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Ralf Herbrich

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Die Ruine der Rüdenburg - der Ausgangsort für Arnsbergs städtische Entwicklung

Denkmal des Monats September 2019

Als die Burg auf dem Adlerberg zum Ende des 16. Jahrhunderts zu einem prächtigen Schloss umgebaut wurde und die städtische Entwicklung voranschritt, war die Alte Burg auf dem Römberg (Rüdenburg) bereits aufgegeben. Doch der Reihe nach.

Es begann um 1070, als Graf Konrad von Werl/Arnsberg seinen Sitz von Werl nach Arnsberg verlegte. Er residierte anfangs in der „Alten Burg auf dem Römberg (heute Rüdenburg)“, hierfür erfolgten die ersten Bautätigkeiten bereits um 1060. Graf Konrad baute die Rüdenburg weiter aus und errichtete somit einen Gegenpol zur älteren Burg „Hachen“ (Sundern-Hachen), die Mitte des 11. Jahrhunderts durch einen Erbgang an den Grafen Otto von Nordheim gefallen war. Konrad sicherte mit der Burg nicht nur seine Besitztümer, sondern auch die nahe gelegenen Erzlagerstätten und Handelswege. Der Name der Rüdenburg lässt sich vermutlich vom Wort „roden“ ableiten, denn zum Bau der Burg und zur besseren Kontrolle von Umland und Handelswegen wurde der Berg vom Gehölz freigeschnitten.

Nachdem Graf Konrad 1092 in Friesland gefallen war, beerbten ihn seine Söhne Friedrich und Heinrich sowie sein Bruder Liupold von Werl. Heinrich übernahm die Grafschaft Rietberg und Friedrich errichtete um 1100 gegenüber der Rüdenburg auf dem „Adlerberg“ eine neue Burg als Residenz. In ihrem Schutz entwickelte sich westlich und südlich eine erste Siedlung, die um 1190 mit Mauern und Türmen befestigt wurde und ab 1238 Stadtrechte besaß (heute Arnsberg). Im Jahre 1368 übergibt der kinderlose Graf Gottfried IV. Stadt und Grafschaft an Kurköln und am Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Burg in mehreren Bauabschnitten in ein repräsentatives Schloss umgebaut.

Die Rüdenburg hingegen ging nach Friedrichs Tod 1124 in die Besitztümer des Kölner Erzbischofs über, denn er hatte bereits 1102 von Liupold dessen Erbteil an der Grafschaft vermacht bekommen. Ein Teil der Burg kam als kölnisches Lehen an die Edelherren von Rüdenberg, der gräfliche Teil an die Edelherren von Ardey. Nachdem die Familie von Ardey um 1320 ausstarb und Hermann IV. von Rüdenberg kurz vor seinem Tod 1360 seinen Besitz an das Kloster Wedinghausen verkaufte, wurde die Rüdenburg aufgegeben. Im 17. Jahrhundert wurde die Burg zum Teil abgetragen und als Baumaterial für das nahegelegene Rittergut Obereimer verwendet.

Während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) standen preußische Batterien im Bereich der Rüdenburg und belagerten von hier aus das Schloss. Es wurde in dieser Zeit zerstört und seine großformatigen Bruchsteine wurden ebenfalls an anderer Stelle genutzt. Teile der geschichtsträchtigen Ruinen der Rüdenburg und des Schlosses sind heute noch erhalten und beliebte Ausflugsziele.

In den Jahren 1929/1930 ließ der Arnsberger Heimatbund erstmals die verbliebenen Mauern der Rüdenburg freilegen und dokumentieren, doch am Ende des Zweiten Weltkriegs vernichteten Bomben wesentliche Bereiche der Freilegungen. In den Jahren zwischen 1988 und 1991 sowie 2012 und 2016 konnte die Ruine saniert werden. Darüber hinaus erfolgten in dieser Zeit weitere archäologische Untersuchungen und fach- sowie denkmalgerechte Mauersanierungen unter Leitung des renommierten Archäologen Dr. Joachim Zeune vom Büro für Burgenforschung (Eisenberg-Zell). Die Arbeiten im Jahr 2012 begannen mit der Durchführung mehrerer Grabungskampagnen. Bald schon stellte sich heraus, dass die gesamte Burganlage nicht als homogener Bau innerhalb einer einzigen Bauphase entstanden ist, sondern in bisher drei nachgewiesenen Bauphasen.

Die heute sichtbare Burganlage der Rüdenburg hat eine Grundfläche von ca. 0,42 ha und wurde ursprünglich von einer 286,4 m langen zweischaligen Ringmauer umfriedet. Die Innen- und Außenschale hatten eine Dicke von etwa 2 Metern und waren ca. 6 bis 8 m hoch. Jedoch sind bis auf wenige Stellen nur noch in Teilbereichen die Reste der Innenschale erhalten geblieben. Die Außenschale wurde zum größten Teil im Laufe der Zeit abgetragen und für den Bau anderer Gebäude verwendet.

Der ursprüngliche Zugang zur Burg war im westlichen Bereich angeordnet und wurde in der Forschungs- und Bauphase 2016 rekonstruiert. Zu den Bauten der Ursprungsbauphase (1060/80) zählen auch die heute noch gut erkennbaren Gebäudeteile eines Palas, eines Wohnbaus, eines Wirtschaftgebäudes und eines Turmhauses (Wohnturm), welches vermutlich 3 bis 4 Geschosse hoch war und als Statussymbol der Burg galt.

Ab 1090/1100 beginnt die zweite Bauphase. Hier wurde eine Kapelle als Ersatz für einen Vorgängerbau im Zentrum der ursprünglichen Burganlage errichtet. Diese wurde während der dritten Bauphase 1102/1160 durch eine Binnenmauer mit einem inneren Burgtor überbaut. Die innere Mauer trennte die ursprüngliche Burganlage in Ost-West-Richtung und bildet heute den markantesten Teil der Ruine. Vermutlich erfolgte der Einbau der Mauer aufgrund des „Doppelsitzes“, nämlich der Grafen von Arnsberg und des Erzbischofs von Köln ab 1102. In der dritten Bauphase wurde auch ein neues Burgtor mit Wächterstube im südlichen Bereich der Anlage gebaut. Des Weiteren wurden im nördlichen Bereich ein Wohnhaus und eine Zisterne errichtet.

Der Arnsberger Heimatbund ist nach wie vor maßgeblich für die Erforschung und die Erhaltung der Rüdenburg mitverantwortlich. In enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden, den Archäologen, den Burgenforschern und den Landschaftsbehörden sowie den ehrenamtlichen Naturschützern wurden die Mauerkronen der Ruine teilweise erneuert und die Aufmauerungen von vergangenen Bautätigkeiten korrigiert, denn diese verfälschten den Ruinencharakter. Im Einklang mit den Auflagen des Naturschutzes haben Teilbereiche der Mauerkronen eine Begrünung erhalten. Eine klare Wegeführung soll die Besucher gezielt über das Burgareal führen, sodass die im Laufe der Jahre dort entstandenen Biotope ebenfalls erhalten werden. Somit ist die Ruine der Rüdenburg heute nicht nur ein Geschichtslesebuch, sondern auch ein wichtiger Raum für Flora und Fauna.

Alle Fotos: (c) Jörg Hempel, Aachen