Zukunft Alter in der Stadt Arnsberg

Hans-Josef Vogel/ Marita Gerwin

Zukunft Alter in der Stadt Arnsberg

-Idee und Beispiele-

Die Stadt Arnsberg verfolgt seit einigen Jahren im Schulterschluss mit Politik, Verwaltung, Institutionen und Bürgerschaft das Ziel, den demographischen Wandel mit all seinen Facetten und Themenfeldern offensiv und innovativ zu gestalten.

Ein Arbeitsfeld beinhaltet den Bereich "Leben im Alter". Hierzu hat die Stadt Arnsberg eine Koordinationsstelle in der Stadtverwaltung eingerichtet:

Die Koordinationsstelle "Zukunft Alter in Arnsberg".

Diese Stelle ist verantwortlich für die Konzeptentwicklung, Steuerung und Vernetzung der Aktivitäten, Projekte und Initiativen im Rahmen des Themenfeldes. Sie bündelt und strukturiert Entwicklungen zur Veränderung des Altersbildes und erschließt neue Verantwortungsrollen und Netzwerksysteme für Bürgerinnen und Bürger in der zweiten Lebenshälfte.

Die Senioren-Generation hat ein unschätzbares Kapital: ZEIT

Wie wir aus vielen Projekten wissen, haben die Älteren Lust, diese neu gewonnene Zeit sinnvoll zu

nutzen, um Neues zu lernen, Erfahrungen und Wissen weiter zugeben,

um sich in Wirtschaft und Gesellschaft zu engagieren- zum Wohle der eigenen Stadt.

Es gilt nun, Ideen zu entwickeln, Kooperationspartner ins Boot zu holen und Institutionen von Grund auf für das Engagement der älteren Generation zu öffnen.

Das Potenzial der Älteren muss im Interesse der Älteren selbst und im Interesse der Gemeinschaft aktiviert werden. Denn wir benötigen in Zukunft mehr denn je Menschen, die Verantwortung übernehmen, zum Beispiel

 

  • um Kinder und Jugendliche stark zu machen
  • um Familien/ Alleinerziehende und auch hochbetagte Menschen zu unterstützen
  • um die Integration ausländischen Familien zu erleichtern
  • um beim Start in den Beruf zu begleiten
  • um lokale Bündnisse für alle Generationen zu entwickeln
  • um den Dialog der Generationen anzuregen
  • um allgemein bildende Schulen und Berufskollegs in Ihrem Bildungsauftrag zu stützen und zu stärken
  • um Netzwerkstrukturen für ein besseres Leben mit Demenz zu entwickeln.
  •  

Wir suchen Großväter, "Ersatzopas und –Omas", die Zeit zum Spiel, zum Vorlesen haben, Geduld, Muße und die nötige Ruhe mitbringen. Sind das nicht wunderbare Aufgaben für ältere Menschen?

Junge starke selbstbewusste Menschen sind unsere Zukunft! Sie auf Ihrem Lebens- und Berufsweg zu begleiten und zu unterstützen bedeutet für viele ältere Menschen eine sinnerfüllte Aufgabe in der Lebensphase des Alters.

Wir müssen eigentlich nur die Türen für eine konstruktive Zusammenarbeit öffnen! Dafür bieten die unterschiedlichsten Kooperationsprojekte vielfältige Chancen und Möglichkeiten.

Wir benötigen langfristig verstärkt außerfamiliäre Entlastungsfaktoren, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie/ Kindererziehung aber auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege hilfsbedürftiger Angehöriger "in den eigenen vier Wänden" wieder möglich machen!

Auch junge Familien, Alleinerziehende sind vielfach auf die Unterstützung bei der Kindererziehung und Versorgung des Nachwuchses angewiesen.

Das tut beiden Seiten gut! Im Alter gebraucht zu werden, gefragt zu sein ist ein unschätzbares Gut. Es bedeutet: Mitten im Leben zu stehen! Andererseits ist der Umgang mit älteren Menschen für viele Kinder und Jugendliche neu und unbekannt, denn wer hat schon seine Großeltern in der Nähe und pflegt diese Kontakte?

Wir benötigen in der Zukunft mehr denn je auch Paten und Partnerschaften für die hilfsbedürftigen und hoch betagten Menschen in unserer Stadt, die auf die Unterstützung angewiesen sind. Könnten das nicht auch Aufgaben sein, die junge Menschen als Solidarität zu älteren Menschen übernehmen möchten?

Ziel ist es, dass sich in Arnsberg Junge für Ältere einsetzen und Ältere für Junge wieder Verantwortung übernehmen.

Um dieses Ziel zu erreichen sind in einer Kommune Alle gefordert:

Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, Institutionen, Vereine und Verbände, Freie Träger der Wohlfahrtspflege, Kirchengemeinden, Schulen, Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Wirtschaft, Gewerkschaft, Industrie, Politik und Verwaltung. Dazu brauchen wir Menschen, die geeignete Konzeptionen, Methoden und Strukturen für eine konstruktive Zusammenarbeit unterschiedlichster Partner kreativ miteinander entwickeln.

Seit einigen Jahren beeinflussen wir durch die offene Form des Umgangs mit allen Themen des Alters den gesellschaftlichen und kulturellen neuen Umgang als zivilgesellschaftliche Aufgabe.

In den Städten des langen Lebens ist an der Zeit, das Bild und die Rolle des Alters in der Gesellschaft neu zu definieren.

Es ist falsch, Alter nur als ein "Verlustpaket" zu betrachten, zumal in vielerlei Hinsicht die Potenziale und Gewinne dominieren. Nicht das Altern an sich ist ein Problem, sondern die Verhaltenserwartungen der Umwelt: "wie Alter ist" oder "wie Alter zu sein hat". Immer noch herrschen Vorstellungen wie: ein gewisser Egoismus, einer auf die individuelle Selbstverwirklichung ausgerichtetes Leben, etc. vor.

Oder man redet vom "verdienten Ruhestand" und meint "altes Eisen".

Die Realitäten sprechen eine andere Sprache: Alter übernimmt Verantwortung und zeigt soziales Engagement. Ältere sind vielfach der Motor in den Projekten, Vereinen und Initiativen, stärken und stützen Kinder, Jugendliche, Familien, Alleinstehende, ausländische MitbürgerInnen, hilfsbedürftige und hochbetagte Menschen in unserer Stadt.

Ältere sind Gebende- und nur im Bedarfsfall auch Nehmende! Nicht selten liest man auf einem Button eines flotten "Flitzers" eines jungen Menschen den Spruch: "gesponsert bei Oma!" Ein Bild für die freiwillige Umverteilung in Familien von den Älteren zu den Kindern und Enkelkindern.

Langlebigkeit verpflichtet uns als Bürgerinnen und Bürger, als Politiker, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft- alle Kräfte zu bündeln. Verpflichtet uns aber auch, nicht die gesamte Verantwortung auf, die jüngere Generation abzuwälzen, sondern fordert die Bürgerinnen und Bürger auf, Kompetenzen, Wissen und Erfahrung in die Gesellschaft einzubringen. Langlebigkeit verpflichtet uns, Sorge dafür zu tragen, dass ein "gesundes Altern" von der frühen Kindheit und Jugendzeit an möglich ist. Ein gesundes Altern ist ein lebenslanger Prozess und eine lebenslange Aufgabe des Einzelnen und der Gesellschaft- damit Alter eine Zukunft hat und nicht auf ein negativ besetztes Altenbild reduziert wird.

Das können wir uns im demographischen Wandel nun tatsächlich nicht leisten!

Wir wollen eine soziale Stadt bleiben, in der die vorhandenen Netzwerkstrukturen "Früchte tragen" und ausgebaut werden. Wir brauchen dazu alle Generationen, damit die Menschen - ob jung oder alt - die Solidarität und Unterstützung erfahren, die sie benötigen.

Hier gilt es Netzwerke zu entwickeln und weiter auszubauen, die die Lebenssituationen und Lebensqualitäten der Bürgerinnen und Bürger bis zum Lebensende entscheidend verbessern.

Zukunft Alter

An dieser Stelle werden vier Kernpunkte am Beispiel Arnsberg genannt:

1. Selbstbestimmtes und sicheres Wohnen im Alter ermöglichen

Zunächst geht es um ein selbstbestimmtes und sicheres Wohnen im Alter. Wir werden in Arnsberg die Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft, mit Initiativen und Investitionen und Projektentwicklern, mit den Bürgerinnen und Bürgern und der Handwerkskammer weiter entwickeln. Wir wollen bürgerschaftlich Engagierte gewinnen, die alternative Wohnformen und Konzepte für die Zukunft mit entwickeln und in der Praxis mittragen. Planungswerkstätten, Bürgerforen, Stadtteil-Marketing-Prozesse und Bürgerbefragungen/ zum Thema: " Wie möchtest Du leben, wenn Du älter bist? und Bürgerpanels zum Thema "Wohnen in Arnsberg" bilden seit Jahren die Grundlage der Planungen.

Dabei stehen auch innovative Wohnformen für Menschen mit Demenz und Alzheimererkrankungen im Fokus der örtlichen Planungen. Ein Beispiel: Das Modellprojekt "Memory- Haus" als Wohnform für Menschen mit Demenz und ihre gesunden Partner, ist in einer Planungswerkstatt in den vergangenen Jahren entwickelt und im Juni 2006 eröffnet worden.

In Arnsberg kooperieren wir mit allen Dienstleistern, Organisationen, Krankenhäusern etc., um ein lokales Bündnis für Familien zum Thema: "Gemeinsam für ein besseres Leben mit Demenz" etablieren.

2. Barrieren abbauen und Teilhabe der älteren Generation ermöglichen

Den in Arnsberg eingeleiteten Perspektivwechsel vom Defizitmodell hin zum Potenzialmodell des Alters werden wir weiter fortführen. Die politische Kommune und die Bürgerkommune werden neue Verantwortungsrollen für die ältere Generation bereitstellen. Hier sind wir mit dem Konzept des dezentralen Seniorenbeirates und seiner themenorientierten Arbeitskreise mit über 100 aktiven Bürgerinnen und Bürgern auf einen zukunftsorientierten und ausbaufähigem Weg.

Um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bis ins hohe Alter sicher zu stellen, bedarf es des lebenslangen Lernens. Wir unterstützen fünf dezentrale Standorte mit ca. 60 Multiplikatoren und ca. 500 Nutzern im Bereich der Vermittlung von Medienkompetenz für Ältere (PC- Clubs, Senioren Online, Internet-Cafes)

3. Möglichkeiten schaffen, die Kraft des Alters öffentlich wirken zu lassen

Eine stärkere Beteiligung der älteren Generation in und für alle öffentlichen Bereiche ist das Ziel unserer Arbeit. Wir müssen in Verwaltung und Politik die Älteren wie die Jüngeren ständig zum mitdenken und mithandeln auffordern und ermuntern.

In diesem Zusammenhang kann ein außergewöhnliches Kooperationsprojekt zum Thema: "Wissen- Können- Handeln- Generationen verbinden" beispielhaft erwähnt werden. In dieser Akademie 6 bis 99 für Kinder, SeniorInnen, Jugendliche, Erwachsene ist es möglich, gemeinsam, Generationen verbindend, lebenslang zu lernen.

Es ist ein innovatives, intergeneratives Bildungsprojekt des Berufskollegs Am Eichholz in Arnsberg in Kooperation mit der Koordinationsstelle " Zukunft Alter in Arnsberg".

Weitere Projekte und Aktivitäten sind auf der Internetseite der Stadt Arnsberg einzusehen.

4. Neue Unterstützungssysteme für die Pflege und Versorgung hilfsbedürftiger älterer Menschen

Wir müssen in Zukunft tragfähige Unterstützungssysteme für die Pflege und Versorgung hilfsbedürftiger älterer Menschen schaffen, in denen bürgerschaftlich engagierte Partner und Paten als Entlastungsmomente ergänzend und nicht ersetzend integriert werden. Dabei ist und die sog. "Augenhöhe" zwischen den einzelnen Akteuren besonders wichtig.

In Arnsberg agieren bereits ca. 30 Organisationen gemeinsam als Partner in den unterschiedlichsten Kooperationsformen. Die Entwicklung von Entlastungsstrukturen für pflegende Angehörige und deren Familien stellt für uns eine besondere Herausforderung dar. Wichtig ist uns dabei, dass auch bürgerschaftliche Projekte, wie zum Beispiel die Initiative des Seniorenbeirates der Stadt Arnsberg "Patenschaften von Mensch zu Mensch" als gleichwertige Partner angenommen werden. Qualifizierung, Weiterbildung und Erfahrungsaustausch der bürgerschaftlich Engagierten in diesen Projekten und Initiativen ist für uns Bestandteil des Konzeptes.

In den vergangenen Monaten haben wir in Arnsberg einen sog. "Notfallflyer" herausgegeben, der das Dienstleistungsnetzwerk für Familien beschreibt, in denen hilfsbedürftige Menschen versorgt werden müssen. Ziel ist es, eine bessere Vereinbarkeit zwischen Beruf und Pflege vor Ort zu organisieren und eine Transparenz der Dienstleistungen und Anbieter in der Region zu verbessern. Diese Initiative wird gemeinsam getragen, finanziert und publiziert durch die IHK- Industrie- und Handelskammer für das Südöstliche Westfalen, die Handwerkskammer Arnsberg, den Unternehmensverband Südöstliches Westfalen, den DGB- Deutschen Gewerkschaftsbund, den Seniorenbeirat und der Koordinationsstelle "Zukunft Alter" der Stadt Arnsberg.

Die Broschüre "Seniorenwegweiser für Arnsberg" und die vierteljährlich erscheinende Zeitung SICHT sind nur einige Beispiele für bürgerschaftliche initiierte Projekte der älteren Generation in Arnsberg.

Die Kommune unterstützt selbst organisierte und eigenverantwortliche Präventions-Netzwerke, um entwicklungsfördernde Lebensbedingungen zu schaffen, die Selbständigkeit bis ins hohe Alter gewährleisten. Zur Zeit bestehen in dem Konzept "Zukunft Alter" vierzehn unterschiedlichste Präventions-Projekte mit durchschnittlich 25 bis 30 Teilnehmern.