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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
Rathaus
Raum 14
Rathausplatz 1
59759 Arnsberg
02932 / 201-1340

Historischer Stadtkern (Arnsberg)

Denkmal des Monats Mai 2015

Historischer Stadtkern Arnsberg

Von oben betrachtet ist Arnsbergs Morphologie deutlich ablesbar: ein von anderen Städten klar unterscheidbarer, historisch gewachsener Ort. Regionale und lokale Besonderheiten sowie das Zusammenspiel von Topografie, Landschaft - insbesondere der Ruhrschleife - und baulicher Entwicklung prägen die Stadt. Somit lässt sich die Stadtgeschichte nicht nur an den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen und Errungenschaften ablesen, sondern auch an der historischen städtebaulichen und baulichen Substanz. Die gebaute Stadt lässt sich in unterschiedliche Bauphasen einteilen, die aber niemals als abgeschlossen gelten können und ihre Weiterentwicklung in den Bauten des 21. Jh. finden.

Als um 1070 die Grafen von Werl ihren Sitz nach Arnsberg verlegten, residierten sie anfangs in der Alten Burg auf dem Römberg (Rüdenburg, heute ein beliebtes Ausflugsziel). Um 1100 zogen sie auf den gegenüberliegenden Berg und errichteten hier eine Burg als Residenz. In ihrem Schutz entwickelte sich südlich anschließend eine Siedlung, die wohl vor 1190 mit Mauern und Türmen befestigt wurde. Der heutige Glockenturm bildete das südliche Haupttor. Die steigende Einwohnerzahl ließ bis zur Klosterpforte am Lindenberg einen zweiten, geplanten Siedlungsbereich entstehen (bis ca. 1240). Mittelpunkt wurde der Alte Markt mit Rathaus (um 1450 erwähnt) und Maximiliansbrunnen (1779). Der Ort muss bereits von Graf Gottfried II. von Arnsberg († um 1235) städtische Freiheiten erhalten haben. Der Glockenturm, nun innerstädtisches Tor geworden, diente der 1323 errichteten Stadtkapelle als Kirchturm mit Uhr und Glocken und ist heute noch das Wahrzeichen der Stadt. Im Jahre 1368 übergab der kinderlose Graf Gottfried IV. († 1371) Stadt und Grafschaft an Kurköln.

Die wachsende Bevölkerung, aber auch die zahlreichen Stadtbrände veränderten im Laufe der Zeit die Stadt massiv. Somit wird das heutige Erscheinungsbild nicht nur durch Reste der Stadtmauer geprägt, sondern insbesondere durch die Wiederaufbauten und Neubauten, die nach dem großen Brand vom Mai 1600 entstanden sind.

Am Ende des 16. Jh. wurde die Burg in mehreren Bauabschnitten in ein repräsentatives Schloss für die Kölner Kurfürsten umgebaut und 1762 - während des Siebenjährigen Krieges - zerstört. Die Ruine ist heute noch erhalten und bietet im öffentlichen Raum einen Ort zum Verweilen und Genießen.

Der dritte bauliche Bereich umfasst das geistige und geistliche Zentrum der Stadt und der Grafschaft, das ehemalige Prämonstratenserstift Wedinghausen. Der erste Kirchenbau wird um 1170 datiert, der wohl 1210 durch einen Brand zerstört und im frühgotischen (Chorweihe 1254) und spätgotischen Stil wieder aufgebaut wurde. Das Erscheinungsbild der heutigen Klostergebäude – auf älteren Vorgängern basierend – dominieren Um- und Neubauten in der 2. Hälfte des 17. und im frühen 18. Jh. Trotzdem ist der Duktus des Ensembles noch ablesbar. Denn mit der modernen Neuinterpretation des sakralen Bauens – dem „Lichthaus“ - entstand zu Beginn des 21. Jh. ein Ort für museale und kirchliche Nutzungen.

Im Jahre 1794 wird Arnsberg, seit dem Übergang der Grafschaft Arnsberg 1368 auch Hauptstadt des kurkölnischen Herzogtums Westfalen, bis 1803 Sitz des Kölner Domkapitels, das im Kloster Wedinghausen residiert. 1803 wird das Herzogtum Westfalen mit Arnsberg der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugesprochen und fällt nach dem Wiener Kongress im Jahre 1816 an Preußen. In diesem Zuge wurde Arnsberg zur Kreis- und Regierungsstadt ernannt und entwickelte sich zum überregionalen Verwaltungszentrum. Die baulichen Spuren sind bis heute ablesbar und prägen die vierte Bauphase. Ab 1817 wurde unter Leitung der Oberbaudeputation in Berlin, im Stile des an Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) orientierten preußischen Klassizismus, zwischen Klosteranlage und Stadt, ein planmäßiger Aufbau der neuen Regierungsstadt realisiert. Es entstand die Neustadt - das Klassizismus-Viertel -, das sich heute noch weitestgehend in einem geschlossenen Erhaltungszustand befindet und als einmaliges Zeugnis in Westfalen gilt.

Die neuen Wohnbauten westlich der Königstraße wurden auf kleinen Parzellen realisiert. Jedoch gab es die Möglichkeit, die anschließenden Flurstücke hinzuzukaufen. So entstanden unterschiedlich große Gartenparzellen, die entsprechend dem Stil und Verständnis der Zeit, gärtnerisch gestaltet und oftmals mit einem Gartenhaus akzentuiert wurden. Mit der Wiederherstellung der klassizistischen Gartenhäuser und ehemaligen Bürgergärten ist es gelungen, ein Zeugnis der bürgerlichen Freizeitkultur der ersten Hälfte des 19. Jh. zu revitalisieren. Die heutige Grünanlage ist an den RuhrtalRadweg angeschlossen und bietet mit ihrer puristischen Gestaltung eine hohe Aufenthaltsqualität.

Die fünfte Bauphase begann streng genommen bereits um 1820. Damals gelang nach Osten der „Sprung über die Ruhr“ mit ersten Bauten am heutigen Brückeplatz. Es galt hier, den historischen Stadtgrundriss über die Ruhrschleife hinaus zu erweitern. Markantes Beispiel ist das klassizistische Landgericht (Grundsteinlegung 1840), doch die hauptsächlichen Bauaktivitäten fallen in die zweite Hälfte des 19. Jh. Diese Entwicklungsphase, in die auch der Bau des Arnsberger Bahnhofs (1870) fällt, hat, bis auf einige wenige Ausnahmen, inhaltlich und baulich kaum noch mit dem historischen Stadtbild zu tun. Trotzdem bekommt diese Bauphase, nicht nur von oben betrachtet, eine deutliche städtebauliche Wirkung.

Die jüngste Bauphase zeigt die Möglichkeiten des Bauens ab der zweiten Hälfte des 20. Jh. auf. Es scheint, als gäbe es für die Architektur keine natürlichen Grenzen mehr. Das birgt Gefahr und Chance zugleich. In dieser aktuellen Phase werden nicht nur im historischen städtischen Bereich die vorhandenen Gebäude erweitert oder neu interpretiert, sondern auch Neubauten, die das Bauen unserer Zeit dokumentieren, realisiert. Wir achten darauf, dass regionale und lokale Charakteristika ebenso berücksichtigt werden wie der historische Kontext. Es ist eine zukunftsträchtige Bauphase, die im Werden ist und noch lange nicht abgeschlossen sein wird.