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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
Rathaus
Raum 14
Rathausplatz 1
59759 Arnsberg
02932 / 201-1340

Villa Bremer, Kapellenstraße 16

Denkmal des Monats November 2000

Im Jahre 1896 entstand inmitten einer weitläufigen Parkanlage ein nachklassizistisches, aus schlichten Kuben zusammengesetztes Bauwerk in großzügigen Ausmaßen. Bauherr war der Industrielle und Erfinder Hugo Bremer (1869 - 1947), der sich 1892 in Neheim niedergelassen hatte. Hugo Bremer war der Erfinder des sogenannten „Bremer Lichtes". Er verwandte anstatt des bis dahin gebräuchlichen Kohlefadens einen Wolframfaden. Die Helligkeit dieses Lichtes übertraf alle anderen damaligen elektrischen Lampen. Für diese Erfindung erhielt Hugo Bremer auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 die höchste Aufzeichnung, den Grand Prix.

Weitere Patente (Verbesserung der Laufketten von Kampfwagen, Einführung der Heftzweckenproduktion in Neheim, Erfindung und Herstellung von Papierbleistiften etc.) erlaubten dem am 13. Januar 1869 in Elberfeld geborenen Bremer „die Errichtung einer schmucken Villa inmitten reizvoller Anlagen". Das zweigeschossige Gebäude mit seinem eingeschossigen Seitenflügel blickt auf eine höchst wechselvolle Nutzungsgeschichte zurück. Bis zu seinem Tode am 09. April 1947 bewohnte Hugo Bremer die Villa, die später auch zu Wohn- und gewerblichen Zwecken vermietet wurde, allein, da er zeitlebens unvermählt blieb.

Die ehemalige Stadt Neheim-Hüsten erwarb das Anwesen, um die Räumlichkeiten zu Berufsschulzwecken zu nutzen. Der Innenausbau - zusätzlich wurde der Wintergarten überdacht - konnte am 28.04.1948 durch den Neheimer Bauunternehmer F. Stiefermann in Angriff genommen werden. Stadtbaumeister Kraft vermerkte gegenüber der Militärregierung zur Durchführung des Projektes: „Die Räume sind für Wohnzwecke unnormal groß mit übergroßen Fenstern. Das Gebäude befindet sich zum großen Teil in verwahrlostem Zustande." Bei Abwägung aller Vor- und Nachteile jedoch macht er schließlich geltend, dass das Gebäude „mit verhältnismäßig wenig Materialien und geringen Geldmitteln" entsprechend umzubauen ware, überdies sei damit künftig die regelmäßige Erteilung von Unterricht ,,in praktisch zusammenliegenden gesunden luftigen Räumen" gewährleistet. Von 1948 bis 1963 wurde das Gebäude als Berufsschule genutzt.

In den Jahren 1963 bis 1979 residierte dort die Volkshochschule. Danach gab es Pläne, in der „Villa Bremer" ein Leuchtenmuseum einzurichten. Dies wäre sicherlich ein interessantes Beziehungsgefüge zwischen der Person des Erbauers, der langjährigen kulturellen Funktion der Villa und der (elektro)-industriellen Tradition Neheim-Hiistens gewesen. Allerdings wurden diese Überlegungen wieder verworfen. Die leeren Räumlichkeiten wurden später von dem Internationalen Arbeitskreis sowie den Vereinen der Spanier und Portugiesen genutzt.

Der seit 1996 bestehende Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder ab 3 Jahre zwang die Stadt zum Handeln. Die vorhandenen Kindergartenplätze reichten zur Deckung des Bedarfes nicht aus. Es wurde ebenso über einen Neubau nachgedacht wie über den Umbau bestehender Gebäude, u.a. der „Villa Bremer". Bei der Entscheidung für den Umbau spielte die Möglichkeit der Förderung aus Stadterneuerungsmitteln durch das Land NRW eine große Rolle. Aus diesem Topf wird die Umnutzung von Denkmälern für soziale Zwecke gefördert. Insgesamt übernahm das Land 70 v.H. der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben. Im Jahre 1998 konnten die Umbauarbeiten abgeschlossen werden. Neben dem Kindergarten ist im Erdgeschoss noch ein Seniorenfreizeitclub eingerichtet.

Aufgrund seiner besonderen Bedeutung des Gebäudes für die Geschichte der Stadt Arnsberg, insbesondere des Stadtbezirks Neheim, wurde das Gebäude am 14.05.1987 in die Denkmalliste der Stadt Arnsberg eingetragen.