Service-Portal

 

Denkmalschutz

 

Anzeige

 

Achtung !

 

Kalender "Denkmal des Monats 2011"

Klassizistische Gartenhäuser und ehemalige Bürgergärten in Arnsberg im neuen Denkmal-Kalender 2011

Mit der Zugehörigkeit zu Preußen wurde Arnsberg ab 1816 Regierungssitz und erlebte mit den nach Arnsberg ziehenden preußischen Beamten eine rege Bautätigkeit. Zwischen 1816 und 1841 entstand - unter der Bauaufsicht des Oberlandesbaudirektors Karl Friedrich Schinkel - um den neu angelegten „Neumarkt" ein preußisches Regierungsviertel.

Entlang der Königstraße wurden, auf sehr kleinen Parzellen, zahlreiche Wohnhäuser für die Beamten gebaut. Als Ausgleich für die kleinen Grundstücke erhielten die Eigentümer die Möglichkeit, die dahinter liegenden Grundstücke bis hinunter zum Mühlengraben hinzuzukaufen. Es entstanden zum Teil lange, zum Steilufer ins Ruhrtal nach Westen sich erstreckende, weitläufige Parzellen. Diese wurden, entsprechend dem Stil und Verständnis der Zeit, gärtnerisch gestaltet und als „grüne Refugien der Freude, Schönheit und Erbauung" oftmals auch mit Gartenhäusern akzentuiert. Die Gartenhäuser wurden ohne trennende Terrassen direkt in den Garten hineingestellt. Der Zusammenprall zwischen streng gestaltetem Menschenwerk und sich frei entwickelnder Natur ist heute noch an dem vorhandenen Ensemble erlebbar.

Um die zwei Gartenhäuser mit ihren Gärten zu erhalten und zu revitalisieren, hat die Stadt Arnsberg die Parzellen im Jahre 2005 erworben. Auf der Grundlage einer Untersuchung zur Geschichte und zu den Entwicklungsmöglichkeiten des Ensembles sowie einer Freiraumplanung des Büros SCAPE (Düsseldorf) wurde dieses Projekt mit Unterstützung des LWL -  Amt für Denkmalpflege in Westfalen, der Stiftung „Lebendige Stadt" und der Handwerkskammer Südwestfalen sowie zahlreicher privater Unterstützer realisiert. Die Gartenhäuser wurden zwischen April und Dezember 2008 fach- sowie denkmalgerecht saniert und vom LWL zu Denkmälern des Monats Juli 2008 gewählt. Der erste Bauabschnitt der Gärten wurde in der Zeit von Juli bis September 2009 umgesetzt und die neu gestalteten Bürgergärten am „Tag des offenen Denkmals" feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Bereits ein Jahr nach der Übergabe gründete sich der Förderverein Bürgergärten e.V.

Nicht nur die Tatsache, dass beide Gartenhäuser seit 1983 unter Denkmalschutz stehen, sondern auch der hohe Anspruch, ihr Erscheinungsbild und ihre engere Umgebung so zu erhalten, dass die Baudenkmäler ihre historische Aussage als Dokument der Zeitgeschichte unbeeinträchtigt vermitteln können, wiesen dem Denkmalschutz für das Projekt eine wesentliche Aufgabe zu. Durch die Neuanlage des Ensembles wurde die Aufenthaltsqualität erhöht und die romantisch-landschaftliche Gartengestaltung des frühen 19. Jahrhunderts erhalten.

Das Gartenhaus „Twiete 6" ist vermutlich zwischen 1830 und 1850 errichtet worden und gehörte zum Wohnhaus Königstraße 24. Hingegen wurde das ältere der beiden Gartenhäuser, „Twiete 8" zwischen 1822 und 1830 errichtet und gehörte zum Wohnhaus Königstraße 28 (heute 36).

Beide Gartenhäuser haben eine klare Ausrichtung entsprechend der vorhandenen Geländetopografie und sind direkt an die Hangkante gebaut. Dies ermöglichte eine Unterkellerung mit ebenerdigem Zugang von Außen. Die Kellerräume dienten als Abstellraum und auch als Weinkeller. Neben den Aufbewahrungs- und Abstellmöglichkeiten wurden die Gartenhäuser auch für gesellschaftliche Veranstaltungen, zum Beispiel für Empfänge nach dem Kirchgang, genutzt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag traf man sich hier mit Freunden zu einem vergnüglichen Abend. Zwischenzeitlich wurde das Gartenhaus „Twiete 8" sogar als Wohnhaus des Gärtners genutzt.

Die Architektur der Gartenhäuser zeichnet sich auch heute noch durch seine Einfachheit und Symmetrie aus. Sie ruhen auf einem massiven Sockel und haben eine mit Sauerländer Schiefer beschlagene Fachwerkkonstruktion die an der Nord-, Süd- und Westfassade mit großen Fenstern versehen wurde. Diese laden zum Blick „ins Grüne" ein. Hierbei sollte durch klare Ein- und Ausblicke ein „Verschmelzen" von Nutzer und Betrachter mit der Natur erreicht werden. Die Gebäudeeingangstür ist jeweils an der Ostfassade zentral angeordnet und über Blockstufen erreichbar. Der Gebäudezugang orientiert sich am jeweiligen Garten und dem dazugehörigen ehemaligen Wohnhaus. Die Eingangssituation des Gartenhauses „Twiete 6" wird auch heute noch durch einen an den Barock angelehnten, vorgesetzten Ziergiebel aus Holz mit einfachem Pilaster akzentuiert. Nach neuesten baukonstruktiven Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die Portalkonstruktion erst viel später vorgebaut wurde. Die Untersuchung zeigte auch auf, dass die Portalkonstruktion gerade an die vorhandene Fassade gesetzt wurde und im Laufe der Zeit, wie übrigens das gesamte Gebäude, in Schieflage geraten ist. Das „schiefe Bild" wurde erhalten, doch ein weiteres Absinken des Gebäudes durch den Einbau von zwei Stahlrahmen verhindert. Diese dienen auch als Funktionsträger für die Stromversorgung und das Licht.

Durch die heutige puristische Innenraumgestaltung der Gartenhäuser wird eine flexible Nutzbarkeit ermöglicht.

Mit der Wiederherstellung der klassizistischen Gartenhäuser und ehemaligen Bürgergärten in mehreren Bauabschnitten wurden die ursprünglichen Gestaltungsabsichten neu interpretiert. In dem neu entstandenen großzügigen Garten und der anschließenden Waldkulisse bilden die Gartenhäuser nach wie vor  ein „point de vue". Rampen erschließen die westlichen Kellerräume der Gartenhäuser und Serpentinenwege führen in Zukunft den Hang in Richtung Mühlengraben hinunter.

Die ursprünglichen Gartenparzellen sind heute durch Hecken akzentuiert und der dichte Baumbestand an der Hangkante wiederhergestellt. Der Garten entlang des Weges Twiete präsentiert sich offen und repräsentativ, der hintere Garten erhielt, entsprechend seines historischen Vorbildes, eine extensive Gestaltung mit wenigen Wegen, Rasenflächen, Ziersträuchern und Staudenbeeten. Gartenbänke laden die Besucher heute zum Verweilen ein.

Im ersten Bauabschnitt wurde ein Zugang in die heutige Parkanlage im Bereich Twiete geschaffen. Ein weiterer wird im Bereich des Mühlengrabens erfolgen. Mit der Öffnung der südwestlich gelegenen Brücke wird die Gartenanlage an den Uferweg und damit an den RuhrtalRadweg angeschlossen. Darüber hinaus sind in Zukunft besondere Orte wie eine Aussichtsplattform geplant.

Nähere Informationen erhalten Sie hier

Besuchen Sie auch die Internetseite des Förderverein Bürgergärten e.V.