Hochwasserschutzkonzept für die Ruhr in Arnsberg

Bild Hochwasser an der Ruhr in Arnsberg

Hochwasserschutz ist integrierter Bestandteil der Renaturierungen der Ruhr, die seit 2004 weite Abschnitte der Ruhr in ein naturnahes Gewässer umgewandelt haben. Die Vorgehensweise ist dabei von dem Leitgedanken geprägt, zuerst das Gewässer „natürlich“ zu optimieren und anschließend den ggf. noch erforderlichen technischen Hochwasserschutz umzusetzen. Mit der Optimierung des Gewässers werden gleichzeitig die Anforderungen der EU Wasserrahmenrichtlinie erfüllt, die den „guten ökologischen Zustand“ fordert. Auch sind durch technische Maßnahmen (z. B. in 2008 Hammerweide) erste besonders gefährdete Bereiche geschützt worden.

Das jetzt von der Stadtverwaltung Arnsberg vorgelegte Hochwasserschutzkonzept ist in enger Verbindung mit der Hochwasser Risiko-Management-Richtlinie der EU zu sehen, die das Ziel hat, den Hochwasserschutz in den Mitgliedsstaaten auf ein gleich hohes Niveau zu bringen.

Daher ist es nur folgerichtig, dass sich an die Renaturierungen Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes dort anschließen, wo sie erforderlich sind.

Aus dem Konzept ergeben sich durch Hochwasser gefährdete Bereiche in Hüsten (Teile von Unterhüsten incl. Gewerbegebiet Hüttenstraße und Wagenbergstraße), in Alt-Arnsberg (Muffrika und östlicher Teil der Ruhrschleife von Hellefelder Str. bis Bahnhof) und in Oeventrop (Widay).

Der Hochwasserschutz ist in erster Linie durch die Frage geprägt, wo kommt es zu Schäden und in zweiter, wo kommt das Wasser her. Die Flächen, auf denen Schäden entstehen können, sind auch im bebauten Bereich als Überschwemmungsgebiete ausgewiesen und Bestandteil des Konzeptes. Auf die Frage wo es herkommt, gibt es mehrere Möglichkeiten. Ausgangsquelle für ein natürliches Hochwasser ist Regen oder Schneeschmelze. Als weitere Quelle kann natürlich auch die Kanalisation zu sehen sein, die bei Überlastung und Rückstau zu Überschwemmungen von „hinten“ führt. Auch das ansteigende Grundwasser kann Ursache für Schäden sein.

Daher müssen diese Aspekte bei der Erstellung eines Konzeptes mit gedacht werden.

Der Schutz vor steigendem Grundwasser ist nicht generell zu erreichen und sollte am jeweiligen Bauobjekt erfolgen (z. B. weiße Wanne). Das Thema ist nicht Bestandteil des Konzeptes.

Bleiben als zu berücksichtigende Elemente das Gewässer in Verbindung mit dem Kanal. Damit es nicht zu ungewolltem Einstau landseitig hinter der Hochwasserschutzvorrichtung (Wall oder Mauer) kommt, müssen die Zwangspunkte des Kanalnetzes mit beachtet werden.

Für kurzzeitige Starkregenereignisse, wie wir sie hier in 2007 oder in Münster in 2014 hatten, ist kein Kanalnetz ausgelegt, und es macht auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten keinen Sinn, hier aufzurüsten.

Andere Maßnahmen z. B. die oberflächliche dezentrale Rückhaltung und schadlose Abführung sind die bessere Lösung.

Ziel des integrierten Hochwasserschutzkonzeptes (Gewässer-Kanal) sollte eine optimale Schadensverhütung auch unter wirtschaftlichen Aspekten sein. Daher ist es wichtig, für welchen Hochwasserfall die konkrete Maßnahme greifen soll. Ein umfassender Schutz bedeutet die Errichtung von mehreren teueren Pumpwerken, die bei Regenereignissen während des Hochwassers die Ableitung des Niederschlagswassers in die Gewässer ermöglichen und die das ggf. sich landseitig hinter der Hochwasserschutzvorrichtung sammelnde Wasser über diese hinweg ins Gewässer pumpen. Oder man lässt diesen „worst case“ zunächst unbeachtet und nimmt einen geringeren Schutzstatus (ohne Pumpwerke) an. Dies sollte als erster Schritt der Umsetzung des Konzeptes bei einer vergleichenden Planung für den am stärksten betroffenen Ortsteil Hüsten gegenüber gestellt werden.

Bei Planung und Umsetzung der konkreten Maßnahmen werden alle Betroffenen beteiligt. Weitere Informationsveranstaltungen über konkrete Maßnahmen werden zukünftig angeboten.

Das Hochwasserschutzkonzept wird im Bezirksausschuss Oeventrop, Bezirksausschuss Arnsberg, Bezirksausschuss Hüsten, dem Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt sowie dem Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt und beraten.

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