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Ralf Herbrich

Stadt Arnsberg
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Ehmsendenkmal

Denkmal des Monats Juni 2014

Das „Flüsterhäuschen“, wie das Ehmsendenkmal aufgrund seiner Akustik liebevoll im Volksmund genannt wird, weckt bei vielen Arnsbergerinnen und Arnsbergern Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend. Idyllisch gelegen im Eichholz, einem Waldstück am südlichen Rand der historischen Stadt, ist dieser Ort mit seiner einzigartigen Aussicht auf die Stadt schon immer ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer und Familien gewesen. Zudem haben Generationen von Schülerinnen und Schülern der umliegenden Schulen hier ihre Freistunden verbracht – wenn auch nicht immer, um sich auf die nächste Stunde vorzubereiten, denn die Romantik des Ortes hat auch Liebespaare stets magisch angezogen.

Die Errichtung des Denkmals erfolgte zu Ehren des Mitbegründers des Sauerländischen Gebirgsvereins Forstrat Ernst Ehmsen (geb. 15. Dezember 1833 in Rendsburg; gest. 19. März 1893 in Göttingen). Im Jahre 1884 wurde Ehmsen als Forstmeister an die Arnsberger Regierung geschickt. Hier gründete er im Jahre 1890 gemeinsam mit dem Arnsberger Geschichtsschreiber Karl Feáux de Lacroix, vor dem Hintergrund der Wanderbewegung, den Sauerländischen Touristenverein. Aus diesem ging im Jahre 1891 der heute noch existierende Sauerländische Gebirgsverein (SGV) hervor. Ehmsen war nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit des SGV zuständig sondern erforschte auch die Regionalgeschichte und zeichnete sich verantwortlich für ihre Publikation.

Ehmsen war fasziniert von seiner neuen Heimat und hatte lange die Idee mit sich herum getragen, am Schlossberg ein Denkmal und einen Aussichtsturm für einen „verdienstvollen Manne“ zu errichten. Nach seinem Tode wurde diese Idee realisiert. Ein Komitee zum Bau des Ehmsendenkmals entschied im Jahre 1894, dass das Eichholz, welches den Übergang zur freien Natur vermittelt, ein besserer Standort wäre. Somit wurde auf seiner östlichen Seite oberhalb der Ruhr auf der äußersten Kante eines Felsvorsprungs ein Aussichtsplateau und Denkmal gebaut. Heute lässt sich von hier aus die bauliche Entwicklung der historisch gewachsenen Stadt mit seinen prägenden Gebäuden sehr gut ablesen.

Die Realisierung des Ehmsendenkmals erfolgte nach den Plänen des Berliner Architekten Wellermann. Schon während der Bauarbeiten deutete sich an, dass die Gesamtkosten beträchtlich über der veranschlagten Bausumme liegen würden. Deshalb wurde das in Haustein geplante Denkmal ab dem Jahre 1895 in Ziegelstein errichtet und verputzt. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Denkmal am 11. Juli 1897 feierlich eingeweiht.

Es entstand ein allseitig geöffneter, kuppelgewölbter Baukörper auf einer quadratischen Grundrissform. Die Gesamthöhe des Objektes beträgt ca. 8,00 m, bei einer Fassadenbreite von ca. 5,80 m. Das Gebäude ist vom westlichen Hauptportal ebenerdig zu betreten. Die drei anderen Fassadenseiten öffnen sich zur Hanglage bzw. zum Tal hin. Zur Ostseite (Ruhrseite) schließt sich eine halbrunde, balkonartige ca. 2,75 m tiefe Terrasse an. Diese wurde umlaufend mit einer halbhohen gemauerten Brüstung und einem Metallgitter versehen. Die nördliche und südliche Fassade tragen offene Arkadenfenster mit eingestellter Säule und gemauerter Brüstung. Insgesamt gliedern sich die Außenfassaden klar in zwei unterschiedlich gestaltete Bereiche. Der untere Bereich erstreckt sich bis auf das Schlusssteinniveau der Portalöffnung mit umlaufendem Gesimsband. Hier imitiert der Putz mit seinen Fugenschnitten ein Natursteinmauerwerk. Hierüber schließt sich eine glatte obere Putzfläche an, die bis unter das umlaufende Traufgesims reicht. Innen wurde das Denkmal als eine Fläche verputzt.

Die äußeren Wandflächen wurden ursprünglich mit einem Zementputz versehen, hingegen die inneren mit einem Kalkputz. Hier hat man wahrscheinlich ursprünglich schon die unterschiedlichen Belastungen durch Frost und Feuchtigkeit berücksichtigt. Besondere architektonische Details wie Fugen und Säulen samt Basis und Kapitell wurden ursprünglich ebenfalls mit einem Zementputz erarbeitet. Nur das Traufgesims und die Säulen der Arkadenfenster bestehen aus Naturstein (Ruhrsandstein). Das hangseitige umlaufende Sockelsichtmauerwerk wurde aus Grauwacke hergestellt.

Das Dach erinnert an eine Burgenarchitektur mit angedeuteten Zinnen und seitlich flankierender stilisierter Türme in Zapfenform. Zentral befindet sich auf dem Dach eine Kuppel, ebenfalls bekrönt von einem zapfenförmigen Abschluss. Die gesamte Dachkonstruktion ist mit einem Zementmörtel verputzt.

Am Hauptportal/Eingangsbereich befindet sich als Bauzier eine Inschrift: „Seinem Gründer, Forstrath Ehmsen, S.G.V.“ Zusätzlich sind die Jahreszahlen 1891 für die Vereinsgründung und 1897 für den Bau des Denkmals angegeben. Die Inschrift besteht aus getriebenen Zinnbuchstaben, die vermutlich ursprünglich aus Blattgold waren. Auf dem Schlussstein des Portals wurde das heute noch erhaltene Bronzerelief mit dem Portrait Ehmsens angebracht. Das Relief wurde zwei Jahre nach der Fertigstellung von der SGV- Abteilung Berlin II gestiftet.

Insgesamt entstand kein Prachtbau, sondern ein puristisches und anmutiges Gebäude, das auf seinem massiven Sockel thront. Es scheint alles reduziert auf das Denkmal. Die Reduktion und der starke Kontrast zwischen dem Denkmal und dem Hintergrund (Landschaft) stehen für die geradezu plakative Kraft dieses Ensembles. Aufgrund seiner Gesamtkomposition wirkt das Denkmal aus der Ferne machtvoll. Von der Klosterbrücke aus gesehen bietet das Bauwerk besonders bei Abendbeleuchtung einen imponierenden Anblick. Am 07. Februar 1994 wurde das Ehmsendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Arnsberg eingetragen.

In den letzten Jahrzehnten waren immer wieder Sanierungsmaßnahmen erforderlich. Die letzte umfangreiche Sanierung erfolgte in der Zeit von Mitte Dezember 2011 bis Herbst 2012. Hierfür wurde eine Sanierungsgemeinschaft gebildet, der der Sauerländische Gebirgsverein (SGV), der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der Verein Eichholzfreunde Arnsberg e.V. und die Stadt Arnsberg angehörten. Die NRW – Stiftung- Naturschutz, Heimat und Kulturpflege und der Förderverein der NRW – Stiftung unterstützten die Maßnahme finanziell. Des Weiteren wurde die Sanierung aus Denkmalfördermitteln des Landes NRW finanziert. Durch die fach- und denkmalgerechte Sanierung hat das Bauwerk nicht nur eine Aufwertung erfahren, sondern auch seine Aufenthaltsqualität und Fernwirkung zurück erhalten.