Nationale Bildungsziele entwickeln und Kreativität und Innovation auf lokaler Ebene stärken
Andreas Schleicher, OECD Paris
Arnsberg, Neujahrsempfang
14 Januar 2005
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,
Ich freue mich, dass Sie das Thema Bildung zum Schwerpunkt ihres Neujahrsempfangs gewählt haben, und ich bedanke mich sehr herzlich für die Einladung an die OECD zu diesem Thema zu sprechen.
Bildung ist heute der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit, sowohl für den Einzelnen, als auch für Wirtschaft und Gesellschaft. Deswegen auch der Ruf der OECD, als kritischer Freund, nach weiteren Verbesserungen der Bildungsleistungen sowie nach Sicherung von Chancengerechtigkeit.
Bildung betrifft uns alle, und wir alle haben unsere Erfahrungen und Einstellungen zum Bildungssystem. Aber was wissen wir als Eltern wirklich über das, was und wie unsere Kinder Lernen? Wie profitiert ein Lehrer im Klassenzimmer von den Erfahrungen des Lehrers im Nachbarklassenzimmer? Was weiß die Schule von dem, wie die Nachbarschule macht und wie sie mit vielleicht ähnlichen Problemen umgeht? Und wo könnten wir heute stehen, wenn eine Stadt wie Arnsberg, die im Bildungsbereich ja schon heute viele Erfolge vorweisen kann, wenn eine solche Stadt wirklich wüsste was ihre Bildungseinrichtungen wissen, seien es die Schulen, Kindergärten, Einrichtungen der Jugendhilfe, und so fort; d.h. wenn wir das Kapital in den Köpfen der Menschen die mit Bildung befasst sind wirksam vernetzen und optimal nutzen könnten.
Davon sind wir oft noch weit entfernt, oft ist die Schule für Eltern eine "black box", wir reden von aktiver Mitarbeit der Eltern, schaffen dafür aber wenig Raum; oft stehen die Lehrer als Einzelkämpfer vor den Problemen im Klassenzimmer; oft bekommen die Schulen wenig Unterstützung und wenig Informationen über die Wirkungen ihres Handelns. Ich will das hier einmal mit einem schwarzen Bildschirm symbolisieren.
Und im Dunkeln sehen alle Schüler und Schulen gleich aus, wir kennen ihre Stärken und Schwächen nicht und können sie deshalb auch oft nicht wirksam unterstützen. Die internationale PISA Studie war ein Versuch, ein wenig Licht in dieses Dunkel zu bringen. Erkennbar wurden dabei große Leistungsunterschiede, sowohl zwischen den Schulen als auch zwischen den Nationen. Viele von Ihnen kennen die Ergebnisse. Lassen Sie mich hier noch einmal versuchen, die durchschnittliche Bildungsleistung der OECD Staaten grafisch zusammenzufassen. Im grünen Bereich bieten die Bildungssysteme bessere Leistungen als im OECD-Mittel, der gelbe Bereich ist das Mittelfeld, und der rote Bereich kennzeichnet unterdurchschnittliche Bildungsleistungen.
Im Ergebnis gehört Deutschland zu den OECD Staaten, in denen die Leistungen 15-jähriger Schüler in wesentlichen Bereichen schulischer Arbeit nur Mittelmaß sind, in denen effektive Lernstrategien oft unzureichend verankert sind, und in denen es vielfach an anschlussfähigem Wissen für weiterführende Lernprozesse mangelt. Trotz einiger Fortschritte seit dem ersten Vergleich im Jahr 2000 bleibt das Gesamtergebnis für Deutschland weiter deutlich unter dem Erwartungswert. Und eins ist klar, ein Land wie Deutschland kann sich nicht am Mittelwert der OECD-Staaten messen, sondern muss sich an der internationalen Leistungsspitze orientieren. Kurz gesagt, ein Land wie Deutschland muss soviel besser sein, wie es teurer ist.
Genauso beunruhigend ist, dass es dem deutschen Schulsystem nur unzureichend gelingt, auf der einen Seite ungünstige familiäre und soziale Voraussetzungen auszugleichen und, auf der anderen Seite des Leistungsspektrums, Talente zu finden und zu fördern. Lassen Sie mich auch diesen Aspekt noch einmal in der Grafik verdeutlichen. In einigen OECD-Staaten hängt Bildungsleistung stark vom sozialen Hintergrund der Schüler und Schulen ab, es gibt viele Gewinner und Verlierer im Bildungssystem, und im Klartext heißt die starke Abhängigkeit der Bildungsleistungen vom sozialen Hintergrund, dass das kognitive Potenzial vieler junger Menschen ungenutzt bleibt, das Bildungs- und Lebenschancen verspielt werden. Das ist etwas, für das der Einzelne, aber auch unsere Gesellschaft teuer bezahlt.
Auf der anderen Seite sehen wir Staaten, denen eine ausgewogene Verteilung von Bildungschancen gelingt.
Natürlich wollen wir alle im oberen rechten Quadranten dieser Grafik stehen, wo die Qualität von Bildungsleistungen hoch und Bildungschancen ausgewogen verteilt sind. Niemand kann sich mit unterdurchschnittlichen Bildungsleistungen und sozialer Ungerechtigkeit abfinden. Aber letztlich haben wir uns über lange Jahre ideologische Grabenkämpfe geliefert, ob es denn nun besser sei, die Gesamtleistung zu optimieren und mit sozialen Leistungsunterschieden zu leben – hier verdeutlicht durch den oberen linken Quadranten – oder ob wir auf Chancengerechtigkeit setzen und dann mit mittelmäßiger Gesamtleistung leben – hier verdeutlicht durch den unteren rechten Quadranten.
Das entscheidende aber ist, dass die PISA-Studie uns gezeigt hat, dass wir beides erreichen können, dass die Herausforderungen, sowohl ein hohes Niveau von Bildungsleistungen als auch eine ausgewogene Verteilung von Bildungschancen zu erreichen, durchaus bewältigt werden können. Finnland, Japan oder Kanada sind nur einige Beispiele von Staaten, die eine hohe Qualität von Bildungsleistungen und eine ausgewogene Verteilung von Bildungschancen erreicht haben. Sie können heute die Erträge von früheren Bildungsinvestitionen und -reformen einfahren. Ihre Schulen arbeiten ergebnisorientiert und haben ein deutlich größeres Maß an Selbstständigkeit und Verantwortung. Sie sind in der Lage, Schüler zu besserem Lernen, Lehrer zu besserem Unterrichten und Schulen zu mehr Effizienz anzuregen. Und sie bieten außerdem die richtige Kombination aus qualifiziertem Lehrpersonal, individuellen Lernangeboten sowie innovativer Ausstattung.
Dann erschien im September letzten Jahres noch die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick", die ein im Grunde ähnliches Bild für den Bereich der tertiären Bildung zeichnete: Insbesondere beim Anteil hochqualifizierter junger Menschen in der Erwachsenenbevölkerung fiel Deutschland im letzten Jahrzehnt weiter zurück, nicht weil Bildung und Ausbildung in Deutschland schlechter geworden sind, sondern weil in vielen anderen Nationen so vieles, so viel schneller besser geworden ist. Sie sehen dies in der folgenden Grafik im Zeitverlauf zwischen 1960 und heute.
Aber vergessen wir nicht, dass sich seit PISA vieles bewegt hat.
- Niemand bestreitet mehr die Bedeutung von guter frühkindlicher Bildung und die Notwendigkeit, diese auch zum integralen Bestandteil des Bildungssystems zu machen. Ja bei einigen ist inzwischen ja auch angekommen das Studiengebühren in der Hochschule vielleicht sinnvoller und sozial verträglicher sind als Studiengebühren im Kindergarten, wo wir die Grundlagen für Chancengerechtigkeit legen, aber wo der Anteil der durch private Gebühren finanzierte Anteil der Ausgaben in Deutschland weiterhin doppelt so hoch ist wie im OECD-Mittel.
- Auch die Notwendigkeit klare Bildungsziele zu schaffen, Bildungsziele die Schülern helfen besser zu lernen, Lehrern helfen besser zu unterrichten, und Schulen helfen effizienter zu arbeiten, dh. die Notwendigkeit verbindliche Maßstäbe für den Erfolg von Bildung zu schaffen, auch das ist heute weitgehend Konsens.
- Und nicht zu vergessen die Förderung von Ganztagsschulen – in de n meisten erfolgreichen OECD Staaten ja schon seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Bildungssystems – wo jetzt wichtige Fortschritte erzielt werden.
Also noch einmal, in vielen Bereichen ist Bewegung gekommen und darauf können zukünftige Entwicklungen aufbauen. Aber all das beantwortet die Frage nach einer wirklich strategischen Perspektive für Bildungsreformen nicht. Die Frage wie Deutschland sich der Aufgabe stellt, sich dem technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel anzupassen – und nicht nur anzupassen, sondern von diesem Wandel so gut wie möglich zu profitieren.
Denken Sie an die großen Veränderungen, die unsere Gesellschaft in den letzten 10-20 Jahren geprägt haben. Denken Sie an die Auswirkungen des technologischen, sozialen und kulturellen Wandels, der wirtschaftlichen Globalisierung oder die zunehmende Vernetzung gesellschaftlicher Strukturen die ich für den Bereich Wirtschaft auf der Grafik noch einmal zusammengefasst habe.
Treibende Kräfte dieser Veränderungen waren Wissen, Innovation, Flexibilität sowie Offenheit und Fähigkeit zur Vernetzung. Inwieweit haben wir die in diesen Kräften liegenden Chancen ausreichend für Bildungsreformen genutzt?
- Wissen und Kompetenzen? Natürlich leisten unsere Schulen und Universitäten bei der Vermittlung von Wissen oft gute Arbeit – von den von PISA aufgezeigten Defiziten vielleicht mal abgesehen, aber darauf will ich hier gar nicht hinaus. Die Frage die ich stellen möchte ist, wie weit wir Wissen und Kompetenzen selbst als primäre Ressource, als Motor für Entwicklung und Innovation im Bildungssystem einsetzen, so wie das in vielen anderen Bereichen unserer Gesellschaft und der Wirtschaft selbstverständlich ist. Die Frage, wie wirkungsvoll wir in der Schule z.B. Lehrpläne, Standards, Rückmelde- und Unterstützungssysteme verknüpfen, wie weit die Lehrenden eingebunden sind in den Prozess der Entwicklung, und informiert über die Wirkungen ihres Handelns, wie weit wir Bildung von einer Angelegenheit der Verwaltung zu einer Sache der Handelnden machen, Wege ebnen für Lernende, Lehrer und Bildungsinstitutionen zu einer echten Teilhabe an gesellschaftlichen Gestaltungsaufgaben in einer wissensbasierten Gesellschaft. Noch einmal, was wissen wir als Stadt und Gemeinde davon, was unsere Schulen leisten, wo deren Stärken und Schwächen liegen, welche Art von Unterstützung sie brauchen? Welche Instrumente nutzen wir um dazu beizutragen, dass Schulen voneinander lernen, sich miteinander entwickeln, anspruchsvolle Bildungsziele verwirklichen so dass sie Eltern eine Gewähr für Bildungsqualität bieten, auf die sie sich wirklich verlassen können? Wissen gemeinsam schaffen und nutzen, genau darum geht es in der Wissensgesellschaft. Dazu reicht es nicht, in den Städten und Kommunen auf Instruktionen von den Bildungsministerien zu warten und sich auf die Verwaltung von Bildung zu beschränken. In vielen der erfolgreichen Bildungssysteme sind die Städte und Gemeinden die entscheidende gestaltende Kraft und übernehmen ganz wesentlich Verantwortung für die Gestaltung des Bildungsangebotes, sorgen für qualifiziertes Personal, und vernetzen die verschiedenen Elemente eines vielfältiger werdenden Bildungswesens, vom Kindergarten bis zum Lernen im Alter. Es gibt kaum ein Unternehmen, das einen so hohen Anteil hochqualifizierter Menschen beschäftigt wie das Bildungssystem. Aber oft nutzen wir das Potenzial das in hochqualfizierten und hochmotivierten Lehrern steckt bloß zur Vermittlung von Wissen, aber nicht als zentrale gestaltende Kraft im Bildungssystem. Innovation? Trotz mangelhafter Durchschnittsergebnisse gibt es mitten in der deutschen Bildungslandschaft viele ausgezeichnete Beispiele für Innovation, viele Schulen und Universitäten die ausgezeichnete Arbeit leisten. Die Bodenseeschule bei Ihnen ist nur ein Beispiel für Schulen die heute einen Ruf für Qualität weit über die Landesgrenzen hinaus haben. Aber ist dies das Resultat des unermüdlichen Einsatzes einzelner Initiativen – sozusagen trotz des Bildungssystems – oder wirklich Ergebnis systemischer Verankerung von Innovation im Bildungssystem? Seit Jahrhunderten ist Deutschland Exportweltmeister in Sachen Pädagogik und Didaktik aber wir müssen uns doch irgendwann fragen warum diese Konzepte in Ländern wir Finnland, Japan oder Kanada systemisch zum tragen kommen, in Deutschland aber weitgehend auf Einzelinitativen beschränkt bleiben. Ich will in diesem Zusammenhang nur auf eine Zahl hinweisen. In Ländern wir Finnland liegen nur etwa 10% der Leistungsvariation der 15-Jährigen Schülerschaft zwischen den Schulen. Es gelingt dort fast allen Schulen gute Leistungen zu erbringen, indem Sie innovativ und kreativ auf ihre Schülerschaft eingehen. Eltern brauchen sich dort keine Gedanken zu machen auf welche Schule sie ihr Kind schicken, das Bildungssystem bietet die Gewähr das das Potenzial das in den Kindern steckt ausgeschöpft wird. Das meine ich mit systemischer Verankerung von Innovation und Erfolg. Flexibilität und Offenheit? Von offenen Bildungswegen wird viel geredet, aber die PISA-Ergebnisse zeigen tiefe Verwerfungen bei der Verteilung von Bildungschancen auf. Zu viel befassen wir uns damit, Schüler möglichst früh auf fest gefügte Bildungsstrukturen zu verteilen und zu wenig, ihnen durch individuelle Förderung Perspektiven für die Gestaltung ihrer eigenen Zukunft zu eröffnen.
- Und schließlich Vernetzung? Auf den ersten Blick ist dies sicher eine Stärke des deutschen Bildungssystems, etwa wenn Sie an die exemplarische Zusammenarbeit von Bildung und Handwerk im Bereich der dualen Berufsausbildung denken. Aber auch hier verschieben sich Anforderungen an moderne Gesellschaften. Vernetzung bedeutet heute mehr als ein früher und reibungsloser Übergang ins Berufsleben. Maßstab für den Erfolg moderner Bildungssysteme muss heute sein, inwieweit sie Grundlagen für lebensbegleitendes Lernen schaffen, das seine Wirksamkeit dann in allen Bereichen einer demokratischen Gesellschaft entfalten kann.
Wissen, Innovation, Flexibilität sowie Offenheit und Fähigkeit zur Vernetzung werden unsere Gesellschaft auch weiterhin dynamisch verändern. Und die Anforderungen an moderne Bildungssysteme werden dadurch weiter steigen.
Bei der Gestaltung von Bildungsreformen müssen wir den Blick dabei über die vielen zu lösenden Alltagsprobleme hinweg, fünfzehn, zwanzig Jahre nach vorne richten. Was wissen wir über die Zukunft? Wenig, aber einige Rahmenbedingungen sind absehbar.
Denken Sie an demographische Entwicklungen. Um 2030 wird fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung über 65 Jahre sein. Die Lebenserwartung wächst ja seit 300 Jahren beständig. Neu an der Entwicklung aber ist, dass der Anteil der unter 35ig-Jährigen etwa doppelt so schnell schrumpfen wird wie der Anteil älterer Menschen wächst. Die Zahl der Menschen im erwerbstypischen Alter in Deutschland wird von 40m auf 30m sinken. Wir können uns es da nicht mehr leisten, dass junge Menschen ihr Bildungspotenzial nicht ausschöpfen.
Als Folge prognostiziert das DIW dass Deutschland um das Jahr 2020 jährlich eine Million Migranten integrieren müsste allein um die Größe der erwerbstätigen Bevölkerung zu sichern. Und erinnern Sie sich hier noch einmal an die PISA Resultate die gezeigt haben, wie schwer es dem deutschen Bildungssystem fällt, junge Menschen aus anderen nationalen, gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhängen zu integrieren. Natürlich ist die Situation in vielen OECD-Staaten ähnlich, aber einige zeigen bereits heute ausreichend Erfahrung und Akzeptanz um mit diesen Herausforderungen umzugehen.
Weiterhin können wir davon ausgehen, dass sich die industrielle Produktion in den OECD-Staaten bis zum Jahr 2020 noch einmal verdoppeln wird. Entscheidender aber ist, dass der Anteil der in der industriellen Produktion Beschäftigten bis dahin auf rund ein Zehntel schrumpfen wird. Den Rest werden "Wissensarbeiter" bilden, deren "Kapital", ihr "Wissen", schnell veraltet.
Unsere Bildungssysteme müssen diese Menschen daher nicht nur mit solidem Fachwissen ausstatten, sondern in erster Linie mit der Fähigkeit und Motivation zu lebensbegleitendem Lernen. Das setzt voraus, dass der Einzelne motiviert ist ständig dazuzulernen, mit den erforderlichen kognitiven und sozialen Fähigkeiten ausgestattet ist, um eigenverantwortlich zu lernen, Zugang zu geeigneten Bildungsangeboten hat, und schließlich entsprechende kulturelle Anreize findet, um weiter zu lernen. Daran, nicht an der Reproduktion von Fachwissen, wird man den Erfolg zukünftiger Bildungsanstrengungen beurteilen.
Wissen wandelt sich beständig. Das Museum für Hamburgische Geschichte in meiner Heimatstadt zeigt eine Sammlung von Instrumenten mit denen Handwerker vor hunderten von Jahren ihre Arbeit verrichteten. Und jeder heutige Handwerker erkennt sofort wozu diese Instrumente gebraucht wurden, denn sie ähneln denen, die man heute gebraucht. Viele der grundlegenden Fähigkeiten im Handwerk haben sich nämlich über lange Zeiträume nur wenig verändert. Als Konsequenz konnte man in Bildung und Ausbildung davon ausgehen, dass das was man in der Schule lernt, für ein ganzes Leben ausreicht. Genau das hat sich grundlegend geändert. Wissen verliert seinen Wert relativ schnell. Oft sehen wir darin eine Bedrohung, und sicher ist dies auch eine Bedrohung wenn wir auf diese Herausforderungen nicht gut vorbereitet sind. Aber dies eröffnet uns auch ungeahnte Chancen: Damit wird die Wissensgesellschaft zur ersten Gesellschaft in der unbegrenzte soziale Aufwärtsmobilität möglich wird. Denn im Gegensatz zu traditionellen Produktionsmitteln im Industriezeitalter kann Wissen nicht vererbt oder vermacht werden, und muss von jedem neu erworben werden. Wissen muss weiterhin so transformiert werden, dass es lehr- und lernbar ist. Damit wird Wissen "öffentlich", und universell verfügbar. Wissen kann von jedem und überall erworben werden. Genau darin liegt die große Chance für die Zukunft, und das ist eine grundlegend neue Entwicklung. Bis 1850 gab es fast überhaupt keine soziale Mobilität in der Gesellschaft. Das indische Kastensystem ist vielleicht der Extremfall aber auch in Europa galt, das der Sohn eines Bauers wieder Bauer wurde und die Tochter einen Bauern heiratete. Mobilität war, sofern es sie gab, oft nach unten gerichtet, durch Krieg, persönliches Unglück, Alkohol oder Spiel.
Erst die Wissensgesellschaft hat dies verändert und bietet potenziell unbegrenzte Mobilität. Aber eben nur, wenn wir Menschen die dazu notwendigen Bildungschancen anbieten, lebensbegleitendes Lernen wirklich zur Realität werden lassen, für alle. Denn die Kehrseite ist, dass unzureichende Bildungsinvestitionen sinkende Lebensqualität bedeuten, sowohl für den Einzelnen als auch für Nationen, die am Übergang in die Wissensgesellschaft scheitern. Mangelnde Bildung wird zudem die Möglichkeiten junger Menschen, sich in unserer Gesellschaft wirklich zu engagieren, zunehmend begrenzen.
Andere Staaten sind mit ihren Bildungssystemen sehr viel früher auf diese Veränderungen zugegangen. Ja in vielen Staaten konnte insbesondere im tertiären Bildungsbereich im letzten Jahrzehnt einen wirklichen Paradigmenwechsel beobachten, von der traditionellen Ausbildung, die darauf abzielt den gegenwärtigen Qualifikationsbedarf des Arbeitsmarktes abzudecken, hin zur Investition in die weiterführende Bildung junger Menschen um diese zu befähigen den wirtschaftlichen und sozialen Wandel der Gesellschaft aktiv zu gestalten.
Das können wir auch an deutlichen Zuwächsen im tertiären Bildungsbereich ablesen, also bei den Hochschulen oder höheren beruflichen Qualifikationen. Und dieser Aus- und Umbau der Bildungssysteme hat in den letzten Jahren weiter an Dynamik gewonnen: Allein zwischen 1995 und 2002 hat sich die Zahl der Studierenden in der OECD um durchschnittlich 40% erhöht und in der Tschechischen Republik, Griechenland, Ungarn, Island, Korea und Polen sogar um mehr als 50%. All das ist keine abstrakte Diskussion um Quoten, sondern hat ganz konkrete Konsequenzen, sowohl für den Einzelnen, als auch für die Gesellschaft insgesamt. So wird der Zusammenhang zwischen Bildungsstand und Erfolg am Arbeitsmarkt immer deutlicher. Insbesondere die Ausbildung über einen Schulabschluss oder eine Lehre hinaus bringt mit 50% einen besonders hohen Einkommenszuschlag mit sich.
Klar erkennbar ist auch, das für Absolventen des Tertiärbereichs die Arbeitsmarktbeteiligung höher und das Risiko der Arbeitslosigkeit deutlich geringer ist, insbesondere in späteren Lebensjahren. Dem wird dann immer entgegengehalten dass Deutschland ja ein hervorragendes System zur Berufsausbildung hat das Defizite in der tertiären Ausbildung ausgleicht. Und in der Tat, das deutsche System der Berufsausbildung genießt international große Anerkennung für seinen Erfolg junge Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber dem Erfolg des Dualen Systems zu Beginn des Arbeitslebens, das einen vergleichsweise reibungslosen Übergang von der Schule ins Berufsleben sichert, steht ein stetig wachsendes Arbeitsloskigkeitsrisiko in späteren Lebensjahren gegenüber. Offenbar gelingt es den Absolventen dieses Bildungsweges weniger, sich später den rasch wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes hinreichend anzupassen.
Und es geht bei Bildung ja nicht nur um Vorteile für den Einzelnen. Ebenso klar ist, dass in allen OECD-Staaten in den neunziger Jahren mindestens die Hälfte der Zunahme des Bruttoinlandproduktes pro Kopf auf einen Anstieg der Arbeitsproduktivität zurückzuführen ist. Es gibt auch keine Anzeichen, dass der dynamische Ausbau des tertiären Bildungssystems in den OECD-Staaten zu einer "Inflation" der Qualifikationen führt. Ganz im Gegenteil, unter den Staaten in denen der Anteil der 25-64-Jährigen mit tertiären Abschlüssen seit 1995 um mehr als 5 Prozentpunkte gestiegen ist – Australien, Dänemark, Frankreich, Irland, Japan, Kanada, Korea, Spanien oder England – haben die meisten Staaten sinkende Arbeitslosenquoten sowie steigende Einkommensvorteile unter den Tertiärabsolventen verzeichnet.
Die wachsende Nachfrage nach neuen Kompetenzen, und Veränderungen hin zur Wissensgesellschaft rücken Bildung und Ausbildung deswegen zunehmend in den Vordergrund. Bildung ist zum Schlüssel geworden, und zwar nicht nur für den Erfolg des Einzelnen, sondern auch für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit der Staaten insgesamt. Dafür müssen wir heute in unseren Schulen die Grundlagen legen.
Natürlich kann niemand heute voraussagen, wie die Zukunft von Gesellschaft und Bildung im Jahr 2020 aussehen wird. Aber es liegt in unserer Verantwortung – und unseren Möglichkeiten – heute darüber zu diskutieren wie wir uns die Zukunft von Gesellschaft und Bildung wünschen und wie wir sie gestalten wollen. Dazu zeigen uns internationale Vergleiche Handlungsfelder auf, und wir sollten diese nicht immer gleich als lange Mängelliste des eigenen Bildungssystems lesen, sondern all faszinierende Sammlung von Beispielen wie die Probleme gelöst werden können.
Bildungssysteme sind träge Tanker, sie bewegen sich langsam. Sie brauchen viele Jahre, um Grundlagen für die Zukunft junger Menschen zu legen. Ihre Richtung ändern wir nicht, indem der Kapitän - oder man muss ja hier zutreffender sagen, die 16 Kapitäne - pausenlos mit kurzfristig angelegten bildungspolitischen Maßnahmen an Deck von der einen auf die andere Seite des Tankers laufen. Um das Schiff sicher zu manövrieren, brauchen wir vor allem langfristige strategische Bildungsziele.
Nur wer solche strategischen Bildungsziele hat, kann sinnvoll darüber entscheiden, was kurzfristig, mittelfristig und langfristig wie zu erreichen ist. Wenn wir den Lehrern und Schulen diese strategische Perspektive nicht vermitteln können, dann läuft letztlich eine Reformwelle nach der anderen über die Köpfe der Lehrer und Schulen hinweg, ohne etwas zu bewirken.
Die Beantwortung der Frage nach sinnvollen Bildungszielen darf sich dabei nicht auf Bildungsinhalte und Lehrpläne beschränken, diese sind in Deutschland ja sehr detailliert formuliert. Sie beginnt mit einem Diskurs über die für die Zukunft entscheidenden Kompetenzen, deren Definition, Operationalisierung und schließlich deren systematischer Bewertung. Einen solchen gesellschaftlichen Diskurs, unter Beteiligung aller gesellschaftlichen Träger, gibt es heute in vielen der erfolgreichen OECD-Staaten.
Es reicht auch nicht zu glauben, nur weil wir alle gute Intentionen haben werden auch die Resultate schon stimmen. Wir müssen mehr Gewicht auf die Bewertung der Ergebnisse pädagogischen Handelns legen. Dazu sind universelle und anspruchsvolle Bildungsstandards notwendig, die Maßstäbe für den Erfolg von Bildung schaffen, die Schülern und Eltern helfen zu verstehen, auf welche Fähigkeiten es ankommt und wie Jahrgangsstufen aufeinander aufbauen, und die Lehrern ein Referenzsystem für professionelles Handeln bieten, mit denen Sie Heterogenität von Lernprozessen und Lernergebnissen verstehen und Lernpfade individuell begleiten können. Finnland, England oder Schweden bieten hier Lösungsansätze an denen wir uns orientieren könnten. Es geht bei richtig verstandenen Bildungsstandards dabei nicht um die Normierung von Schülerleistungen, sondern darum, Maßstäbe für den Erfolg von Bildung zu schaffen.
Wer strategische Bildungsziele hat, und sie den Entscheidungsträgern und Handelnden - d.h. Schulen, Lehrern, Schülern und Eltern - auch vermitteln kann, der kann auch Leistungsbereitschaft einfordern. Und PISA zeigt klar, dass Schüler und Schulen, die in einem Umfeld positiver Leistungserwartung arbeiten und deren Schulklima von Lernfreude und Anstrengungsbereitschaft gekennzeichnet ist, besser Leistungen erreichen. Viele Staaten, die beim PISA Vergleich erfolgreich abschnitten, haben deshalb schon vor vielen Jahren damit begonnen, den Schwerpunkt ihrer Bildungspolitik und Bildungspraxis von einer zentralen Input-Steuerung zu einer Orientierung an den Lernergebnissen zu verlagern und bieten den Schulen wirksame Unterstützungsmaßnahmen an, um Bildungsziele zu erreichen. Dazu gehört selbstverständlich auch die Evaluation von Bildungsleistungen. Aber auch hier müssen wir umdenken. Traditionell benutzten wir Klassenarbeiten und Zensuren vorwiegend zur Kontrolle, etwa um Leistungen zu zertifizieren und den Zugang zu weiterer Bildung zu rationieren. Die Zukunft braucht dagegen motivierende Leistungsrückmeldungen, die Vertrauen in Lernergebnisse schaffen, mit denen Lernpfade und Lernstrategien entwickelt und begleitet werden können.
Wenn wir von unseren Schulen und Universitäten mehr Ergebnisorientierung erwarten, müssen diese umgekehrt aber auch die notwendigen Freiräume erhalten um ihre Lernumgebung sowie das Bildungsangebot zu gestalten und die ihnen zugewiesenen Ressourcen zu verwalten. Wenn Sie die Verwaltungsstrukturen in Deutschland mit den Beispielen dieser erfolgreichen Bildungsnationen vergleichen, dann kommen Sie zu dem Schluss, das Lehrer und Schulen in Deutschland oft nur die letzte ausführende Instanz eines komplexen Verwaltungsapparates der im Rahmen von 16 stark zentralisierten Bildungssystemen arbeitet.
Die Relevanz und Effizienz dieses Verwaltungsapparates, und egal ob das jetzt die Kommunen, die Länder oder der Bund sind, muss sich aber letztlich daran messen, wie gut die Schule, als selbstständige und pädagogisch verantwortliche Einheit, unterstützt wird. Dazu brauchen Lehrer, Schulen, Gemeinden und Städte weniger Vorgaben aber mehr Vergleichsdaten und wirkungsvolle Unterstützungsinstrumente. Dazu müssen wir von Abgrenzung von Verantwortung unter den Verwaltungsebenen zu einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Beteiligten kommen.
In vielen der im PISA-Vergleich erfolgreichen Staaten haben Schulen aber nicht nur größere Freiräume, sondern sind auch stärker für ihre Leistungsergebnisse verantwortlich.
Für den Schüler in Deutschland, der Bildungsziele verfehlt, sind die Konsequenzen meist klar – der bleibt sitzen. Und der Anteil solcher Schüler ist in beiden Ländern überdurchschnittlich. Dagegen gibt es nichts wie eine übergreifende "Produkthaftung" der Schule oder des Bildungssystems für seine Leistungen insgesamt.
Dass dies so nicht sein muss, zeigen die leistungsstärksten PISA Staaten, in denen es Aufgabe der Schule ist, konstruktiv und individuell mit Leistungsunterschieden umzugehen, d.h. sowohl Schwächen und Benachteiligungen auszugleichen, als auch Talente zu finden und zu fördern - und zwar, ohne dass die Möglichkeit bestünde die Verantwortung allein auf die Lernenden zu schieben, d.h. etwa Schüler den Jahrgang wiederholen zu lassen oder sie in Bildungsgänge bzw. Schulformen mit geringeren Leistungsanforderungen zu transferieren.
Eine systemisch verankerte, tief greifende Verbesserung der Qualität des Unterrichts erreichen wir nicht durch neue Konzepte oder mehr Vorgaben, sondern durch die Schaffung von wirksamen Anreiz- und Unterstützungssystemen, die Lehrern und Schulen helfen, voneinander und miteinander zu lernen, die Schülern, Lehrern und Schulen Perspektiven für Entwicklung bieten, und in denen auf Vielfalt nicht mit institutioneller Fragmentierung geantwortet wird, sondern durch einem konstruktiven Umgang mit Vielfalt. In den erfolgreichen Bildungsnationen reicht es nicht, standardisierte Lehrpläne abzuwickeln sondern dort individualisieren Lehrer Lernpfade und befähigen Schüler, gemeinsam und voneinander zu lernen. In diesen Staaten erfolgt der Zugang zum Lernen nicht allein durch die Lehrer, die Wissen durch den für Deutschland so typischen fragend-entwickelnden Unterricht vermitteln – manche nennen das Osterhasenpädagogik, der Lehrer versteckt überall die vorgefertigten Antworten, und wenn die alle richtig geraten sind, sind alle glücklich. Nein, in den erfolgreichen Schulen arbeiten Lehrer als Experten, die Schüler begleiten und dabei unterstützen, durch eigenständiges Denken und Handeln selbstständig und kooperativ zu lernen. Das lässt sich in gegliederten Systemen wie des deutschen nur schwer realisieren, ganz einfach deshalb, weil derartige Systeme die Anreizstrukturen so setzen, dass die Verantwortung für Erfolg allein auf die Lernenden geschoben wird, etwa indem weniger erfolgreiche Schüler den Jahrgang wiederholen müssen oder sie in Bildungsgänge bzw. Schulformen mit geringeren Leistungsanforderungen transferiert werden; wo sich ein Lehrer sagen kann, ich mache den richtigen Unterricht hier in meinem Gymnasium, aber habe leider die falschen Schüler, die eigentlich in die Hauptschule gehören. Das wirkt sich im Übrigen nicht nur negativ für weniger erfolgreiche Schüler aus, sondern führt auch dazu, dass Begabungen oft nur unzureichend gefördert werden. In Ihrem Bundesland lese ich in den Medien manchmal mit einiger Belustigung dies sei ein Werturteil der OECD oder gar meiner Person. Aber all dies ist nichts weiter als eine klare und unmisserverständliche Schlussfolgerung aus dem größten internationalen Leistungsvergleich, der mit allen OECD Staaten, unter intensiver Beteiligung Deutschlands, im Konsens erarbeitet wurde.
Und bitte missverstehen Sie das auch nicht als Plädoyer für die deutsche Gesamtschule, die im Grunde ja nach den gleichen Prinzipien arbeitet wie das gegliederte Schulsystem. Wohl aber kann die integrative und individuelle Förderung von Schülern in Staaten wie Finnland, Japan, Kanada, Korea oder Schweden Beispiel dafür sein, wie eine breite Beteiligung an Bildungsgängen, die zu höheren Abschlüssen führen, und die Sicherung eines hohen Leistungsniveaus gleichzeitig realisiert werden können. Diese Staaten erreichen ja nicht nur eine überdurchschnittliche Gesamtleistung, sondern auch eine deutlich bessere Ausnutzung des Leistungspotentials, insbesondere der Schülerinnen und Schüler aus ungünstigen sozialen Milieus.
Auch im tertiären Bildungsbereich sind viele Staaten bei der Integration von Bildungswegen und bei der Flexibilisierung von Qualifikationssystemen weiter fortgeschritten. Im Ergebnis wurde die Kluft zwischen langer akademischer Ausbildung auf der einen und beruflicher Ausbildung auf der anderen Seite besser überwunden, und der Studierende kann seinen Bildungsweg in vielen Staaten heute flexibler nach seinen Interessen und den sich wandelnden Anforderungen des Arbeitsmarktes gestalten. Ich glaube dass die Zukunft darin liegen wird, dass wir weniger Gewicht auf bestehende Bildungseinrichtungen legen werden, sondern Rahmenkonzepte für Qualifikationen und Abschlüsse aufbauen, die sich, unabhängig von den Bildungsanbietern, sowohl für die Bewertung als auch für die Anerkennung von Bildungsabschlüssen und Ergebnissen – sei es in formalen Institutionen aber auch bei der Weiterbildung am Ausbildungsplatz – nutzen lassen. Solche "qualification frameworks" fördern die Kontinuität des Lernens und erlauben es dem Bildungsteilnehmer, verschiedene Bildungsangebote selektiv wahrzunehmen. Zudem markieren sie Bildungsergebnisse, die für den Arbeitsplatz und das Leben besonders relevant sind.
Und jetzt kommen Sie mir nicht mit dem oft so beliebten Argument, das alles geht mit den heutigen Lehrern nicht und wir müssen erst die Lehrerausbildung ändern bevor sich irgendetwas in den Schulen ändert. In den 70er Jahren stellte Nokia, die Mobiltelefonfirma im PISA-Siegerstaat Finnland noch Gummistiefel her. Was meinen Sie wo die heute stünden wenn man sich damals gesagt hätte, wir würden gerne im Bereich Hochtechnologie arbeiten, aber unsere Ingenieure können das nicht. Deshalb müssen wir erst einmal warten, bis unsere Ingenieure in Pension sind, dann müssen wir neue Ingenieure ausbilden, und wenn die dann irgendwann einmal in unser Unternehmen kommen, dann werden wir mal etwas Neues machen.
Wir müssen das Bildungssystem nicht für die Lehrer verändern, sondern mit ihnen, und da gibt es viele hochmotivierte Menschen, die ein Arbeitsumfeld brauchen, das Perspektiven für Entwicklung und Kreativität bietet. Ein Arbeitsumfeld, in dem die Schule Lernorganisation wird, mit einem professionellen Management, das sich durch interne Kooperation und Kommunikation, etwa in den Feldern strategische Planung, Qualitätsmanagement, Selbstevaluation und Weiterbildung auszeichnet, aber auch durch Dialog nach außen mit den verschiedenen Interessengruppen, vor allem mit den Eltern. Ein Arbeitsumfeld, dessen Attraktivität und Ansehen nicht allein auf dem Beamtenstatus beruht sondern auf Kreativität, Innovation und Verantwortung, ein Arbeitsumfeld dass sich durch mehr Differenzierung im Aufgabenbereich, bessere Karriereaussichten, eine Stärkung der Verbindungen zu anderen Berufsfeldern, mehr Verantwortung für Lernergebnisse und bessere Unterstützungssysteme auszeichnet.
Ist eine zukunftsorientierte Bildung für alle angesichts der enttäuschenden PISA Ergebnisse nichts als eine abstrakte unrealistische Vision? Nein, Deutschland war traditionell ein starkes Bildungsland und hat alle Chancen wieder einen Spitzenplatz einzunehmen. Dazu aber gehört eine strategische Vision.
Deutschland kann dazu viel aus den Erfahrungen guter Bildungssysteme lernen, aber auch aus den Erfahrungen vieler deutscher Schulen die heute schon hohe Bildungsleistungen aufweisen. Ein wichtiger Anfang dazu ist gemacht. Seit PISA diskutieren wir wieder über Bildung, und wir tun dies jetzt auf einer objektiven, empirischen Grundlage, die langfristig helfen kann, die noch verbleibenden ideologischen Barrieren zu überwinden.
Vieles an Reformen ist auf den Weg gebracht, darauf können weitere Anstrengungen aufbauen. Dazu wünsche ich Ihnen den Mut, über die Binnenoptimierung des bestehenden Bildungssystems hinaus, auch über die langfristige Transformation der dem bestehenden Bildungssystem zugrunde liegenden Paradigmen und Strukturen nachzudenken.
Natürlich hat gute Bildung ihren Preis; aber die für Bildung eingesetzten Mittel sind entscheidende Investitionen in die Zukunft, die in unserer Haushaltsrechnung nicht weiterhin als Konsum- und Kostenfaktor, sondern als Investitionen verbucht werden sollten.







