Maßnahmen zur Erreichung der Ziele der EU Wasserrahmenrichtlinie

Die Ruhr in Arnsberg wird der Bevölkerung zurückgegeben

Am Beispiel der Stadt Arnsberg soll dargestellt werden, was im Sinne der WRRL an Gewässern umgesetzt werden kann. In dieser Hinsicht ist Arnsberg derzeit führend in NRW.
Die Situation an den Gewässern ist vielen Ortens ähnlich, begradigte Flußabschnitte, mit Steinpackungen befestigte Ufer – keine Möglichkeit der eigendynamischen Entwicklung des Gewässers. Dies trifft nicht nur auf die mittleren und größeren Flüsse zu, sondern auch auf kleinere Bäche.

Dadurch geht der Kontakt des Flusses/des Bachs zu umliegenden Auebereichen und der ökologisch sehr wichtige und aktive Übergangsbereich zwischen Wasser und Land verloren.

Bild 1: Ruhr bei Neheim (Binnerfeld)
Bild 1: Ruhr bei Neheim (Binnerfeld)
Bild 2: Kettlerbach bei Bruchhausen
Bild 2: Kettlerbach bei Bruchhausen

Ziel ist es, die Eigendynamik des Gewässers zu fördern, den ökologischen Zustand und die Strukturvielfalt sowie den Hochwasserschutz zu verbessern. Durch die Erhöhung der Strukturvielfalt soll auch dem Fraßdruck des Kormorans begegnet werden. Im Sinne einer ökologischen Verbesserung ist das Gewässer mit den Renaturierungsabschnitten ganzheitlich in seinem Umfeld zu sehen und angepasst an die jeweilige Situation optimal zu verbessern.

Die Karte der Maßnahmen (Bild 3) stellt die umgesetzten (blaue Kreise), die in Bau befindlichen (grüne Kreise) und die noch geplanten Projekte (gelbe Kreise) dar. Mit der Umsetzung erster Maßnahmen wurde 2003 begonnen. Die Maßnahmen dienen einer Verbesserung der Durchgängigkeit und der Strukturgüte der Gewässer. Seit 2009 ist die Ruhr im Stadtgebiet (35 Kilometer Fließstrecke) komplett durchgängig.

Hierzu wurden ein Wehr und mehrere Sohlschwellen entfernt sowie 3 Fischaufstiegsanlagen durch die Stadt errichtet. Private Wasserkraftbetreiber haben ebenfalls 3 Fischtreppen angelegt.

Die Maßnahmen zur Verbesserung der Strukturgüte beinhalten:

  • die weiträumige Aufweitung des Fließquerschnittes durch Abgraben des Vorlandes zur Schaffung einer abwechslungsreich strukturierten Fließgewässerlandschaft
  • die Schaffung von eng verzahnten wassergebundenen, land-wassergebundenen und Land- Lebensräumen durch Anheben der Sohle, Anlegen von Stillwasserbereichen und Flutmulden mit variabel geneigten Böschungen,
  • das Entfernen von Sohl- und Uferverbauungen in Bereichen ohne einschränkende Infrastruktureinrichtungen und den Ersatz von Betonsicherungen durch naturnah strukturierte Schüttsteinpackungen (schlafende Sicherungen)

Hochwasserschutz

Als zweiter wichtiger Aspekt ist der Hochwasserschutz zu nennen. Nach Angaben aus dem „Hochwasseraktionsplan Ruhr“ ist Arnsberg stark von Hochwassern der Ruhr betroffen, mit den entsprechenden Schäden. Die Renaturierungsmaßnahmen leisten aufgrund der Aufweitung des Abflussquerschnitts und der Abflachung der Ufer einen wesentlichen Beitrag zum Hochwasserschutz, insbesondere in den besiedelten Bereichen. 

Dabei wird der Abfluss nicht beschleunigt, sondern eher verlangsamt. Dies hat letztlich auch positive Wirkung auf die Unterlieger, die nicht wie in der Vergangenheit, das Hochwasser immer schneller zu spüren bekamen.

Das Konzept der Stadt sieht vor, zunächst eine ökologische Verbesserung des Gewässers herbei zu führen, um im Anschluss die dann noch erforderlichen technischen Hochwasserschutzmaßnahmen (in Form von Dämmen und Mauern, ggf. auch mobiler Hochwasserschutz) in weit geringerem Umfang durch zu führen.

Maßnahmen an den kleineren Gewässern bieten die Möglichkeit Beschäftigungsinitiativen ein zu setzen. Hier ist aufgrund der Lage und Topographie ein Maschineneinsatz in größerem Umfang nicht sinnvoll und notwendig.

Finanzierung

Die Finanzierung erfolgt zu:

  • 80 % aus Mitteln der Abwasserabgabe im Rahmen des „Aktionsprogramms zur naturnahen Entwicklung der Gewässer 2. Ordnung in NRW“
  • 20 %  Eigenanteil der Stadt (Refinanzierung durch Ökokonto der  Stadt)

 

Resonanz in der Bevölkerung

Neben den ökologischen Verbesserungen und dem Hochwasserschutz spielt auch die Thematik „Erlebbarmachen des Flusses“ für die Bevölkerung (Naherholung) und ggf. Freizeitnutzung (Tourismus, RuhrTalRadweg) eine große Rolle. Dabei kommt es darauf an, die Bevölkerung „mit zu nehmen“ und neue, spannende Situationen zu schaffen.

Aus den bisher durchgeführten Maßnahmen lassen sich einige grundlegende Vorgehensweisen darstellen, die zum Gelingen und Akzeptanz in der Öffentlichkeit beitragen.

Eine Beteiligung aller Betroffen (Anwohner, Träger öffentlicher Belange, Angler, Naturschutz usw) zu Planungsbeginn, spätestens jedoch deutlich bevor die wasserrechtliche Genehmigung beantragt wird, ist ein wichtiger Punkt. Die sich hieraus ergebenden Anregungen und Hinweise sollten (soweit möglich) in die Planung mit einbezogen werden.

Zum Beispiel war bei einer innerstädtischen Maßnahme vorgesehen, eine Wiesenfläche als nur im Hochwasserfall anspringende Umflutmulde auszubilden, in der sich temporäre stehende Tümpel entwickeln konnten. Hier gab es deutlichen Widerstand aus der Bevölkerung, da dort Brutstätten für Mücken gesehen wurden. Der Abschnitt wurde umgeplant und ein durchflossener Seitenarm angelegt.

Die Angelvereine haben in Arnsberg das Problem geringer Wasserführung in Ausleitungsstrecken in den Sommermonaten. Von daher wurden Maßnahmen in diesen Bereichen kritisch gesehen und es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit die Vorteile der renaturierten Strecken darzustellen. Angler wurden daher nicht nur bei der Planung beteiligt, sondern hatten auch die Möglichkeit während der Bauzeit z. B. Einfluss auf die Ausbildung von Kolken oder das Einbringen von Totholz zu nehmen:

Die Arnsberg Kommunalpolitik hat die Maßnahmen von Beginn an unterstützt, da mehrere Synergien (vorrangig Hochwasserschutz) erzielt werden konnten.

Von großer Bedeutung für die reibungslose Durchführung der Maßnahmen ist das Zusammenspiel zwischen Maßnahmenträger, Aufsichtsbehörde und Fördergeber. Alle Projekte wurden in enger Abstimmung durchgeführt. Dabei kam das Interesse eines jeden Mitwirkenden fördernd zur Geltung. Mit einbezogen wurden jeweils die Repräsentanten der Behörden, damit auch dort die positive Wirkung präsent war.

All dies, in Verbindung mit der deutlich veränderten Flusslandschaft, führte in Arnsberg dazu, dass ein neues positives Bewusstsein für die Ruhr anstand. Ein Großteil der Bürgerschaft iden-tifiziert sich nunmehr mit dem Gewässer. Dies drückt sich auch in künst-lerischen Projekten im und am Wasser aus (Kunstsommer Arnsberg).

Bild 7: Kunstsommer an der Ruhr in Arnsberg
Bild 7: Kunstsommer an der Ruhr in Arnsberg

Das Kunstprojekt Wächter der Ruhe - Wächter der Ruhr

Bild 8: Ruhrwächter (K. Minkel)
Bild 8: Ruhrwächter (K. Minkel)

Als Beitrag des Großprojektes „Aufruhr“ konzipiert, startete im Rahmen des Arnsberger Kunstsommers 2009 der Beitrag der Werkstattgalerie „Der Bogen“ unter dem Kurztitel „Ruhrwächter“.

Die Arnsberger Bevölkerung ist aufgerufen, Gipsmasken ihrer Gesichter nehmen zu lassen. Diese werden in Beton gegossen und mit Eisengewinde gruppenweise in der Ruhr verortet. Die überwältigend positive Resonanz kurz nach der ersten Publikation der Projektbeschreibung veranlasste den Ideengeber Haimo Hieronymus das Projekt nicht nur für eine Woche, sondern für den Zeitraum eines ganzen Jahres anzulegen. Indes gibt es immer wieder neue Anfragen, obwohl die Abnahme einer Gesichtsmaske dem Einen oder Anderen ein wenig Mut und in jedem Fall etwas Zeit abverlangt.

Bilanz

Das Konzept zur „naturnahen Entwicklung der oberen Ruhr“ sieht für das Stadtgebiet von Arnsberg 39 Maßnahmenpakete vor. Bei der Auswahl der Maßnahmen zur Umsetzung spielen neben der ökologischen Verbesserung der Hochwasserschutz und die Flächenverfügbarkeit eine wesentliche Rolle.

Bis 2009 wurden von den 39 Maßnahmenpaketen 16 umgesetzt, 5 weitere Pakete sind in der Planung bis 2011 und verbleibende 18 Pakete werden zunächst nicht angegangen. Durch Maßnahmen privater Wasserkraftbetreiber und der Stadt ist die Ruhr im Stadtgebiet von Arnsberg durchgängig. Die renaturierten Abschnitte (bis 2009) umfassen eine Gesamtfließstrecke von 5 km und haben Kosten in Höhe von 5.5 Mio € verursacht. Bei den weiteren geplanten Maßnahmen sollen noch 2,4 km (3.1 Mio €) renaturiert werden.

Derzeit werden zusätzlich 2,7 km Gewässerstrecke an kleineren Bächen mit Kosten in Höhe von 5.1 Mio € renaturiert und aufgeweitet. Diese Maßnahmen dienen insbesondere der Verbesserung des Hochwasserschutzes bei Starkregenereignissen.