Klassizistische Gartenhäuser und ehemalige Bürgergärten

Denkmal des Monats September 2011

Mit der Zugehörigkeit zu Preußen ab 1816 wurde Arnsberg Regierungssitz und erlebte mit den nach Arnsberg ziehenden preußischen Beamten eine rege Bautätigkeit. So entstand unter der Oberaufsicht des königlichen Hofarchitekten Karl Friedrich von Schinkel zwischen 1816 und 1841 rund um den neu angelegten Neumarkt ein preußisches Regierungsviertel "à la Berlin".

Als Kompensation für die schmalen Grundstückszuschnitte entlang der Königstraße erhielten die Eigentümer der dort errichteten Bürgerhäuser die Möglichkeit, die dahinter liegenden Flurstücke bis hinunter zum Mühlengraben hinzuzukaufen. Diese Grundstücke wurden gärtnerisch gestaltet und als "grüne Refugien" der Freude, Schönheit und Erbauung häufig mit Gartenhäusern ausgestattet.

Während die Wohnhäuser im Stil des an Schinkel orientierten preußischen Klassizismus erbaut wurden, bilden die Gartenhäuser ein eigenständiges baukünstlerisches Element im Garten und entsprachen damit der zeitgenössischen Auffassung von Architektur. Mit der sich anschließenden Waldkulisse sollten die Gartenhäuser für den Betrachter eine romantische Kulisse suggerieren.

Die Wiederherstellung zweier Gärten mit ihren Gartenhäusern soll zum Verständnis von Landschaft und Gartenkultur zu Beginn des 19. Jahrhunderts beitragen. Hierzu hat die Stadt Arnsberg im Jahr 2005 die Grundstücke erworben und auf der Grundlage einer Untersuchung "Historische Gärten und Gartenhäuser am Rande des Klassizismusviertels" in Alt-Arnsberg (pdf, 3.195 KB) durch das Büro scape, Landschaftsarchitekten aus Düsseldorf die Gartenhäuser zwischen April und Dezember 2008 fach- und denkmalgerecht restauriert.

Der erste Teilabschnitt mit den beiden Gartenhäusern wurde der Bevölkerung am "Tag des offenen Denkmals", dem 13. September 2009 zur Nutzung übergeben.

Ein zweiter Bauabschnitt wurde im Rahmen eines vom Förderverein Bürgergärten e. V. ausgerichteten Festes am 06. April 2014 eingeweiht. Für diesen Teil der Bürgergärten konnte die Stadt im Rahmen des Programms "Städtebaulicher Denkmalschutz" 80 % der insgesamt aufzuwendenden Mittel in Höhe von rund 155.000 € als Fördergelder einwerben. Bereits 2013 war die Fußgängerbrücke über den Mühlengraben, die jetzt eine barrierearme Anbindung des RuhrtalRadweges an den Neumarkt sicherstellt, instand gesetzt worden. Neben einem dem Mühlengraben begleitenden Weg auf der unteren Ebene gibt es verschiedene neue Wege im Gelände sowie ein Aussichtsplateau mit Blick über das Ruhrtal. Alte und neue Obstbäume, ein großes Stauden- und Rosenbeet, Sitzgelegenheiten und ein Bouleplatz ergänzen die Anlage in hervorragender Weise.

Gartenhaus "Twiete 6"

Das vermutlich zwischen 1830 bis 1850 erbaute Gartenhaus ist durch seine aus dem Barock entlehnte Form und der später vorgesetzten Ziergiebel samt Pilasterrahmung besonders hübsch und der mündlichen Überlieferung nach schon immer schief anzusehen. Auf einem massiven Sockel steht die mit Sauerländer Naturschiefer beschlagene Fachwerkkonstruktion, die, nach Norden, Süden und Westen mit großen Fenstern versehen, seit je her zum Blick in die Landschaft einladen.

Das Gartenhaus gehörte zum Wohnhaus Königstraße 24 und wurde bereits in den 1930er Jahren saniert und schließlich 1983 unter Denkmalschutz gestellt. Es wurde ursprünglich für gesellschaftliche Veranstaltungen, z. B. für Empfänge nach dem Kirchgang, genutzt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag traf man sich hier mit Freunden zu einem vergnüglichen Abend, wobei der Kellerraum auch als Weinkeller diente.

Gartenhaus "Twiete 8"

Das ältere der beiden Gartenhäuser, auch "Gartenhaus der armen Schulschwestern" genannt, wurde zwischen 1822 und 1830 im klassizistischen Stil errichtet. Als verkleinerte Kopie der Häuser an der Königstraße gehörte es zu dem Wohnhaus Königstraße 28 (heute 36).

Das durch ein Krüppelwalmdach beschützte Fachwerkgebäude steht auf einem massiven Sockel und besitzt nach Norden, Süden und Westen verschieferte Seitenwände. Eine zweiflügelige Tür öffnet sich zum umliegenden Garten.

Bis zu seiner Restaurierung diente das Gartenhaus, das 1983 unter Denkmalschutz gestellt wurde, als Wohnhaus des Gärtners, der Lagerung von Gartengeräten und als Freizeithaus. Es stand in einem extensiv gestalteten Landschaftsgarten, wobei die Lage des Hauses nicht zufällig gewählt wurde. Vielmehr sollten klare Ein- und Ausblicke ermöglicht und ein "Verschmelzen" von Nutzer und Betrachter mit der Natur erreicht werden.