Klassizistische Gartenhäuser und ehemalige Bürgergärten

Gesamtanlage mit viel Engagement fertiggestellt.

Fast fünf Jahre nach der Eröffnung der Bürgergärten mit ihren vielfach prämierten, denkmalgerecht restaurierten klassizistischen Gartenhäusern hat die Stadt Arnsberg nun den 2. Bauabschnitt der Bürgergärten fertigstellen können.

Im Rahmen eines vom Förderverein Bürgergärten e. V. ausgerichteten Festes am Sonntag, dem 6. April 2014 übergab Bürgermeister Hans-Josef Vogel den Garten offiziell an die Öffentlichkeit.
In diesem Rahmen wurde auch ein drittes, kleines Gartenhäuschen mit einem Gewicht von gut 500 kg auf ein vorgefertigtes Fundament gesetzt.

Alle Bürgerinnen und Bürger sind ab jetzt eingeladen, sich vor Ort einen Eindruck von diesem neu gestalteten Stück Freiraum in der Stadt zu machen. Dabei lohnt es, sich auch mal auf den Liegen niederzulassen und das plauschige Plätzchen und die Ruhe, die es ausstrahlt, zu genießen.

Ein erster Teilabschnitt wurde der Bevölkerung am "Tag des offenen Denkmals", dem 13. September 2009 zur Nutzung übergeben.

Für den 2. Teil der Bürgergärten konnte die Stadt im Rahmen des Programms "Städtebaulicher Denkmalschutz" 80 % der insgesamt aufzuwendenden Mittel in Höhe von rund 155.000 € als Fördergelder einwerben. Bereits 2013 war die Fußgängerbrücke über den Mühlengraben, die jetzt eine barrierearme Anbindung des RuhrtalRadweges an den Neumarkt sicherstellt, instand gesetzt worden. Neben einem dem Mühlengraben begleitenden Weg auf der unteren Ebene gibt es verschiedene neue Wege im Gelände sowie ein Aussichtsplateau mit Blick über das Ruhrtal. Alte und neue Obstbäume, ein großes Stauden- und Rosenbeet, Sitzgelegenheiten und ein Bouleplatz ergänzen die Anlage in hervorragender Weise.

Historisch einmaliger Bereich in Alt-Arnsberg

Mit der Zugehörigkeit zu Preußen ab 1816 wurde Arnsberg Regierungssitz und erlebte mit den nach Arnsberg ziehenden preußischen Beamten eine rege Bautätigkeit. So entstand unter der Oberaufsicht des königlichen Hofarchitekten Karl Friedrich von Schinkel zwischen 1816 und 1841 rund um den neu angelegten Neumarkt ein preußisches Regierungsviertel "à la Berlin".

Als Kompensation für die schmalen Grundstückszuschnitte entlang der Königstraße erhielten die Eigentümer der dort errichteten Bürgerhäuser die Möglichkeit, die dahinter liegenden Flurstücke bis hinunter zum Mühlengraben hinzuzukaufen. Diese Grundstücke wurden gärtnerisch gestaltet und als "grüne Refugien" der Freude, Schönheit und Erbauung häufig mit Gartenhäusern ausgestattet.

Während die Wohnhäuser im Stil des an Schinkel orientierten preußischen Klassizismus erbaut wurden, bilden die Gartenhäuser ein eigenständiges baukünstlerisches Element im Garten und entsprachen damit der zeitgenössischen Auffassung von Architektur. Mit der sich anschließenden Waldkulisse sollten die Gartenhäuser für den Betrachter eine romantische Kulisse suggerieren.

Gartenhaus "Twiete 6"

Das vermutlich zwischen 1830 bis 1850 erbaute Gartenhaus ist durch seine aus dem Barock entlehnte Form und der später vorgesetzten Ziergiebel samt Pilasterrahmung besonders hübsch und der mündlichen Überlieferung nach schon immer schief anzusehen. Auf seinem massiven Sockel steht die mit Sauerländer Naturschiefer beschlagene Fachwerkkonstruktion, die, nach Norden, Süden und Westen mit großen Fenstern versehen, seit je her zum Blick in die Landschaft einladen.

Das Gartenhaus gehörte zum Wohnhaus Königstraße 24 und wurde bereits in den 1930er Jahren saniert und schließlich 1983 unter Denkmalschutz gestellt. Es wurde früher für gesellschaftliche Veranstaltungen, z. B. für Empfänge nach dem Kirchgang, genutzt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag traf man sich hier mit Freunden zu einem vergnüglichen Abend, wobei der Kellerraum auch als Weinkeller diente.

Gartenhaus "Twiete 8"

Das ältere der beiden Gartenhäuser, auch "Gartenhaus der armen Schulschwestern" genannt, wurde zwischen 1822 und 1830 im klassizistischen Stil errichtet. Als verkleinerte Kopie der Häuser an der Königstraße gehörte es zu dem Wohnhaus Königstraße 28 (heute 36). Das durch ein Krüppelwalmdach beschützte Fachwerkgebäude steht auf einem massiven Sockel und besitzt nach Norden, Süden und Westen verschieferte Seitenwände. Eine zweiflügelige Tür öffnet sich zum umliegenden Garten.

Bis zu seiner Restaurierung diente das Gartenhaus, das 1983 unter Denkmalschutz gestellt wurde, als Wohnhaus des Gärtners, der Lagerung von Gartengeräten und als Freizeithaus. Es stand in einem extensiv gestalteten Landschaftsgarten, wobei die Lage des Hauses nicht zufällig gewählt wurde. Vielmehr sollten klare Ein- und Ausblicke ermöglicht und ein "Verschmelzen" von Nutzer und Betrachter mit der Natur erreicht werden.

Konzept zur Entwicklung und Wiederherstellung der Gärten

Die Wiederherstellung zweier Gärten mit ihren Gartenhäusern soll zum Verständnis von Landschaft und Gartenkultur zu Beginn des 19. Jahrhunderts beitragen. Hierzu hat die Stadt Arnsberg im Jahr 2005 die Grundstücke erworben und auf der Grundlage einer Untersuchung "Historische Gärten und Gartenhäuser am Rande des Klassizismusviertels" in Alt-Arnsberg (pdf, 3.195 KB) durch das Büro scape, Landschaftsarchitekten aus Düsseldorf die Gartenhäuser zwischen April und Dezember 2008 fach- und denkmalgerecht restauriert.

Bei zwei Baustellenbesichtigungen unter dem Titel "Alles hat seine Zeit ..." konnten sich am 29. Juli 2008 und 12. August 2008 über 100 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den Fortgang der Restaurierungsarbeiten informieren.

Im Juli 2008 wurden die beiden Gartenhäuser darüber hinaus vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zu Denkmälern des Monats gewählt. "Sie waren nicht zum Bewohnen gedacht, sondern dienten einst der privaten Erholung. Es sind kleine Bauten, in denen man auch schon an warmen Frühlingstagen zu Kaffee und Kuchen oder anderem zusammenkommen konnte", so LWL-Denkmalpfleger Dr. Oliver Karnau.