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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
Rathaus
Raum 14
Rathausplatz 1
59759 Arnsberg
02932 / 201-1340

Schloßberg mit Schloßruine

Denkmal des Monats Juni 1999

Um das Jahr 1060 erbauten die Grafen von Werl auf dem „Römberg" bei Arnsberg die sogenann­te „Rüdenburg" oder „Alte Burg". Diese Burganlage ist wohl im 14. Jahrhundert aufgegeben worden.

Graf Friedrich der Streitbare (+ 1124) ließ gegenüber auf dem „Adlerberg" um das Jahr 1100 eine neue, größere Befestigung errichten. Mit dem Wechsel von Werl nach Arnsberg wurde der „Adlerberg = Aarensberg" namensgebend für die hochadeligen Grafen von Arnsberg. Sie schufen sich mit dieser Burg eines der bedeutendsten weltlichen Machtzentren Westfalens. Bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts, als die Rüdenburg verlassen wurde, beherrschten also zwei Burgen das Ruhrtal. Schriftsteller des 19. Jahrhunderts haben wegen der landschaftlichen Schönheit diesen Ruhr-talabschnitt als „Porta Sauerlandica" beschrieben.

Die strategische Lage der Burg Arnsberg war exzellent gewählt. Die Burg lag auf einem von der Ruhr an drei Seiten umflossenen Bergsporn. Den nördlichen Zugang sicherte ein tiefer Wallgraben. Die Grafenburg wurde zur Keimzelle der Stadtentwicklung Arnsbergs. In ihrem Schutz ließen sich die „ersten Arnsberger" auf der südlich vorgelagerten Geländeterrasse nieder (urkdl. nachweisbar 1114). Vor dem Jahre 1200 war das Areal bis zum Glockenturm (Oberstadt) aufgesiedelt und befestigt. Die Oberstadt zeigt eine gewachsene Siedlungsstruktur. Der anschließende, tiefer gelegene Bereich bis zum Lindenberg wurde bis ca. 1240 planmäßig mit Straßen erschlossen (Unterstadt). Vor dem Jahre 1238 muß der Ort bereits über Stadtrechte verfügt haben.

Mit der Übertragung der Grafschaft Arnsberg an das Erzstift Köln durch den erbenlosen Grafen Gottfried IV. (c. 1296 - 1371) im Jahre 1368/69 wurde die Burg bevorzugter Aufenthaltsort der Kölner Kurfürsterzbischöfe. Durch mehrfache Umbauten erhielt die mittelalterliche Festung einen pracht­vollen Schloßcharakter. Ihr grundsätzlicher Aufbau (Süden: Hauptbau mit kurzem Ostflügel und zwei Ecktürmen -Ost-/Westturm-, vorgelagertes Torhaus; Westen: Landdrostenflügel; Norden: Gal­genpforte, Brauhaus, Pulverturm; Osten: Brunnenhaus; auf dem Plateau im Burginnenhof: massiger Bergfried, Schloßkapelle, Wachthaus) änderte sich jedoch erst unter dem prunkliebenden Kurfür­sten Clemens August von Bayern (1700 - 1761). Sein Baumeister Johann Conrad Schlaun (1694 - 1773) gestaltete sie zu einer prächtigen dreiflügeligen Schloßanlage um (1730/35). Dem barocken Zeitgeschmack wurden die Gebäude im Burginnenhof (Bergfried, Schloßkapelle) geopfert und später noch der Landdrostenflügel abgerissen.

Am Ende des Siebenjährigen Krieges bombadierten 1762 alliierte preußische Truppen unter Erb­prinz Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig (1735 - 1806) Schloß und Stadt. Die französische Besatzung wurde zum Abzug gezwungen und das Schloß, nachdem es im Innern ausgebrannt war, an sieben Stellen gesprengt. Dennoch wäre der Prachtbau noch zu retten gewesen, so daß der Landdrost Theodor von Spiegel zu einer provisorischen Sicherung durch ein Strohdach riet. Doch die Mittel des kurkölnischen Staates waren erschöpft; die Ruine wurde als Steinbruch freige­geben. Viele Arnsberger Bürger haben sich hier zum Wiederaufbau ihrer ebenfalls zerstörten Häu­ser Baumaterial geholt.

Im Jahre 1783 erbauten die Landstände des Herzogtums Westfalen aus den Steinen der Schloßruine ein Zuchthaus, das später als Kaserne diente. Hier richtete man 1816 die Bezirksregierung ein (Alte Regierung an der Jägerstraße, heute Verwaltungsgericht).

Das Schloßbergplateau ist im 19. Jahrhundert mehrfach gärtnerisch gestaltet worden. 1816 nahm der Münsteraner Hofgärtner Haas die nötigen Arbeiten auf und 1821 wurde die Anlage von dem berühmten Düsseldorfer Garten- und Landschaftsgestalter Maximilian Friedrich von Weyhe (1775 - 1846) in Verbindung mit dem Englischen Garten und der alten kurfürstlichen Promenade um das Eichholz neugestaltet. Bis in unser Jahrhundert waren von der Regierung besoldete Gärtner für die Pflege dieser Anlagen zuständig.

Als Sitz der Grafen von Arnsberg (bis 1371) und seitdem als Westfälische Residenz der Kurfürsten von Köln (bis 1762) wurde von der Arnsberger Burg aus ein großer Teil Südwestfalens - das ehema­lige „Herzogtum Westfalen" regiert (Bereich der heutigen Kreise Olpe, Hochsauerlandkreis, Teile des Kreises Soest und des märkischen Kreises). Die historische Bedeutung dieser Stätte für die westfälische Landesgeschichte und sogar für die deutsche Reichsgeschichte ist unbestritten. Der Schloßberg mit der Ruine wurde 1897 von der Stadt Arnsberg vom preußischen Staat erworben. Mit seinen teilweise wiederaufgebauten Ruinen stellt er ein landesweit einmaliges und überregional bedeutsames Denkmal dar.

Seit 1997 stoßen die Sicherungsarbeiten an den Umfassungsmauern der Arnsberger Schloßruine auf ein breites Interesse in der Bevölkerung. Arnsberg hat ein neues Erscheinungsbild erhalten, seitdem auch alte Blickbezüge zum und vom Schloßberg wiederhergestellt werden konnten. Sie führen zu einer Aufwertung des historischen Stadtbildes. Vorbildliches bürgerschaftliches Engagement steigert gleichzeitig die Attraktivität des Schloßberges für den Tourismus.