheit und wirkt nicht nur einladend, sondern bietet auch größeren Besuchergruppen Platz zum Verweilen.

Gesimsbänder und Holzeinfassungen von Fenster und Türen sind auch die gestalterischen sowie gliedernden Details der Ost- und Südfassade. Nur die westliche Fas-sadengestaltung entspricht nicht dem Gesamtkonzept, hier befindet sich der jüngere Anbau von 1926. Dieser ist, getreu dem historischen Vorbild, durch seine sachliche, zurückhaltende Gestaltung deutlich ablesbar und fügt sich auch weiterhin dem Hauptbaukörper unter.

Die Südfassade wird heute von einer Stahltreppe, die als zweiter Rettungsweg notwendig war, dominiert. Durch die weitgehend transparente Konstruktion wirkt sie wie eine Skulptur, die man jederzeit entfernen kann. Das Element zeichnet sich nicht nur durch seine Materialien klar vom historischen Bestand ab, sondern auch durch eine eigenständige Illumination.

Historie und Moderne sind auch das bestimmende Element der Innenraumgestaltung. Durch die modernen Einbauten werden die sichtbaren, historischen Spuren klar apostrophiert. Diese Entwurfsphilosophie lässt sich in allen Ebenen des geschichtsträchtigen Gebäudes wieder finden und konfrontiert den Nutzer und Besucher immer wieder mit der Historie des Gebäudes.

Der Übergang von der historischen Baustruktur zu den modernen Ein- und Anbauten zeigt eine deutliche Zäsur auf. Somit ist durch die Symbiose aus Historie und Moderne ein unverwechselbarer Baukörper im historischen Kontext entstanden, welcher nicht nur den Ort prägt, sondern auch für die Musikschule zu einer „Visitenkarte“ geworden ist.

Auch das lange Zeit nur wenig beachtete Quartier zwischen Alter Markt und Jäger- sowie Königstraße, das topografisch von der Altstadtachse abgehängt ist, hat durch das musikalische Bildungszentrum und die vor wenigen Jahren eröffnete KulturSchmiede eine Renaissance erfahren. Die positive Strahlkraft hat eine nachhaltige Wirkung auf den zurzeit im Umbruch befindlichen historischen Stadtkern. Mit dem Sauerlandmuseum, der Kulturschmiede und der Musikschule ist auf engstem Raum inmitten des historischen Stadtkerns ein „kulturelles Dreieck“ entstanden, das der Altstadt neue Impulse geben kann.