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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
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"Blaues Haus" des Hochsauerlandkreises

Baudenkmal Alter Markt 30 im Stadtteil AltArnsberg

Das genaue Baujahr des zweistöckigen Fachwerkhauses ist nicht mit Sicherheit festzulegen, vermutlich wurde es, wie die benachbarten Häuser am Alten Markt, „Arnsbergs guter Stube“, nach dem großen Stadtbrand von 1709 auf älteren Grundmauern errichtet. Ein Resümee der jüngsten Bauforschung ist, dass das „Blaue Haus“ ursprünglich eine Sondernutzung hatte. Denn seine Stellung mit der Traufe zum Alten Markt ist für das Bauen in Arnsberg im 18. Jahrhundert an diesem Ort ungewöhnlich. Verstärkt wird diese Tatsache, dass durch die städtebauliche Ausrichtung des Gebäudes, das ursprüngliche Grundstück des Landsberger Hofes zu einer bloßen Einfahrt verschmälert wird. Zu einem Bürgerhaus wurde das Gebäude erst um ca. 1830 umgebaut. Hierfür wurde der Grundriss verändert und das Fachwerk nach drei Seiten mit einer klassizistisch anmutenden Bretterverkleidung und einer Gesimsausbildung versehen. Es sollte der Schein eines klassizistischen Bürgerhauses suggeriert werden. Denn der damalige Eigentümer wollte wohl sein Gebäude an die neuen Bürgerhäuser angleichen, die entlang der Königstraße und am Neumarkt für die zugezogenen preußischen Beamten entstanden. Fortan diente das Gebäude einem Handwerksbetrieb als Arbeits- und Wohnstätte.

Im Jahre 1969 erfuhr das Gebäude eine weitere erhebliche Veränderung, das bis hierher im Stadtbild prägnante Walmdach wurde nach einer Dachsanierung erheblich niedriger, neu aufgebaut. Hierdurch ging die Wirkung des Objektes im städtischen Raum verloren. Des Weiteren erfuhr das Erdgeschoss massive Veränderungen.

Seit dem 03. Mai 1983 ist das Gebäude in der Denkmalliste der Stadt Arnsberg verzeichnet. Der heute noch in der Bürgerschaft verbreitete Name für das Objekt „Blaues Haus“ resultiert aus der bläulich schimmernden Bretterverkleidung aus dem Jahre 1830.

Seit 2002 ist das Objekt im Besitzt des Hochsaulandkreises. In der Zeit von 2011 bis 2013 ist das Gebäude durch den Hochsauerlandkreis mit Unterstützung des Landes NRW saniert, erweitert und zu einem Kreismedienzentrum umgebaut worden. Des Weiteren befinden sich hier die Räume der Verwaltung des Sauerlandmuseums und dessen Förderverein. Hierdurch wird die Denkmalsubstanz auf Dauer genutzt und somit erhalten und geschützt.
Das Um- und Erweiterungsbaukonzept wurde in einem transparenten, kooperativen Verfahren zwischen dem Bauherrn, dem ausführendem Architekturbüro „kalhoefer – korschildgen“ aus Köln und den Denkmalbehörden in den unterschiedlichsten Entwurfs- und Realisierungsphasen abgestimmt.

Grundsätzlich ist zu vermerken, dass bei dem Umbau ein sensibeler Umgang mit dem Denkmal angestrebt wurde. Denn bei einer Umnutzung des Objektes können auf dem ersten Blick denkmalspezifische Gegebenheiten (Raum- und Brüstungshöhen, unebene Bodenbeläge, historische Wandaufbauten etc.) der geplanten Nutzung entgegenstehen. Dies ist jedoch hier nicht der Fall. Denn es wurde im Realisierungsprozess nicht nur darauf geachtet, dass die vorhandenen historischen Spuren erhalten bleiben, sondern auch, dass das Historische für den Betrachter/Nutzer ablesbar wird.

Eigentlich gehen Zeugnisse einer Alltagskultur im Rahmen einer Sanierung meistens verloren. Doch die Sanierungsarbeiten am Objekt Alter Markt 30, „Blaues Haus“, haben historische Spuren/ Baumaterialien zum Vorschein gebracht, die neue Aufschlüsse zur Baugeschichte des Gebäudes ermöglichen. So wurde im nördlichen Bereich des Objektes eine historische Steinpflasterung sichtbar. Diese gehörte vermutlich zu einer Durchfahrt, die es ursprünglich an dieser Stelle, wohl am Ursprungsgebäude, gab. Ein weiterer Beleg hierfür ist heute an der östlichen Fachwerkfassade zu finden. Hier ist das Fachwerk entsprechend der historischen Durchfahrt aufgebaut.
Im Bereich des heutigen Foyers wurden großformatige, historische Bodenplatten gefunden. Die Funde sind sehr gut erhalten und in das Umbaukonzept integriert. Auch hier ist eine Symbiose aus historischen Spuren mit heutigen Ausbaudetails entstanden. Auf diese Weise verbinden sich moderne Vorstellungen unserer Tage mit der Weiternutzung der Räume im besten denkmalpflegerischen Sinne.

Im ersten Obergeschoss wurden historische Wandoberflächen als Zeugnisse ihrer Zeit für den Nutzer bzw. Besucher sichtbar gestaltet. Auch die historischen Oberböden (Eichendielen) sind erhalten.

Nicht nur die Innenräume weisen heute wieder die ursprünglichen Materialien und die historische Grundrissgestaltung auf, sondern auch die äußere Architektur hat durch das neue Dach mit historischer Form seine ursprüngliche Gestaltung zurückbekommen. Hierdurch hat das Objekt im städtischen Raum seine prägnante Wirkung wieder erlangt.

Die heutige Fassadengestaltung ist auf die Gestaltung der 1830´er Jahre zurückzuführen, als die Eigentümer versuchten dem Gebäude eine klassizistische Architektur überzustülpen. Hierbei wurde die Fassade am Alten Markt -„Arnsbergs guter Stube“ mit zwei Schaufenstern realisiert. An der Stelle des nördlichen Schaufensters war ursprünglich die Tordurchfahrt, die sich heute auch wieder in der Fachwerkfassade der Ostseite abzeichnet. Durch das „Schaufenster“ wird nicht nur das Historische zitiert, sondern das Innere in den städtischen Raum weitergeführt bzw. das Leben auf dem Platz in das Gebäude getragen.

Mit dem umgebauten „Blaue Haus“ ist ein Beispiel für eine Symbiose aus historischen Spuren mit heutigen Ausbaudetails entstanden. Hier verbinden sich moderne Vorstellungen unserer Tage mit der Weiternutzung der Räume im denkmalpflegerischen Sinne.

Im ursprünglichen Gartenbereich ist ein Erweiterungsbau für multifunktionale Nutzungen entstanden. Seine bauliche und funktionale Anbindung an das „Blaue Haus“ erfolgt über einen schmalen transparenten Gang, sodass zwischen historischem Baukörper und Neubau eine Gasse entsteht. Die Gestaltung des Neubaukörpers übernimmt das Motiv der Giebelstellung aus dem Stadtbild und interpretiert so die historische Stadt. Der Neubau apostrophiert den Ort und gibt ihm durch seine Form eine unverwechselbare Wirkung im städtischen Raum. Durch seine Architektur ist ein harmonisches Bauensemble entstanden welches aber durch die Gasse eine deutliche formale Trennung erfährt. Dies ermöglicht nicht nur eine klare Ablesbarkeit der historischen Spuren und des Bauens des 21. Jahrhunderts, sondern auch der einzelnen Nutzungsbereiche.

Der Innenraum hat eine deutliche Zuwendung zum vorhanden denkmalgeschützten Baukörper. Hierdurch ist eine Beziehung zum historischen Bestand entstanden und der neue Raum wirkt nicht beliebig und austauschbar. Im Gegenteil, es wurde ein Erweiterungsbau für den Ort realisiert. Denn die transparente Fassade des Neubaus ermöglicht dem Betrachter und Nutzer, sich mit den historischen Komponenten des Ortes auseinanderzusetzen. So wird die korrespondierende Wirkung von Alt und Neu, von Historie und Moderne für den Erweiterungsbau zu einem herausragenden Thema.

Das entstandene Bauensemble und seine Wirkung im städtischen Raum ist für das Stadtbild eine wichtige richtungweisende Aufwertung. Denn mit dem Erweiterungsbau ist eine weitere beispielhafte Symbiose aus alten und neuen Bauen entstanden die zukünftig ihre Fortsetzung im städtischen Gesamtraum erfahren sollte bzw. wird! Die Revitalisierung des denkmalgeschützten Gebäudes sowie seine neue moderne Nutzung stärken den Ort auch für die Zukunft.