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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
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Kloster Wedinghausen mit Lichthaus

Denkmal des Monats August 2007



Das Kloster Wedinghausen wurde um das Jahr 1170 von Graf Heinrich I. von Arnsberg als selbsternannte Sühne für den von ihm verschuldeten Tod seines Bruders gestiftet. Graf Heinrich I. holte dazu Chorherren des damals neuen Seelsorgeordens der Prämonstratenser aus dem niederländischen Kloster Marienweerd bei Utrecht nach Arnsberg.

Architektonisch ist das Stift heute ein stilistisch uneinheitlicher Komplex aus Laurentiuskirche, umgebautem Kapitelhaus mit Resten des verlorenen Kreuzgangs, Grafenkapelle, Gymnasium und verändertem Abthaus. Es sind Gebäude, die im Laufe der Jahrhunderte in romanischen, gotischen, barocken und klassizistischen Stilelementen errichtet worden waren und nach der Säkularisation übrig blieben, ohne dass sie weiter gepflegt wurden.

Diese kostbaren Reste des „verlorenen Ortes“ wurden jüngst wieder entdeckt, restauriert, umgenutzt und hierdurch revitalisiert. Herzstück ist das „Lichthaus“, ein gläsernes, diaphanes Gebäude, welches dem Klosterhof einen neuen symbolischen Charakter gibt und der Stadt einen modernen Funktionsraum für kulturelle Ereignisse.
Der erste Kirchbau war eine dreischiffige romanische Basilika mit einem mächtigen Westturm. Im Jahr 1210 beschädigte ein Feuer die Klosteranlage. Nach dem Brand wurde eine größere Kirche im gotischen Stil errichtet. Der Ostchor wurde 1254 geweiht. Die Errichtung des Mittelbaus der Kirche bis zum Turm war bis 1350 abgeschlossen. Der von der romanischen Basilika übernommene Turm wurde um ein Stockwerk erhöht. Das Kirchenschiff ist den in Westfalen beliebten Hallenkirchen zuzuordnen, während der Turm mit dem Westwerk noch deutlich an den Vorgängerbau erinnert.

Zu den Kostbarkeiten der Propsteikirche gehören ein romanisches Kreuz aus dem 11. Jahrhundert, die frühgotischen Glasmalereien im Mittelfenster des Chores von 1254 sowie das Grabmal des Landdrosten Kaspar von Fürstenberg (†1618) aus der Werkstatt des Bildhauers Heinrich Gröninger (Paderborn), das heute als Hochaltar dient. Sehenswert ist auch die aus dem Kloster Grafschaft stammende Kanzel mit vier Beichtstühlen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ein Blick lohnt zudem in den Ostflügel des Kapitelhauses, denn der Kreuzgang zeigt eine reiche frühgotische Wand- und Deckenmalerei, die noch ebenso erhalten ist, wie die barocke Stuckdecke und die Grafenkapelle (1274) des Kapitelsaals. Ganz im Westen befindet sich das 1666 erbaute Prälaturgebäude.
Im Jahr 1803 wurde das Stift Wedinghausen im Rahmen der Säkularisation aufgehoben. Nachfolgend wurden der nördliche Teil des Kreuzganges und der Südflügel des Konventsgebäudes niedergelegt und der innere Klosterbezirk damit zerstört. Das in staatliche Trägerschaft übergegangene Gymnasium nutzte die Bibliothek (1694) und den Westflügel für seine Zwecke und baute ihn entsprechend um.
Bis 2002 wurde der Westflügel schulisch genutzt, danach setzte eine umfassende Umgestaltung des Gebäudes und des Klosterhofes ein. Im Westflügel sind heute das Stadt- und Landständearchiv sowie Ausstellungsräume untergebracht. An die Stelle des nach 1803 niedergelegten Südflügels ist 2006 ein mit den Baumaterialien der Moderne - Beton, Stahl und Glas - transparent gestaltetes Lichthaus getreten. Im Kontrast zur alten Bausubstanz des Ost- und Westflügels stehend, diese jedoch nicht berührend, schließt es den Klosterhof wieder zu einer räumlichen Einheit.