Klassizistische Gartenhäuser und ehemalige Bürgergärten
Ein historisch einmaliger Bereich in Alt-Arnsberg wurde wiederhergestellt.
Mit der Zugehörigkeit zu Preußen ab 1816 wurde Arnsberg Regierungssitz und erlebte mit den nach Arnsberg ziehenden preußischen Beamten eine rege Bautätigkeit. So entstand unter der Oberaufsicht des königlichen Hofarchitekten Karl Friedrich von Schinkel zwischen 1816 und 1841 rund um den neu angelegten Neumarkt ein preußisches Regierungsviertel "à la Berlin".
Als Kompensation für die schmalen Grundstückszuschnitte entlang der Königstraße erhielten die Eigentümer der dort errichteten Bürgerhäuser die Möglichkeit, die dahinter liegenden Flurstücke bis hinunter zum Mühlengraben hinzuzukaufen. Diese Grundstücke wurden gärtnerisch gestaltet und als "grüne Refugien" der Freude, Schönheit und Erbauung häufig mit Gartenhäusern ausgestattet.
Während die Wohnhäuser im Stil des an Schinkel orientierten preußischen Klassizismus erbaut wurden, bilden die Gartenhäuser ein eigenständiges baukünstlerisches Element im Garten und entsprachen damit der zeitgenössischen Auffassung von Architektur. Mit der sich anschließenden Waldkulisse sollten die Gartenhäuser für den Betrachter eine romantische Kulisse suggerieren.
Die Wiederherstellung zweier Gärten mit ihren Gartenhäusern soll zum Verständnis von Landschaft und Gartenkultur zu Beginn des 19. Jahrhunderts beitragen. Hierzu hat die Stadt Arnsberg im Jahr 2005 die Grundstücke erworben und auf der Grundlage einer
Untersuchung zur Geschichte und zu den Entwicklungsmöglichkeit der Gärten und Gartenhäuser die Gartenhäuser zwischen April und Dezember 2008 fach- und denkmalgerecht restauriert. In mehreren Bauabschnitten werden nun die Gärten gestaltet und der Öffentlichkeit übergeben.
Ein erster Teilabschnitt wurde der Bevölkerung am "Tag des offenen Denkmals", dem 13. September 2009 zur Nutzung übergeben.
Das Gartenhaus "Twiete 6"
Das vermutlich zwischen 1830 bis 1850 erbaute Gartenhaus ist durch seine aus dem Barock entlehnte Form und der später vorgesetzten Ziergiebel samt Pilasterrahmung besonders hübsch und der mündlichen Überlieferung nach schon immer schief anzusehen. Auf seinem massiven Sockel steht die mit Sauerländer Naturschiefer beschlagene Fachwerkkonstruktion, die, nach Norden, Süden und Westen mit großen Fenstern versehen, seit je her zum Blick in die Landschaft einladen.
Das Gartenhaus gehörte zum Wohnhaus Königstraße 24 und wurde bereits in den 1930er Jahren saniert und schließlich 1983 unter Denkmalschutz gestellt. Es wurde früher für gesellschaftliche Veranstaltungen, z. B. für Empfänge nach dem Kirchgang, genutzt. Nach einem anstrengenden Arbeitstag traf man sich hier mit Freunden zu einem vergnüglichen Abend, wobei der Kellerraum auch als Weinkeller diente.
Das Gartenhaus "Twiete 8"
Das ältere der beiden Gartenhäuser, auch "Gartenhaus der armen Schulschwestern" genannt, wurde zwischen 1822 und 1830 im klassizistischen Stil errichtet. Als verkleinerte Kopie der Häuser an der Königstraße gehörte es zu dem Wohnhaus Königstraße 28 (heute 36). Das durch ein Krüppelwalmdach beschützte Fachwerkgebäude steht auf einem massiven Sockel und besitzt nach Norden, Süden und Westen verschieferte Seitenwände. Eine zweiflügelige Tür öffnet sich zum umliegenden Garten.
Bis zu seiner Restaurierung diente das Gartenhaus, das 1983 unter Denkmalschutz gestellt wurde, als Wohnhaus des Gärtners, der Lagerung von Gartengeräten und als Freizeithaus. Es stand in einem extensiv gestalteten Landschaftsgarten, wobei die Lage des Hauses nicht zufällig gewählt wurde. Vielmehr sollten klare Ein- und Ausblicke ermöglicht und ein "Verschmelzen" von Nutzer und Betrachter mit der Natur erreicht werden.
Die ehemaligen Bürgergärten
Mit der Wiederherstellung der ehemaligen Bürgergärten wurden die damaligen Gestaltungsabsichten aus landschaftlichen Stilelementen neu interpretiert. Dabei werden die Gärten in mehreren Bauabschnitten gestaltet und Eingänge im Bereich Twiete und Mühlengraben geschaffen.
Die Gartenhäuser mit ihren Prachtstaudenbeeten definieren die Zielpunkte der Gartenwege. Rampen erschließen die Kellerräume der Gartenhäuser, Serpentinenwege führen den Hang in Richtung Mühlengraben hinunter. Mit der Öffnung der südwestlich gelegenen Brücke soll die Gartenanlage schließlich an den Uferweg und damit an den RuhrtalRadweg anschließen.
Die Gärten wurden durch freiwachsende Hecken gegliedert, die Sichtbeziehungen zu den ehemaligen Wohnhäusern gestärkt und der dichte Waldrand an der Hangkante wiederhergestellt. Dabei wurde auf den vermuteten Charakter der Anlagen besondere Rücksicht genommen: Der Garten entlang des Weges Twiete präsentiert sich offen und repräsentativ, der hintere Garten erhielt eine extensive Gestaltung mit wenigen Wegen, Rasenflächen, Ziersträuchern und Staudenbeeten.
Geplant sind außerdem besondere Orte wie eine Aussichtskanzel mit einem direkten Treppenaufgang von der Brücke oder der Ausbau des Buchenrondells im Bereich des Gartenhauses "Twiete 8" zum Sitzplatz.
Aktuelle Fotos der restaurierten Gartenhäuser finden Sie hier (pdf, 1.100 KB)
Den Aufsatz "Ehemalige Bürgergärten. Die Wiederentdeckung einer städtischen Gartenanlage mit ihren klassizistischen Gartenhäusern durch und für die Bürgerschaft" von Thomas Vielhaber und Birgitta Plass aus der Schriftenreihe der Stiftung Lebendige Stadt können Sie hier (pdf, 2.200 KB) lesen.
Zum Förderverein Bürgergärten e.V. gelangen Sie auf der Internetseite www.bürgergärten.de.







