Selbsthilfe-Was ist das?
Diese Frage wird sehr häufig gestellt.
Eine Befragung in Arnsberg hat gezeigt, dass viele Menschen glauben, dass sich hinter dem Begriff "Selbsthilfe" ausschließlich das Problem der Alkohol- und Drogenabhängigkeit verbirgt.
Sie sehen nicht das weite Spektrum der Selbsthilfe. Bildlich gesehen stellt sich die Bevölkerung unter einer Selbsthilfegruppe oft einen Stuhlkreis vor, in dem Menschen mit Norweger-Pullovern und Birkenstockschlappen zusammensitzen und Probleme wälzen.
Aber ist dies wirklich so?
Auf den nachfolgenden Seiten möchten wir Ihnen einen Einblick in die Arbeit von Selbsthilfegruppen, was Selbsthilfe bewirkt und welche Möglichkeiten es für Sie gibt, geben.
Der Selbsthilfegedanke
- Selbsthilfe bedeutet
- sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen
- Eigenverantwortung zu übernehmen
- gemeinsam mit anderen Betroffenen Probleme zu bewältigen
- die praktischen Erfahrungen gleichfalls Betroffener (für sich) zu nutzen
- eine Ergänzung zu professionellen Hilfsangeboten
- einen wichtigen Bestandteil des Sozial- und Gesundheitssystems
Der Selbsthilfegedanke ist die Grundlage von Selbsthilfegruppen.
Was ist eine Selbsthilfegruppe?
Definition des Fachverbandes Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V.
"Selbsthilfegruppen sind freiwillige, meist lose Zusammenschlüsse von Menschen, deren Aktivitäten sich auf die gemeinsame Bewältigung von Krankheiten, psychischen oder sozialen Problemen richten, von denen sie - entweder selber oder als Angehörige - betroffen sind.
Sie wollen mit ihrer Arbeit keinen Gewinn erwirtschaften. Ihr Ziel ist eine Veränderung ihrer persönlichen Lebensumstände und häufig auch ein Hineinwirken in ihr soziales und politisches Umfeld.
In der regelmäßigen, oft wöchentlichen Gruppenarbeit betonen sie Authentizität, Gleichberechtigung, gemeinsames Gespräch und gegenseitige Hilfe. Die Gruppe ist dabei ein Mittel, die äußere (soziale, gesellschaftliche) und die innere (persönliche, seelische) Isolation aufzuheben.
Die Ziele von Selbsthilfegruppen richten sich vor allem auf ihre Mitglieder und nicht auf Außenstehende; darin unterscheiden sie sich von anderen Formen des Bürgerengagements. Selbsthilfegruppen werden nicht von professionellen Helfern geleitet; manche ziehen jedoch gelegentlich Experten zu bestimmten Fragestellungen hinzu."
Kurz gesagt:
In Selbsthilfegruppen kommen Menschen zusammen, die unter einem gemeinsamen Problem leiden, um mit vereinten Kräften etwas zu dessen Überwindung beizutragen.
Sie basiert auf der Verantwortung des Menschen für sich selbst und entsteht immer dort, wo Menschen versuchen, ihre Lebensprobleme zu meistern.
Wie Selbsthilfegruppen arbeiten
- Ermutigen – Zuhören – Austauschen
- Kommunikation ist das oberste Ziel
- Lösen von Problemen / gemeinschaftliche Problembearbeitung
- Ziele sind primär auf Mitglieder gerichtet
- Wirkung ist abhängig von jedem Einzelnen
- Selbsthilfe ist kein Dienstleistungsunternehmen
In der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten beschäftigen sich Gruppen nicht nur mit physischen Krankheiten sondern auch mit psychischen Problemen und allgemeinen sozialen Lebenslagen.
Alle Gruppen treffen sich aus eigener Initiative in regelmäßigen Abständen, wobei die Art, der Inhalt und die Dauer der Treffen im Ermessen der einzelnen Gruppen liegt. Einige Selbsthilfegruppen sind jederzeit auch für Neuzugänge offen, andere wiederum haben einen geschlossenen Teilnehmerkreis. Deshalb ist es sinnvoll, sich vorher mit dem Ansprechpartner/in in Verbindung zu setzen.
Die Gruppeninhalte und Gesprächsthemen werden in allen Gruppen streng vertraulich behandelt.
Innen- und Außenwirkung von Selbsthilfegruppen
Je nach den Strukturen und Zielen einer Gruppe wirken Selbsthilfegruppen sowohl nach innen als auch nach außen.
Während der Gruppensitzungen finden meist die Aktivitäten statt, die nach innen gerichtet sind und ausschließlich auf die Teilnehmer abzielen. Die Gleichbetroffenheit und das daraus resultierende Verständnis untereinander, nach dem Motto: "Geteiltes Leid ist halbes Leid", gibt den Betroffenen Rückhalt und Unterstützung und ebnet so langfristig den Weg aus der Isolation. In den Gruppen findet man heutzutage oft richtige "Profis", da das Wissen der Mitglieder über das jeweilige Krankheitsbild mittlerweile weit über das eines Laien hinaus geht. Aus diesem Grunde werden in den Gesprächen medizinische, "fachchinesische" Begriffe eingedeutscht und erörtert. Selbsthilfegruppen sind daher gute Informations- und Kompetenzträger im Gesundheitswesen.
Je mehr man in der Gruppe gelernt hat sich mit seinem Problem auseinander zu setzen, desto leichter fällt es, sich auch im alltäglichen Umfeld mitzuteilen. Auch Familienmitglieder, Freunde und Bekannte können so erheblich entlastet werden.
Selbsthilfegruppen sorgen durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit dafür, dass ein breites Spektrum der Bevölkerung über Krankheiten und soziale Lebenslagen informiert werden. Durch diese Art der Aufklärung gelingt es, präventiv vorzubeugen und eine bessere Versorgung zu gewährleisten. Als Interessenvertretung suchen Selbsthilfegruppen den Kontakt zu Medien, Verwaltung und Politik, in erster Linie aber zu zuständigen Institutionen und Fachleuten, um deren Dienstleistungen zum Wohle der Betroffenen zu verbessern und auf Defizite hinzuweisen.
Für wen sind Selbsthilfegruppen geeignet?
Bei physischen oder psychischen Erkrankungen kann eine Selbsthilfegruppe nicht einfach wie ein Medikament vom behandelnden Arzt "verschrieben" werden. Die Teilnahme an einer solchen erfolgt absolut freiwillig und liegt im Ermessen des Betroffenen.
Die Frage der Eignung für eine Selbsthilfegruppe hängt zudem nicht unbedingt von der Krankheit oder Lebenslage des Betroffenen ab, sondern in erster Linie von dessen Persönlichkeit, seiner Lebenseinstellung und seiner Lebensgeschichte.
Die Entscheidung, einer Selbsthilfegruppe beizutreten soll hier durch folgende Fragen* erleichtert werden:
- Bin ich überhaupt dazu bereit, mich mit meiner Erkrankung und ihren Folgen auseinanderzusetzen, oder möchte sich sie lieber verdrängen?
- Habe ich die Hoffnung, selber etwas zu meiner Genesung oder Rehabilitation beitragen zu können, oder muss ich nicht dem Schicksal seinen Lauf lassen und auf die Kunst der Ärzte vertrauen?
- Werden mir denn andere Betroffene helfen können, wo die doch gleiche oder vielleicht sogar noch schlimmere Probleme haben?
- Werden die Probleme der anderen mich nicht noch zusätzlich belasten?
- Werde ich den anderen auch etwas geben können, oder denen nur zur Last fallen?
- Wird man mich akzeptieren und in die Gruppe aufnehmen, oder werde ich ein Außenseiter bleiben?
- Was genau würde ich eigentlich suchen in der Selbsthilfegruppe: Informationen, Freizeitgestaltung oder emotionale und soziale Unterstützung?
- Geht es mir um Reden, oder um Handeln, oder um beides?
- Was wird mein Doktor dazu sagen?
- Und was meine Angehörigen?
Hat man diese Fragen für sich beantwortet und ist zu dem Entschluss gekommen, den Weg in eine Selbsthilfegruppe zu suchen, stellt sich nun als nächstes die Frage nach einer geeigneten Gruppe.
Unter Selbsthilfegruppen finden Sie Informationen und Ansprechpersonen der Selbsthilfegruppen vor Ort.
Informationen zu bundes- und landesweiten Selbsthilfegruppen finden Sie unter www.nakos.de oder www.koskon.de oder www.selbsthilfenetz.de.
*Diese und weitere Informationen erhalten Sie in dem "Wegweiser Selbsthilfegruppen – Eine Einführung für Laien und Fachleute" von Jürgen Matzat, ISBN 3-89806-324-0







