Denkmalschutz

 

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Kalender "Denkmal des Monats 2012"

Der Limps Turm ist Denkmal des Monats Februar 2012, Lichtturm mit Camera Obscura

Es ist soweit. Zum 12. Mal liegt der Kalender „Denkmal des Monats“ der Arbeitsgemeinschaft Historische Stadtkerne in Nordrhein-Westfalen in einer limitierten Auflage vor. Die Stadt Arnsberg präsentiert sich im Februar 2012 mit dem ehrgeizigen und sehr spannenden Projekt „Limps Turm“, vom Wehrturm aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts zum Lichtturm mit Camera Obscura und der Technik des 21. Jahrhunderts. Selten treffen zwei extreme aufeinander, denn die schwere Turmhülle wird symbolisch transparent. Der Turm kehrt sich also um, früher als Gefahrenabwehr und Schutz, heute offen und durchlässig. Darüber hinaus muss in Zukunft der Limps Turm als Gesamtkunstwerk begriffen werden. Als begehbare Kamera – Camera Obscura – indem - mittels modernster Technik - die Außenwelt nach innen gespiegelt wird. Seine neue Funktion wird durch einen Lichtstrahl in den Abendhimmel auch nach außen erfahrbar. Durch die Kombination aus historischer Bausubstanz und moderner Technik entsteht nicht nur eine deutliche Zäsur, sondern auch eine neue Nutzung im historischen Kontext, eine Symbiose aus Historie und Moderne.

Der fünfgeschossige, halbrunde Mauerturm aus Bruchstein mit verschieferter Kegelhaube gehörte ursprünglich zur Stadtbefestigung der Oberstadt, die sich nach dem Bau der Grafenburg auf dem Schlossberg (um 1100) auf der südlich vorgelagerten Geländeterrasse vor der Vorburg entwickelt hat. Es ist davon auszugehen, dass bis ca. 1190 der Bereich bis zum Glockenturm aufgesiedelt worden ist. Die erste Sicherung erfolgte durch einen Holz-Erde-Wall mit Graben. Diese wurde später durch eine massive Bruchsteinmauer mit Türmen und Toren ersetzt. Somit werden Stadtmauer und Türme der Oberstadt in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts (1200/1240) datiert. Von den Stadttürmen haben sich von der Oberstadt (Altstadt) vier Objekte erhalten. Der Glockenturm (seit der ersten Hälfte des 13. Jh./ heute innerstädtisch), der Grüne Turm, der „Haaken–Turm“ an der Stadtmauer (heute in ein mehrfach umgebautes Wohnhaus integriert/ westlich hiervor befand sich die historische Gerichtsstätte der „freie Stuhl“) und der Limps Turm.

In der Unterstadt sind es noch der Schalenturm in der Gasse Unterm Tempel und der Turm am Landsberger Hof. Alle weiteren Türme und Pforten sind nach dem Stadtbrand 1799 nach und nach abgerissen worden, so zum Beispiel die Klosterpforte (1799/1800) oder der Honekamps-Turm (1895), der an der Ecke Königstraße/Apostelstraße stand.

Seinerzeit wurden die Türme und Tore von den unterschiedlichsten Zünften finanziert, errichtet und verteidigt. So wurde der Limps Turm vermutlich von der Arnsberger Schmiedezunft erbaut und bei Angriffen besetzt und verteidigt. Der Turm ist heute noch ein Zeugnis des Bauens des 13. Jahrhunderts und dokumentiert den Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer. Die Ausrichtung des Turmes erfolgte klar nach seiner Funktion. So bildete er mit der Limps Pforte die Toranlage, durch die man ursprünglich von Westen kommend in die Oberstadt gelangte.

Der Turm hat nichts von seiner ursprünglichen Intention und äußeren Erscheinung verloren. Er wirkt aus der Ferne weiterhin schützend und prägt nach wie vor als Landmarke die Stadtsilhouette. Die von weitem wirkende monumentale Fassade hat lediglich zwei Türöffnungen, die für den Betrachter von Süden und Westen nicht sichtbar sind. Die kleinen Wandöffnungen – Schießscharten – lassen hingegen seine Funktion, als ehemaliger Wach- und Verteidigungsturm, erkennen. Auch seine historische, einfache Grundrissstruktur ist erhalten.

Die topografische Lage ermöglicht es, dass über eine Türöffnung innerhalb der Nordfassade das Untergeschoss direkt von der Bergstraße erreichbar ist. Ursprünglich war dieser Raum für das Wachpersonal vorgesehen und es gab einen direkten Zugang zu den oberen Geschossen. Dieser ist heute nicht mehr gegeben, denn eine Kappendecke jüngeren Datums bildet den oberen Abschluss.

Das darüber liegende Geschoss – 1. Geschoss - wird über eine Treppenanlage aus Bruchstein, die an der Ostfassade errichtet wurde, erschlossen. Die weiteren oberen Geschosse werden von hier aus über eine innere Eichenholztreppe, welche ebenfalls jüngeren Datums ist, erreicht. Die oberen Geschosse wurden ursprünglich als Ausguck-, Flucht-, Verteidigungs- und Pausenraum genutzt. Die Räume werden lediglich über die kleinen Wandöffnungen – Schießscharten – natürlich belichtet und belüftet. Weder die „Soester Fehde“, die Stadtbrände noch die städtebaulichen Veränderungen haben den Limps Turm zerstört, der somit nach wie vor im Arnsberger Stadtbild als markante Landmarke wirkt.

Der Turm diente jedoch nicht nur als Wachturm, sondern im 19. Jahrhundert fanden hier sogar Ziegenböcke ihren Unterschlupf. Von den Preußen wurde der Turm als Stadtgefängnis für leichtere Vergehen genutzt. Beim Stadtbrand von 1847 wären hier beinahe einige Insassen zu Tode gekommen. Schließlich verkaufte die Stadt den Turm, erwarb ihn jedoch vor 1895 wieder zurück und ist auch weiterhin Eigentümerin des Turmes.

In den 1920er Jahren versammelten sich Gruppen der katholischen Jugendbewegung im Turm. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollen hier für kurze Zeit Flüchtlinge aus dem Deutschen Osten gewohnt haben. Der Limps Turm wurde am 03. August 1990 in die Denkmalliste der Stadt Arnsberg eingetragen und wird nach wie vor in die Stadtführungen eingebunden. Seit 2008 erfolgten die Planungen und die Realisierung zur Umnutzung des Turmes als Lichtturm und als Camera Obscura. Hierfür wurden die für die unterschiedlichen Nutzungen erfolgten Einbauten entfernt.

Einzelne, thematische und technisch sehr hochwertige mediale Visionen geben dem Turm in Zukunft seine neue Identität. So wird das Untergeschoss als Multivisions-Raum genutzt. Hier soll zum Beispiel die Arnsberger Stadtgeschichte aufgezeigt werden. Das erste Obergeschoss beinhaltet den Eingangsbereich mit Informations- und Kassenbereich. Das zweite Obergeschoss wird Ausstellungsraum, eine fotografische Galerie mit Bildern einer Camera Obscura. Das dritte Geschoss beinhaltet die Camera Obscura und wird so zum Herzstück des Turmes. Hier befindet sich der Besucher im Innern einer Kamera, in der sich die Außenwelt abbildet. Hingegen wird das vierte Obergeschoss als Wahrnehmungsraum genutzt.

Insgesamt entsteht ein unverwechselbares künstlerisches Raumerlebnis im historischen Kontext, welches nicht nur den Ort prägt, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus die touristische Bedeutung Arnsbergs stärkt und zu einer baulichen „Visitenkarte“ wird. Doch auch der in letzter Zeit nur noch wenig beachtete historische Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer wird durch die neue Nutzung des Limps Turmes seine Renaissance erfahren.

Darüber hinaus zeigt die Umnutzung des Limps Turmes zu einem Lichtturm mit Camera Obscura auf, dass im Zusammenwirken von Kommune und bürgerschaftlichem Engagement (Förderverein Lichtturm-Arnsberg e.V.) nicht nur ein für die Historie der Stadt Arnsberg wichtiges Baudenkmal für zukünftige Generationen erhalten bleibt, sondern dass durch die neue attraktive Nutzung der alte Turm zum kulturtouristischen Ort wird.