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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
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Limps Turm - Lichtturm mit Camera Obscura

Denkmal des Monats Februar 2012

Der Limpsturm, dessen Bau in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (1200-1240) datiert, kann heute als Gesamtkunstwerk begriffen werfen. Mit modernster Technik wird die Außenwelt nach Innen gespiegelt, die schwere Turmhülle wird symbolisch transparent. Als begehbare Kamera (Camera Obscura) kehrt sich damit der ehemalige Wehrturm: Früher diente er der Gefahrenabwehr und dem Schutz, heute ist er offen und durchlässig. Durch die Kombination aus historischer Bausubstanz und moderner Technik entsteht nicht nur eine deutliche Zäsur, sondern auch eine neue Nutzung im historischen Kontext, eine Symbiose aus Historie und Moderne. So trägt der Limps Turm entscheidend zum Umbruch in der Arnsberger Altstadt bei. Entsteht hier doch, inmitten des historischen Stadtkerns, auf engstem Raum ein Netz kulturhistorischer Orte.

Der fünfgeschossige, halbrunde Mauerturm aus Bruchstein mit verschieferter Kegelhaube gehörte zur Stadtbefestigung der Oberstadt, die sich nach dem Bau der Grafenburg auf dem Schlossberg (um 1100) auf der südlich vorgelagerten Geländeterrasse vor der Vorburg entwickelt hat. Es ist davon auszugehen, dass bis ca. 1190 der Bereich bis zum Glockenturm aufgesiedelt worden ist. Die erste Sicherung erfolgte durch einen Holz-Erde-Wall mit Graben. Diese wurde später durch eine massive Bruchsteinmauer mit Türmen und Toren ersetzt. Von den Stadttürmen sind in der Oberstadt (Altstadt) noch vier Objekte erhalten. Dazu zählen neben dem Limps Turm auch der Glockenturm und der Grüne Turm.

Seinerzeit wurden die Türme und Tore von den unterschiedlichsten Zünften finanziert, errichtet und verteidigt. Der Limps Turm wird der Arnsberger Schmiedezunft zugeschrieben.

Der Turm, der 1990 in die Denkmalliste der Stadt Arnsberg eingetragen wurde, ist heute noch ein Zeugnis des Bauens des 13. Jahrhunderts und dokumentiert den Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer. Die Ausrichtung des Turmes erfolgte klar nach seiner Funktion. So bildete er mit der Limps Pforte die Toranlage, durch die man ursprünglich von Westen kommend in die Oberstadt gelangte.

Seine ursprüngliche Intention ist heute noch klar erkennbar. Er wirkt aus der Ferne weiterhin schützend und prägt nach wie vor als Landmarke die Stadtsilhouette. Die von weitem wirkende monumentale Fassade hat lediglich zwei Türöffnungen, die für den Betrachter von Süden und Westen nicht sichtbar sind. Die kleinen Wandöffnungen – Schießscharten – weisen auf seine Funktion als ehemaliger Wach- und Verteidigungsturm hin. Auch seine historische Grundrissstruktur ist erhalten. Diese basiert auf einer einfachen, halbrunden Grundform, wobei die Ostseite abgeschnitten ist.

Die topografische Lage ermöglicht es, dass über eine Türöffnung innerhalb der Nordfassade das Untergeschoss direkt von der Bergstraße erreichbar ist. Ursprünglich war dieser Raum für das Wachpersonal vorgesehen, und es gab einen direkten Zugang zu den oberen Geschossen. Dieser ist heute nicht mehr gegeben, denn eine Kappendecke jüngeren Datums bildet den oberen Abschluss. Das darüber liegende erste Geschoss wird über eine Treppenanlage aus Bruchstein, die an der Ostfassade errichtet wurde, erschlossen. Die weiteren oberen Geschosse wurden von hier aus über eine innere Eichenholztreppe (heute: Metalltreppe) erreicht. Die oberen Geschosse wurden ursprünglich als Ausguck-, Flucht-, Verteidigungs- und Ruheraum genutzt. Die Räume werden lediglich über die kleinen Wandöffnungen – Schießscharten – natürlich belichtet und belüftet.

Der Turm diente jedoch nicht nur als Wachturm. Im 19. Jahrhundert fanden hier sogar Ziegenböcke ihren Unterschlupf. Von den Preußen wurde der Turm als Stadtgefängnis für leichtere Vergehen genutzt. Beim Stadtbrand von 1847 wären hier beinahe einige Insassen zu Tode gekommen. Schließlich verkaufte die Stadt den Turm, erwarb ihn jedoch vor 1895 wieder zurück und ist seitdem Eigentümerin des Turmes. In den 1920er Jahren versammelten sich Gruppen der katholischen Jugendbewegung im Turm. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollen hier für kurze Zeit Flüchtlinge aus dem Deutschen Osten gewohnt haben.

Heute geben einzelne, thematische und technisch sehr hochwertige mediale Visionen dem Turm seine neue Identität. Herzstück ist die Camera Obscura im dritten Geschoss. Hier befindet sich der Besucher im Innern einer Kamera, in der sich die Außenwelt abbildet. Hingegen wird das vierte Obergeschoss als Wahrnehmungsraum genutzt.

Insgesamt entsteht ein unverwechselbares künstlerisches Raumerlebnis im historischen Kontext, welches nicht nur den Ort prägt, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus die touristische Bedeutung Arnsbergs stärkt und zu einer baulichen „Visitenkarte“ geworden ist. Gleichzeitig erfährt der historische Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer durch die neue Nutzung des Limps Turmes seine Renaissance.

Darüber hinaus zeigt die Umnutzung des Limps Turmes zu einem Lichtturm mit Camera Obscura auf, dass im Zusammenwirken von Kommune und bürgerschaftlichem Engagement nicht nur ein für die Historie der Stadt Arnsberg wichtiges Baudenkmal für zukünftige Generationen erhalten bleibt, sondern dass durch die neue attraktive Nutzung der alte Turm auch zum kulturtouristischen Ort wird.