Bauen in der Gemeinschaft - Baugruppen in Arnsberg

"Werdener Hof" im Stadtteil entsteht.

Werdener Hof - Animation
Das gemeinschaftliche Bauen und Wohnen erfreut sich in den letzten Jahren in ganz Deutschland wachsender Beliebtheit und äußert sich in verschiedenen Varianten. Neben gemeinschaftlichen Wohnprojekten, wie in Arnsberg der Verein GIA, sind vor allem für junge Paare und Familien Baugruppen und Baugemeinschaften eine zunehmend attraktive Form, um Wohneigentum zu bilden. Gerade in Großstädten werden sie aktiv durch die Kommunen unterstützt (z.B. in Berlin und Hamburg), da sie eine interessante Variante für Menschen darstellen, die individuell gestaltete Wohnungen in einer lebendigen Nachbarschaft zu erschwinglichen Preisen wünschen. Wesentliches Merkmal von Baugruppen ist eine gemeinschaftliche Vorgehensweise bei Planung, Ausschreibung und Bau, wodurch Kostenvorteile für die Baugruppe entstehen. Wert gelegt wird in der Regel auf die Gemeinschaftsbildung, architektonische Gestaltung, Energieeffizienz sowie ökologische und barrierearme Bauweise.

 

Gerade junge Familien mit Kindern können sich durch Baugruppen den Wunsch nach Wohneigentum erfüllen und in der Stadt gehalten oder zum Zuzug bewegt werden. Die gemeinsame Vorgehensweise in einer Baugruppe verspricht Kostenvorteile und ein Leben in "guter Nachbarschaft" mit entsprechenden Unterstützungspotentialen (z.B. bei der Kinderbetreuung) bei einer zugleich modernen, anspruchsvollen Gestaltung. Damit stellen Baugruppen eine zukunftsorientierte Wohnform dar, die von Seiten der Stadt Arnsberg ausdrücklich begrüßt wird. Sie entspricht den im Handlungskonzept "Zukunft Wohnen in Arnsberg" im Rahmen des Stadtentwicklungsprogramms (STEP) gesetzten Zielen, Arnsberg als Wohnstandort zu profilieren und attraktive neue Wohnkonzepte zu schaffen, die sich verändernden Lebensstilen gerecht werden. Baugemeinschaften und Baugruppen werden daher von Seiten der Stadt Arnsberg über den Fachbereich Planen|Bauen|Umwelt soweit möglich begleitet und unterstützt.

 

Baugruppe "Werdener Hof"

Werdener Hof - Animation
Als erstes Projekt in Form einer Baugemeinschaft mit vier Wohneinheiten befindet sich in Arnsberg seit Ende 2010 der "Werdener Hof" an der gleichnamigen Straße im Stadtteil Neheim in der Planung. Der Baubeginn wird für Anfang 2012 angestrebt. Initiator der Baugruppe ist ein Architekt, der gemeinsam mit Gleichgesinnten selbstgenutztes Wohneigentum errichten und nachbarschaftlich wohnen möchte. Zugleich wird er die architektonischen Entwürfe entwickeln und die Bauleitung übernehmen. Sollte sich die Vorgehensweise bewähren, kann die Baugruppe eine Vorbildfunktion für die zukünftige Entwicklung von Wohneigentum in Arnsberg einnehmen.

 

Gemeinsam mit der Stadt Arnsberg wurde ein städtisches Grundstück an der Straße "Werdener Hof" aufgrund der Größe, des Zuschnitts, der Lage und der Verfügbarkeit als besonders geeignet für das Projekt identifiziert. Von Seiten der Stadt wird die Baugruppe über die Bereitstellung dieses Grundstücks zum Marktpreis und die Schaffung der notwendigen planungsrechtlichen Grundlagen unterstützt. Für Letzteres wurde der Bebauungsplan - der das Baugrundstück zuvor für die Verwirklichung eines Altenpflegeheims freigehalten hatte - im ersten Halbjahr 2011 geändert.
Für das zu realisierende Projekt wurden weiterhin von Stadt und Baugruppe gemeinsam folgende Qualitäten abgesteckt, die im Rahmen der Umsetzung erreicht werden sollen, um den Anforderungen an eine besondere Wohnform gerecht zu werden:

 

  • Gemeinsam Bauen: Durch das selbstorganisierte Vorgehen in der Gruppe sollen Kosteneinsparungen entstehen, die Spielräume für besondere Qualitäten in der Umsetzung eröffnen. Das gemeinschaftliche Vorgehen soll zudem dazu beitragen, eine gute Nachbarschaft innerhalb der Baugruppe auszubilden.
  • Gemeinsames Energiekonzept und nachhaltiges Bauen: Angestrebt wird ein - bezogen auf den Lebenszyklus der Gebäude - ressourcenschonendes Bauen. Dazu gehört der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen, ein gemeinsames Energiekonzept unter Einbezug erneuerbarer Energien und der Verzicht auf synthetische Wärmedämmverbundsysteme bei trotzdem hoher Isolierung. Das Gebäude soll in einer Holzrahmenbauweise errichtet werden.
  • Einheitliche und anspruchsvolle Architektursprache: Unter Einbezug individueller Wünsche soll ein einheitliches, anspruchsvolles und zeitgemäßes Architekturbild entstehen. Der Übergang zwischen öffentlicher Grünfläche und privaten Gärten soll qualitätvoll gestaltet werden und nicht zu einer Abschottung führen.
  • "Universelles Design": Die Wohneinheiten innerhalb der Baugruppe sollen auch bei sich verändernden Lebenslagen ihrer Bewohner (z.B. bei körperlichen Einschränkungen) für diese gut nutzbar bleiben. Daher sollen, soweit dies in der Wohnform des Einfamilienhauses unter vertretbarem Aufwand möglich ist, Aspekte der Barrierefreiheit von vornherein mitbedacht werden.

     

    Mit diesen Zielen reagiert die Baugruppe auf die sich verändernden Herausforderungen durch den demographischen Wandel, indem sich im Lebensverlauf verändernde Situationen vorausschauend berücksichtigt werden und zudem eine "gute Nachbarschaft" mit den sich daraus ergebenden gegenseitigen Unterstützungspotentialen angestrebt wird. Vor dem Hintergrund des Klimawandels verdient das angestrebte nachhaltige Bauen besondere Anerkennung. Die vorgesehene einheitliche und anspruchsvolle Architektur würdigt insbesondere die Lage des Gebiets und bereichert das Stadtbild an dieser Stelle.